PoV Leon
"Das ist eine schlechte Idee." knurrte Ronald, während er mir durch den Wald folgte. Mittlerweile hatte sich schon ein richtiger Trampelpfad gebildet.
Es war keine schlechte Idee. Ronald hatte selbst gesagt, wir hatten ein gemeinsames Problem. Und wie hieß es so schön? Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und genau das hatte ich mir zu Herzen genommen.
Deswegen brachte ich Ronald zur Villa, obwohl niemand davon wusste. Sie hätten mich sowieso aufgehalten.
Und Ronald war intelligent und hatte sehr viele Anhänger. Er wäre sicher nützlich.
Und so konnten wir rausfinden, ob Ronald ehrlich gewesen war.
Denn kein lebendes Wesen mit schlechten Absichten konnte den Schutzwall durchdringen, die die Villa umgab. Und genau vor der blieb ich jetzt stehen. Natürlich konnte man sie nicht sehen, aber ich wusste ganz genau wo sie war. Demonstrativ drehte ich mich zu Ronald um, der lautlos mit den Zähnen knirschte.
"Die wollen mich eh nicht sehen." Ich verdrehte die Augen.
"Ronald, wenn du uns dabei hilfst, dann bekommst du vielleicht deine Kräfte wieder. Und das willst du doch, oder?" Robald sah mich erst zögernd an, nickte aber letztendlich.
"Wieso tust du das?" Ich wollte eigentlich gerade weiter gehen, aber Ronalds Frage ließ mich innehalten.
Wieso eigentlich? Diese Frage hatte ich mir noch nie so gestellt. Aber dennoch war die Antwort für mich offensichtlich.
Ich drehte mich nicht zu ihm um oder sah ihn an, als ich antwortete.
"Weil ich nicht finde, dass du das verdient hast." Ich schritt durch die Barriere und wartete. Würde Ronald durch kommen?
Plötzlich bemerkte ich jemanden direkt hinter mir.
"Und? Habe ich den Test bestanden?" Ich spürte Ronalds Atem in meinem Nacken und drehte mich zu ihm um.
Er stand keinen halben Meter von mir entfernt und ich musste mich zusammenreißen, nicht auf seine Narbe zu starren.
"Offenbar ja." Mit diesen Worten trat ich einige Schritte zurück und folgte dem Weg weiter in den Wald, Richtung Lichtung. Man konnte das hohe Dach der Villa schon durch die Baumkronen sehen.
"Damals wurde ich hereingebeten. Das war sehr viel komplizierter." Ich schnaufte leise. Ich wusste noch, wie ich mich als Kind mit ihm angelegt hatte. Damals wollte er Jerom umbringen. Unfassbar, dass er jetzt ohne Probleme hier rein kam.
Ein wenig erleichterte mich das schon, so mussten wir uns nicht nochmal mit Ronald herumschlagen.
"Wenn sie mich umbringen ist das deine Schuld." Ich warf ihm einen genervten Blick zu, woraufhin er beide Augenbrauen hob.
"Niemand wird dich umbringen, keine Sorge." Ronald schien nicht überzeugt, sagte aber nichts weiter.
Wir traten auf die Lichtung und die Villa erstreckte sich vor uns. Einige würden es aus unfassbares Glück bezeichnen hier zu leben. Aber ich sah das etwas anders.
Es war ein goldener Käfig. Nicht mehr und nicht weniger.
Die anderen hatten den Dämon garantiert schon bemerkt und überlegten, wie sie mich am besten umbringen konnten.
Aber ich war davon überzeugt, dass Ronald uns helfen konnte. Wir wussten zwar noch nicht genau, was passieren würde, aber es würde etwas passieren. Etwas schlimmes. Das wusste ich einfach.
"Versinkst du oft in Gedanken?" Ronalds Stimme riss mich wieder zurück in die Realität. Erst dachte ich, er würde sich über mich lustig machen, aber er sah mich vollkommen ernst an. Als würde es ihn wiklich interessieren.
"Zwischendurch ja." Ronald nickte nur und zusammen betraten wie die Villa. Sofort schlug mir die warme Luft und der vertraute Geruch ins Gesicht und ich verzog es leicht. Ich mochte diesen Geruch nicht.
"Komm mit, die meisten sind wahrscheinlich im Wohnzimmer." Ronald folgte mir wie ein Hund und schien sich nicht sonderlich wohl zu fühlen. Ein unbehaglicher Dämon, was es nicht alles gab.
Tatsächlich fanden wir im Wohzimmer Erik, Crispin, Jerom und Lana. Alle vier sahen uns an. Aber keiner sagte ein Wort.
"Also wenn wir uns nur weiter stumm anstarren wollen, dann werde ich meine Zeit nicht weiter verschwenden." brach Ronald die Stille und wollte umkehren, als Erik sich erhob.
"Bitte Ronald. Bleibe doch. Und sag uns, was du weißt." Mehr hatte der Dämon wohl nicht hören wollen, denn wie auf Kommando breitete sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht aus.
"Schon besser.'
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Der Bruder des Sehers
FantasiTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
