Lesenacht 1/5
PoV Leon
Ich duckte mich, als ein weiter Stein drohte meinen Schädel einzuschlagen.
"Verdammt, kannst du nicht aufpassen!?" fuhr ich Jennifer gereizt an und sie winkte mir entschuldigend zu. Sie war die Hexe, die Crispin hergeordert hatte, um beim Aufbau der Villa zu helfen. Sie war eine nette, kleine Brünette. Sie war etwa so alt wie ich und schien Ahnung von dem zu haben, was sie tat. Das Grundgerüst der Villa stand wieder, allerdings sah es immer noch mehr wie eine Ruine aus, als wie ein bewohnbares Haus.
"Sie leistet gute Arbeit. Aber es wird noch ein paar Tage dauern." klärte Erik mich auf und setzte sich neben mich auf einen großen Stein.
Mein Blick fiel auf Ron, der etwas abseits stand und mit Crispin stritt. Worüber konnte ich nicht hören, die geschärften Sinne prägten sich laut Erik erst mit der Zeit aus.
"Was ist los bei euch?" fragte mein Bruder nach und sah mich von der Seite an. Ich zuckte nur mit den Schultern und Erik seufzte.
"Weißt du, es gab mal Zeiten, da hast du dich mit mir unterhalten." Trotz meiner miesen Laune lachte ich kurz auf.
"Tut mir leid." Ich stockte kurz und fuhr mir einmal durch die Haare, die mir schon wieder im Gesicht hingen. Genervt band ich sie zusammen.
"Ron hat Geheimnisse vor mir. Und das schlimme ist, er verbirgt es nochmal, sondern sagt mir ins Gesicht, dass er mir nicht alles erzählt. Sowas tut man doch nicht, oder?" meine Stimme klang leicht verzweifelt und Erik schlug mir kurz auf die Schulter.
"Ich denke, dass Ron seine Gründe hat. Er ist nicht einfach, dass stimmt. Aber ich habe es nie erlebt, dass er so friedfertig ist. So ruhig. Verhältnismäßig. Du tust ihm gut. Das weiß er. Und er wird es sich sicherlich nicht verbauen. Gib ihm noch ein paar Tage, dann wird das." Ich nickte leicht abwesend, da ich über Eriks Worte nachdachte.
'Er wird seine Gründe haben.' Eine mehr unbefriedigende Antwort hätte er mir nicht geben können.
Dann sollte er mir seine Gründe nennen, anstatt mich wegzuschieben.
Ronald schien meine Unruhe zu spüren und sah mich über die Lichtung hinweg an, aber ich wandte stur den Blick ab.
Ein leises krächzte zog meine Aufmerksamkeit auf sich und amüsiert beobachtete ich Jerom dabei, wie er versuchte den Stein hochzuklettern. Wieso er nicht einfach hochflog wusste wohl niemand.
Ich packte den Drachen mit beiden Händen und setzte ihn auf meinen Schoß. Mittlerweile hatte er die Größe eines kleinen Hundes. Er wuchs schnell.
"Na du. Wird langsam Zeit, dass wir deine Art ermitteln. Nach einem Feuerspeier siehst du nicht aus." fing ich an mit Jerom zu reden und er sah mich mir fragend an, als wüsste er nicht, was ich von ihm wollte.
Würde er auch mit mir im Geiste reden können? Wenn ja, wann fing das an?
"Leon. Wir machen für heute Schluss." rief Erik mir zu und ich nickte. Jerom knurrte leise, stand aber letztendlich doch auf und setzte sich auf meine Schulter. Lange würde er das nicht mehr machen können. Er passte so gerade noch, allerdings wog er auch so einiges, was es nicht angenehmer machte. In ein paar Wochen konnte ich vermutlich auf seiner Schulter sitzen.
Wir waren mit zwei Autos hergekommen. Normalerweise würde ich mit Ron fahren, aber im Moment hatte ich einfach keine Lust auf ihn, auch wenn mein Körper geradezu nach ihm schrie. Aber ich konnte ihm ja nicht alles durchgehen lassen, nur weil wir Gefährten waren.
Also wollte ich zu Crispin ins Auto steigen, aber Ron packte mich am Arm und zog mich zu sich ins Auto.
Wäre ich noch ein Mensch wäre das ein blauer Fleck geworden.
Ich schwieg. Ich hatte ihm nichts zu sagen.
"Was willst du wissen?" Ich sah Ron kurz von der Seite an.
"Wo warst du?" Ron seufzte und folgte Crispins Auto auf die Autobahn.
"Ich war bei einer Freundin von Leonie. Sie heißt Lena und sollte mir ein paar Fragen beantworten. Konnte sie aber nicht." Noch gröber hätte er nicht antworten können, aber es war ein Anfang.
"Okay. Was wolltest du wissen? Und wieso könnte diese Lena es wissen?"
Ron seufzte und sah mich mit großen Augen an.
"Du wirst sie wahrscheinlich bald kennenlernen. Dann reden wir nochmal darüber." Ich verschränkte die Arme und sah aus dem Fenster.
Wahrscheinlich würde ich wieder auf der Couch schlafen.
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Der Bruder des Sehers
FantastikTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
