PoV Leon
Als ich aufwachte, war ich alleine. Zwar war ich ein wenig enttäuscht, aber überraschend war es nicht.
Ich sah auf und bemerkte Alex, der mir zu nickte und auf ein Glas Wasser deutete.
"Das hat Ronald eben vorbei gebracht. Er checkt jetzt gleich schon aus und will direkt weiter fahren. Wenn du also noch duschen willst oder so, solltest du dich beeilen." Sofort sprang ich aus dem Bett und lief mit meinen Klamotten Richtung Dusche. Wer wusste, wie lange es noch dauern würde.
Das relativ warme Wasser beruhigte mich ein wenig und meine Spannungskopfschmerzen ließen etwas nach. Hoffentlich würden wir heute den Dolch finden und das ohne Komplikationen. Allerdings konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass Erik und Crispin den Dolch schutzlos zurück gelassen hatten. Also würde wohl noch einiges auf uns zu kommen.
Ich seuftzte und lehnte meinen Kopf gegen die kühlen Fliesen der Wand. Wie konnte Crispin sich immer wieder gerne in solche Situationen stürzen? Wenn man ganz genau wusste, solltest du scheitern, werden unschuldige Personen sterben. Wer wollte freiwillig mit dieser Verantwortung leben? Tag ein Tag aus.
Es fühlte sich schrecklich an, dieser Druck auf der Brust, der einem die Lunge zerquetschte, es unmöglich machte zu atmen, bis man langsam daran erstickte.
Die Angst zu Scheitern, denn unser Scheitern würde den Tod einiger Personen bedeuten. Sie frisst sich in deine Knochen, bohrt sich in diese rein, bis man unfähig ist sich zu bewegen.
Aber die Ungewissheit war das Schlimmste. Ich konnte die Zukunft sehen, aber es gab hunderttausende von Möglichkeiten. Jede Entscheidung änderte die Zukunft. Nicht zu wissen, was passieren wird und welche Auswirkungen das hat, es war wie ein kleiner Schatten, der einen permanent verfolgt, deine Gedanken trübte und deine Sicht für die Realität verschwimmen lässt.
All diese Emotionen tobten in mir, wollten ans Tageslicht, versuchten mich in die Knie zu zwingen.
Aber ich musste stark bleiben. Nicht nur weil ich es wollte, sondern weil es erwartet wurde. Es wurde von mir erwartet stark zu bleiben, denn das war es ja, was man tun sollte, wenn die Welt einen erdrückt. Ob man überhaupt stark sein wollte, danach wurde nicht gefragt.
Ich wollte nicht stark sein müssen, am liebsten würde ich mich verkriechen und die Anderen all das hier erledigen lassen. Aber es ging einfach nicht.
Ich verließ das Bad mit noch schlechterer Laune, als ich es betreten hatte. Die Klamotten klebten an meinem Körper, ich hatte ihn nicht abgetrocknet. Im Zimmer packten Ronald und Alex unsere Sachen zusammen.
"Hast du alles?" fragte Ronald ohne mich anzusehen. Ich nuschelte nur eine kurze Zustimmung, mir war nicht nach reden zumute. Ronald drehte sich jetzt zu mir um und wollte offenbar etwas sagen, verstummte dann aber.
"Geht's dir nicht gut?" Ein schnaufen entfloh mir, obwohl ich versuchte es zu verhindern.
"Sag du es mir." Ronald verzog das Gesicht und warf sich seine Tasche über die Schulter. Sein Gesichtsausdruck wurde undurchdringlich.
"Schön. Gehen wir." Als Ron an mir vorbei ging ohne mich anzusehen, verdrehte Alex die Augen. Ich glaubte sowas wie, 'Kindergarten' von ihm zu hören. Eigentlich hatte er recht. Aber ändern würde sich nichts.
Wie bisher auch, herrschte schweigen im Auto. Wie sollten wir zusammen Jeremie aufhalten, wenn wir nicht einmal miteinander klar kamen? War das bei Erik auch immer so gewesen, wenn er mit den Anderen unterwegs gewesen war?
Das konnte ich mir nicht vorstellen, sie wirkten immer alle wie ein eingespieltes Team.
Aber das zu war zu Beginn bestimmt auch anders.
Würden Ronald, Alex, Leonie und ich auch irgendwann mal so ein Team bilden, wie Erik, Crispin, Lana, Elias, Jerom und Niclas?
Unvorstellbar.
"Von hier aus müssen wir zu Fuß weiter." i informierte Ronald uns und parkte das Auto.
Obwohl es helllichter Tag war, wirkte das Innere des Waldes dunkel und unheilvoll.
Es würde auf jeden Fall noch etwas passieren. Da war ich mir sicher.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
