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Kapitel 55 ~ Lust

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PoV Leon

Er wusste es noch nicht. Er wusste noch nicht, dass Jerom tot war. Und jetzt musste ich es ihm sagen. Bei dem Gedanken verkrampfte sich mein Herz schmerzhaft.
Aber ich wusste jetzt schon, dass ich es nichts übers Herz bringen würde.
Ich deutete mit dem Kopf mir zu folgen und mit gerunzelter Stirn folgten mit Erik und Crispin. Allerdings sah ich kurz einen traurigen Ausdruck in Crispins Gesicht. Er war nicht dumm, er wusste, dass irgendwas nicht stimmte.
Ich führte die beiden in das Gästezimmer, welches im Moment von Alex belegt wurde.
Hier auf einem Tisch stand die Urne, zusammen mit einer Kerze, die ich hingestellt hatte. Solange wie Jerom noch kein richtiges Grab bei den anderen bekam, sollte seine Urne hier stehen.
Ich sah, wie sich Eriks Augen mit Tränen füllten, aber bevor er auf die Knie sinken konnte, hatte Crispin ihn schon an sich gezogen und drückte Eriks Kopf gegen seine Brust. Dabei strich er durch seine Haare. Eriks weinen wurde durch Crispins Brust gedämpft.
Der Anblick brach mir erneut das Herz.
Schnell verließ ich den Raum und wischte mir mit dem Handrücken über die Augen.
Ich wollte nicht wieder in Trauer versinken.
Wir waren noch nicht fertig mit der Situation.
Die Worte des Drachen ließen mich keine Sekunde in Ruhe.
Wer könnte dieser Fädenzieher sein? Es musste jemand sein, der so alt war, wie die Ur-Wesen selbst.
Aber wie sollte das möglich sein?
Da mussten wir noch drüber reden. Aber nicht heute. Und vielleicht auch nicht morgen.
Die vier mussten sich erst erholen und Jeroms tot verarbeiten.
Wir hatten uns alle ein paar Tage Ruhe verdient.
In meinem und Rons Zimmer angekommen, platzierte ich ein Kissen auf den Tisch und legte sanft das Drachenei darauf. Ehrfürchtig strich ich über die Schale.
Wie würde der Drache wohl aussehen? Konnte man ihn aufziehen, wie einen Hund oder eine Katze? Oder würde er uns alle fressen? Diese Fragen würde ich mir stellen, wenn er schlüpfte.
Jetzt wollte ich nur noch ins Bett.
Gerade als ich die Tagesdecke vom Bett zog, kam Ronald ins Zimmer und musterte mich kurz, sagte aber nicht.
Das musste er sich nicht. Ich spürte, dass ihm etwas auf der Zunge lag und wartete, ob er etwas sagen würde.
Was natürlich nicht der Fall war.
"Was bedrückt dich?" fragte ich, während ich kurz mit einem Kamm durch meine Haare ging. Sie waren in letzter Zeit lang geworden, ich könnte mir schon fast einen kleinen Zopf machen.
"Nichts." Ich ließ die Arme sinken und sah Ron auffordernd an. Ron erwiderte meinen Blick kurz und wandte sich dann mit einem kurzen, trockenen Lachen ab.
"Es ist wirklich nichts. Nichts wichtiges." Ron setzte sich auf den Rand vom Bett, mit dem Rücken zu mir.
Aber mit seiner Antwort gab ich mich nicht zufrieden. Ich krabbelte über das Bett zu Ronald und setzte mich so auf seinen Schoß, dass ich ihn ansehen konnte und meine Beine links und rechts neben seiner Hüfte waren.
"Sag es mir." Eine Weile sahen wir uns nur in die Augen und auch wenn Ron versuchte es zu unterdrücken, sah ich die Verletzlichkeit in seinem Blick.
"Es geht nur um etwas, was Mia zu mir gesagt hat. Nichts wichtiges." Ron beugte sich vor und drückte mir einen Kuss auf den Hals.
Auch wenn ich das Gefühl von Ronalds Lippen auf meiner Haut liebte, wusste ich, dass er noch nur ablenken wollte. Also packte ich seine Haare und zog seinen Kopf nach hinten.
"Bitte. Bitte rede mit mir."
Es ging mir nicht darum, was Mia gesagt hatte, oder zumindest nicht hauptsächlich. Ich wollte, dass Ronald sich öffnete und mit mir redete, wenn ihn etwas bedrückte.
"Mia hat gesagt, dass das hier nicht echt ist." Rons Hände legten sich an meine Hüfte und er strich über meinen Rücken.
"Das es keine echten Gefühle sind. Und sie hat recht. Ohne diese Gefährtensache würdest du nicht hier sitzen und-" Ich unterbrach Ron, indem ich meine Lippen auf seine drückte. Trotz Ronalds Zweifel zögerte er keine Sekunde und bewegte seine Lippen in selben Takt wie ich. Dabei drückte er meine Hüfte enger an sich. Während Ron mit seiner Zunge über meine strich, bewegte ich meine Hüfte gegen seine und die Hitze in meinem Körper stieg immer weiter an, während meine Hose an einer bestimmten Stelle enger wurde.
Mir entwich ein leises stöhnen und Ron löste seine Lippen von meinen.
Ich wusste, was er sagen wollte. Er hatte mir schon zu verstehen gegeben, dass er erst mit mir schlafen wollte, wenn ich kein Mensch mehr war, damit er mich nicht verletzte.
Aber das war mir gerade egal.
Ich wollte Ronald. Jetzt.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt