Kapitel 48 ~ Zwei Stimmen

1.3K 130 10
                                        

PoV Ronald

Ich konnte nicht sagen, woher ich es wusste, aber für mich bestand kein Zweifel in welche Richtung ich gehen musste, um Leon zu finden.
Ein wenig unheimlich fand ich das ganze schon. Wären Leon und ich nicht miteinander verbunden, hätte ich seine Hilfe womöglich sogar angenommen. Hätte er einen Herzstillstand erlitten, hätte Leonie ihm retten können.
Aber jetzt...alleine der Gedanke daran sorgte dafür, dass mit schlecht wurde.
Als ich Leon endlich sah, atmete ich erleichtert auf. Er saß auf einer Parkbank und starrte nachdenklich auf den See.
Tagsüber waren hier immer sehr viele Menschen unterwegs, Kinder spielten, Leute joggten mit ihren Hunden und Jugendliche picknickten zusammen.
Aber jetzt während der Dämmerung traf man nur noch vereinzelt Leute.
Leon musste mich gespürt haben, sagte aber nichts, als ich mich neben ihm fallen ließ.
"Ich wusste, Niclas würde dir davon erzählen." kam es müde von Leon und er strich sich über die Stirn.
"Ich habe mich nicht getraut. Ich dachte, was passieren würde, wenn ich hier und jetzt sterben würde. Es hätte niemanden geholfen." Obwohl Leon aufhörte zu sprechen, wusste ich, dass er noch nicht fertig war. Deswegen schwieg ich. Als ich eine Träne sah, sie ihren Weg über Leons Wange fand, war ich kurz versucht sie wegzuwichen und Leon in den Arm zu nehmen.
Aber ich tat es nicht. Ich konnte mich nicht dazu überwinden, ich war einfach kein Typ für sowas. Selbst wenn ich es wollte, ich konnte es einfach nicht.
Leon schien meine Distanz zu spüren und rückte, offenbar enttäuscht, ein Stück von mir weg.
"Du hast mich damals nur gerettet, weil du dachtest meine Gabe könnte dir nützen. Aber jetzt hat sich herausgestellt, dass sie unnütz ist. Ich bin körperlich schwach im Vergleich zu euch, meine Fähigkeiten kann ich nur sehr eingeschränkt benutzen und intelligenter als die anderen bin ich auch nicht." Leon sah mich von der Seite an und immer noch glitzerten Tränen in seinen Augen.
"Wieso bin ich überhaupt noch Teil des Plans? Ihr braucht mich nicht." Als ich auch darauf nicht antwortete, verzog Leon das Gesicht und stand auf.
Der Regen, der vor wenigen Minuten eingesetzt hatte, durchnässte bereits unsere Klamotten.
Als Leon zurück ging, war es so als hätte ich die sprichwörtlichen Engel und Teufel auf den Schultern.
Mein Kopf, der Teufel, wollte ihn gehen lassen. Es war nicht meine Art jemanden hinterher zu rennen. Das bedeutete Schwäche und diese konnte ich mir nicht erlauben. Sollte Leon doch alleine zurecht kommen. Für ihn würde ich mich nicht ändern.
Mein Herz und meine Seele, der Engel, schrien mich an ihm zu folgen und an mich zu drücken, bis seine Tränen getrocknet waren. Dieser Teil wollte Leon durch die Haare streichen und zuflüstern, wie sehr er ihn wollte, brauchte.
In meinem inneren tobte ein Krieg, wie schon lange nicht mehr. Meine Haut kribbelte, so sehr wollte sie die meines Gefährten an sich spüren.
Und trotzdem konnte ich keinen Fuß vor den anderen setzten.
Steh hier nicht so blöd herum! Geh ihm hinterher!
Langsam ging ich in die selbe Richtung, aber in diesem Tempo würde ich ihn nie einholen. Er wäre längst in unserem Zimmer und würde mit seinem Leid alleine sein.
Das würde er dir nicht verzeihen.
Es war fast so, als hätte dieser Satz den Teufel von meiner Schulter gestoßen. Augenblicklich verschwanden die Gewichte, mit denen mein Kopf mich am Ort und Stelle gehalten hatte und schnellen Schrittes ging ich Leon hinterher, ohne zu wissen, was ich sagen wollte.
Als ich Leon am Arm packte und zu mir umdrehte, sah er mich überrascht an und leider stellte ich fast, dass das Wasser in seinem Gesicht nicht nur vom Regen stammte.
"Hör zu. Ich bin nicht gut in sowas. Das weißt du. Aber glaube mir wenn ich sage, dass du nicht unnütz bist. Und auch nicht schwach. Überleg mal, ja du bist ein Mensch. Uns allen also körperlich weit unterlegen, deine eigenen Fähigkeiten könnten dich töten. Seit du denken kannst wirst du mit einer Welt konfrontiert, die nicht deine ist. Aber du nimmst es hin, machst das beste daraus." Ich legte meine Hände um Leons Gesicht und zwang ihn mich anzusehen. Jetzt konnte ich auch endlich die Tränen wegwischen.
"Und weißt du, was für Leute sowas tun? Starke Leute. Leute, deren Charakter so stark ist, wie kein zweiter, Leute die ein gutes Herz haben. Und dafür muss es nicht mal rein sein." Ich bereute es, Leon Anderes umgebracht haben zu lassen. Dadurch hatte ich seine wunderschöne Seele beschmutzt.
"Du bist nicht unnütz Leon. Dein Bruder und Crispin brauchen dich als Familie. Niclas braucht dich als Freund, ebenso Elias und Lana, Saskia." Erst sagte Leon nichts, sah mich nur mit großen Augen an. Hatte ich was falsches gesagt? Frustration überkam mich. Vielleicht sollte ich das mit den Worten und Gefühlen doch lassen.
"Und du?" Jetzt lag es an mir Leon überracht zu mustern und ich nahm meine Hände aus Leons Gesicht.
Ich brauchte drei Anläufe, bis ich überhaupt den Mund auf bekam.
"Ich...brauche dich...auch." Das letzte Mal als mir etwas so schwer gefallen war, hatte ich einen Drachen getötet. Und das mit bloßen Händen. Obwohl das hatte sich angenehmer angefühlt, als das jetzt. Leon wollte meine Schwäche ans Tageslicht holen! Eigentlich wollte ich den Gedanken noch weiter spinnen, aber meine Gedanken brachen sofort ab und verschwanden im nichts, als Leon unerwartet seine Lippen auf meine legte.
Ich konnte gar nicht anders, es erschien einfach unmöglich nicht darauf einzugehen.
Und so kam es, dass ausgerechnet ich bei Regen an einem See stand und meinen Gefährten küsste.

PoV ???

"Sieh dir das an. Und dabei heißt es immer, er sei ohne die Fähigkeit zu lieben geboren worden." Nachdenklich beobachtete ich Ronald, zusammen mit dem Menschen.
"Das ist er auch. Aber gegen den Gefährtenbund ist jeder machtlos, Meister." Ich nickte langsam, bevor ich anfing zu grinsen.
"Das wird perfekt. Stell dir nur das Leid vor. Der Schmerz über diesen Verlust, frisst sich durch den Körper bis ins Herz. Die perfekte Nahrungsquelle." Über diesen Gedanken erfreut, leckte ich mir über die Lippen.
"Und was habt ihr mit Ronald vor, Meister?" Ich sah auf den kleinen Gnom hinab.
"Ronald hat mich schon einmal in Schutz genommen als es um Jennas Tod ging. Er hat ihn auf seine Münze genommen, was bedeutet, dass seine Geschwister nichts von mir wissen. Das kommt uns gelegen. Immerhin weiß niemand, wie man ein Ur-Wesen tötet. Außer mir. Und Ronald-" Wieder sah ich zu dem Dämon, der zusammen mit dem Mensch verschwand.
"- wird zu spüren bekommen, wie es funktioniert." Ich verschmolz wieder mit den Schatten der Dämmerung, um weiter an der Ermordung der Ur-Wesen planen zu können. Eines war Tod. Fehlten noch vier.

Hätte nie gedacht, dass dieser Teil am längsten wird 😂 Und nur so zur Info, der letzte Abschnitt ist wichtig für TEIL 4
Ja es wird einen Teil 4 geben, ich habe einfach zu viel Spaß an dieser Story um sie enden zu lassen😍

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt