PoV Leon
Ronalds Blicke machten mich nervös. Es war als wüsste er genau, was ich dachte und das war mir unangenehm.
Ich bekam mit, wie Ronald mit Erik und Crispin diskutierte, als ich plötzlich einen enormen Druck auf meinem Kopf spürte. Ein leises keuchen entwich mir und ich legte beide Hände um meinen Kopf.
Nicht jetzt. Nicht jetzt. Nicht jetzt.
Eine Vision war das Letzte, was ich jetzt brauchte. Ich bekam kaum mit, wie die Gespräche verstummten, bis Erik mir besorgt eine Hand auf die Schulter legte.
"Hey, geht es?" fragte er sanft, aber der Moment war unpassend. Ich war sowieso schon gereizt, weil sie mich wie ein Kleinkind behandelten.
Also riss ich mich von Erik los, allerings etwas zu heftig, sodass ich auf den Boden fiel.
Die schlechte Nachricht, ich knallte mit dem Kopf auf. Die Gute, der Druck auf dem Kopf verschwand.
Erik kam um den Stuhl herum und wollte mir auf helfen, aber ich stieß seine Hand noch leicht benommen weg.
"Fass mich nicht an. Behandel mich nicht wie ein Kind. Ich bin keine fünf mehr!" Das letzte schrie ich nur noch und als ich aufstand, wankte ich noch etwas, aber eine Hand legte sich an meinen Ellbogen und stützte mich.
Es war Jerom. Ich sah das Mitleid in seinen Augen. Jerom verstand mich, das wusste ich, aber wirklich etwas tun konnte er nicht.
"Leon, wir sind hier noch nicht fertig, setzt dich bitte wieder hin." Mein Blick schoss zu Crispin. Mit jedem Wort stieg meine Wut, ich wusste nicht, woher sie aufeinmal kam, aber sie war da. Sie war intensiv. Und ich wusste nicht, mit ihr umzugehen.
"Ich hasse euch." entwich mir und erst als ich Eriks traurigen Gesichtsausdruck sah, wurde mir bewusste, was ich gesagt hatte.
Natürlich liebte ich meinen Bruder und Crispin, aber ihre Art, wie sie mich behandelten, das war nicht richtig. Und es machte mich wütend.
Crispin hatte seine Emotionen wie üblich besser unter Kontrolle, aber auch er verzog kurz das Gesicht.
Es tat mir leid, dass ich das gesagt hatte. Aber ich würde mich nicht entschuldigen. Nicht jetzt.
Stattdessen stampfte ich aus dem Raum und setzte mich in den Eingangsbereich.
Ich ballte die Hände immer wieder zu Fäusten, knirschte mit den Zähnen, stampfte leicht mit den Füßen auf.
Aber nichts half. Die Wut ließ nicht nach. Am liebsten würde ich etwas kaputt machen. Egal was. Aber das konnte ich nicht tun. Es wäre nicht richtig.
"Es wird nicht weniger, nur weil du es gerne so hättest." Ronald sah mich schief an und ich drehte das Gesicht weg.
"Was willst du?" murrte ich leise und ließ meine Fäuste wieder locker. Meine Fingernägel bohrten sich schon in die Haut und langsam tat es weh.
Aber der leichte Schmerz war immer noch einfacher zu verarbeiten als die Wut.
Ronald nahm meine Hände in seine und verhindere so das ich sie weiter bewegen konnte.
"Ich weiß, was du fühlst. Aber du machst es falsch. Du kämpfst dagegen an. Das schaffst du nicht, dafür hast du noch nicht genug Erfahrung. Du musst sie zulassen. Raus lassen. Sonst verlierst du die Kontrolle darüber. So wie gerade da drinne. Drück meine Hände." Ich hob meinen Blick und sah Ronald direkt in die Augen. Er meinte es wirklich ernst.
Und jetzt wo ich Ronalds Gesicht so nah war, fiel mir etwas auf.
Seine Augen waren nicht schwarz, wie wir alle annahmen. Es war nur ein sehr, sehr dunkles lila.
Wenn sich jemand mit Wut auskannte, dann Ronald. Also tat ich das was er sagte und drückte so kräftig ich konnte seine Hände.
Wenn ich ihm weh tat, ließ er es sich nicht anmerken.
Und zu meiner Überraschung ließ die Wut tatsächlich nach und ich lockerte meinen Griff wieder.
"Danke." flüsterte ich und lächelte Ronald leicht an. Aber viel weiter kam ich auch nicht.
Denn ein lauter, nicht menschlicher Schrei ließ das Ganze Haus beben. Erschrocken sah ich zu Ronald und mein Schreck ließ nicht gerade nach, als ich sah, wie Ronald blass wurde.
Wenn Ronald schon besorgt war, wie sollte ich mich dann fühlen?
"Was war das?" fragte ich leise und im nächsten Moment ertönte ein lautes Krachen und kleine Teile fielen von der Decke und der Wand.
"Das gibt's doch nicht." hauchte Ronald ungläubig und bevor ich etwas sagen konnte, packte er meinen Arm und ich wurde von etwas mitgerissen.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
