PoV Leon
Ich ließ die ganze Fahrt über nicht die Hand von meinem Bruder los. Dafür saß die Angst, dass ich nur träumte einfach zu tief. Erik schmunzelte währenddessen, sagte aber nichts.
Zusätzlich kam noch die Angst hinzu, wie er auf Ronald reagieren würde.
Es fühlte sich an, als würde ich meinen Eltern meinen Freund vorstellen und ich würde ganz genau wissen, dass sie ihn nicht akzeptierten, weil er so ein guter Kerl ist, sondern weil sie mussten. Ein unangenehmes Gefühl. Dabei hatte Ron wie jeder andere auch seine guten Seiten.
Wie unser kurzes Gespräch eben zeigte.
Ronald hatte angerufen und gefragt, ob mit mir alles in Ordnung sei. Mehr nicht. Ich hatte mir ein Lächeln verkneifen müssen.
"Also, wie sieht es aus? Die Villa ist zerstört, nehme ich an?" fragte Erik und klang nicht sehr erfreut darüber. Ich nickte zögernd.
"Das dachte ich mir. Und wo seid ihr unter gekommen?" Jetzt wurde es schon brenzlig. Natürlich würde Erik nicht ausrasten, das war er nicht der Typ für, aber gefallen würde es ihm auch nicht.
"Bei Ronald. Unter seinem...Laden." Ich bemühte mich neutral zu klingen, dabei vermisste ich Ron ganz schrecklich. Und das obwohl wir nur wenige Stunden auseinander waren.
"Ich kenne Ronalds 'Laden', wie du es so schön nennst. Hat mein Bruder sich wenigstens benommen oder müssen wir ihm seine Kräfte wieder nehmen?" Natürlich hatten sie das gespürt. Ansonsten hätten sie es eh gleich bemerkt, wenn sie Ron gesehen hätten.
"Ron hat sich sehr gut benommen und nichts getan, was es rechtfertigen würde ihm seine Kräfte zu nehmen." Meine Antwort klang etwas wütender als ich wollte. Aber der Gedanke daran, wie Ron unter dem Verlust seiner Kräfte gelitten hatte, setzte mir zu.
Crispin hatte das wohl auch mitbekommen und musterte mich kurz.
"Seid ihr jetzt Freunde, oder welchen Grund hat es, dass du so heftig reagierst?" Ich war stolz darauf, dass ich Crispins scharfen Blick standhalten konnte.
"Er hat sehr viel getan, um euch zu helfen und hat mir mehrmals das Leben gerettet. Und trotzdem seid ihr so misstrauisch, das finde ich ungerecht." Crispin schien mit der Antwort zufrieden und nickte leicht.
"Ja. Vermutlich hast du recht. Ist eine alte Angewohnheit, bitte entschuldige."
Den Rest der Fahrt herrschte schweigen und als wir endlich vor Rons Laden parkten, fiel mir direkt das schwarze Auto auf.
Ronald war schon da. Es fiel mir schwer nicht direkt reinzulaufen, so sehr freute ich mich. Aber vielleicht sollte ich es Erik und Crispin doch schonend beibringen.
Aber als wir durch die Türe traten und Ronald unverletzt und mit einem Glas Alkohol in der Hand an einem der Tische saß, vergas ich alle guten Vorsätze.
Ron schien es nicht anders zu gehen, denn er kam mir auf halben Weg entgegen.
Endlich war er bei mir und ich schlang meine Arme um seinen Hals und schmiegte mich an ihm.
Erleichtert schloss ich die Augen, wobei ich nicht sehen konnte, dass Ronald das gleiche tat.
"Geht es dir gut? Bist du noch verletzt?" flüsterte Ronald besorgt in mein Ohr und als ich den Kopf schüttelte, drückte Ron mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Sofort wurden meine Wangen rot und mein Herz schlug schneller.
"Was ist hier los?" fragte Erik argwöhnisch und musterte uns mit undefinierbaren Blick, während Crispin es natürlich schon verstanden hatte.
"Interessant. Da hat das Schicksal es wohl gut mit dir gemeint Ronald. Einen wunderbaren Gefährten hast du da." Crispin lächelte mich liebevoll an und sofort fiel eine Last von meinem Schultern.
Aber Crispin war auch nicht das Problem.
Unsicher wandte ich mich Erik zu. Er sagte nichts, aber ich sah das er das Gesicht leicht verzogen hatte.
Er war nicht begeistert und meine Schultern sackten nach unten. Erik schnalzte mit der Zunge.
"Ich will nicht der böse, große Bruder sein, also sage ich nichts. Zwar freut es mich, dass du deinen Gefährten hast, aber ich muss mich erst daran gewöhnen, dass es Ronald ist."
Ich war erleichtert, das war immerhin ein Anfang.
"Wo sind Jerom und Niclas?" Bei der Frage meines Bruders erstarrte ich.
Jetzt kam der richtig unangenehme Teil.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
