PoV Leon
Ich lag im Bett und starrte an die Decke, obwohl es leicht schmerzte in dieser Position zu liegen. Allerdings hatte Ronalds Schmerzsalbe gut geholfen. Besagte Person saß in ihrem Sessel und musterte mich.
"Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal schlafen gehen wollte, ohne Angst zu haben." flüsterte ich und hörte Ronald leise schnaufen.
'Gern geschehen. Aber möglicherweise können wir uns mit der Kette abwechseln. Ich trage sie am Tag und du in der Nacht." Nickend stimmte ich zu, das war fair. Ich konnte froh sein, dass Ronald sie mir überhaupt gab.
"Aber jetzt wo ich schlafen könnte, bin ich nicht müde." Frustriert knirschte ich mit den Zähnen. Ich hatte die letzte Nacht mehr geschlafen, als die ganze letzte Woche. Deswegen konnte ich jetzt nicht einschlafen.
"Darf ich dich etwas fragen?" Ronald wartete einen Moment ehe er antwortete. Wahrscheinlich wollte er abwägen, was ich ihn fragen wollte und ob er mir eine Antwort geben würde.
"Ja." Seine einfache und knappe Antwort ließ mich kurz unsicher werden. Vielleicht wollte er gar nicht, dass ich etwas über ihn wusste. Aber fragen kostete nichts.
"Du bist ein Dämon. Warst es immer und wirst es immer sein. Wahrscheinlich hast du schon sehr viele verschiedene Wesen kennengelernt unf ich rätsele immer noch was Leonie eigentlich ist. Wenn du könntest, wenn du die Wahl hättest, würdest du etwas anderes sein wollen? Ein Vampir? Werwolf? Oder sogar ein Mensch?"
Es herrschte Schweigen im Raum. Man hörte nur Ronalds und meinen Atem. So langsam bekam ich den Verdacht, dass Ronald nicht antworten würde. Vielleicht war es ihm zu privat. Aber dann als ich mich entschuldigen wollte, fing er an zu reden.
"Jede Art hat etwas für sich. Im Moment bin ich menschlich, habe also keine übernatürliche Kraft, aber altern tue ich nicht. Ich würde nichts ändern und erst recht würde ich niemals ein Mensch werden. Jeder Atemzug kann dein letzter sein, man ist nur einen Schupser vom Lebensende entfernt. Nein, das wäre nichts für mich. Ich liebe die Unsterblichkeit. Und als Dämon bin ich keinem Blutdurst, keinem Mondzyklus, keinen Verhandlungen unterworfen. Man kann es schlechter treffen." Ron ließ seine Antwort kurz sacken, dann fragte er: "Und du? Hast du nie drüber nachgedacht dich verwandeln zu lassen?" Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet und überrascht sah ich in Rons Richtung. Ich konnte nur seine Konturen erahnen, weil es dunkel war, aber ich war mir sicher, dass er meinen Blick erwiderte.
"Natürlich habe ich das. Eine Weile wollte ich es sogar. Mit sechzehn, siebzehn. Aber Erik hatte es mir verboten." Ron knurrte leise und bewegte sich im Sessel.
"Dein Bruder kontrolliert dein komplettes Leben. Du musst deine eigenen Entscheidungen treffen, sonst wirst du niemals glücklich werden können. Wenn du ein Vampir sein willst, dann frag Crispin, ob er dich verwandelt. Wenn du ein Werwolf sein willst, frage Lana. Wenn du ein Dämon sein willst, frage mich. Aber lass dich nicht untermauern. Das steht dir nicht." Überrascht riss ich ein Stück die Augen auf. Ron würde mich verwandeln, wenn ich es wollen würde? Obwohl er wusste, dass Erik dagegen war. Aber Ron hatte recht. Erik hatte immer über mein Leben bestimmt und jetzt wo er weg war, konnte er es nicht mehr. Natürlich sorgte ich mich und würde alles tun, um ihn zu retten, aber gleichzeitig fühlte ich auch eine gewisse Freiheit. Ich konnte meine eigenen Entscheidungen treffen.
"Du würdest mich verwandeln?" fragte ich sicherheitshalber noch mal nach.
Eigentlich sollte mich der Gedanke nicht so beschäftigen. Ich wollte kein Dämon sein.
Obwohl ich noch nie darüber nachgedacht hatte.
"Vielleicht." Ich hörte, wie Ronald von Sessel aufstand und ich rutschte ein Stück zur Seite. Morgen wollten wir das Gästezimmer freiräumen, also schlief ich heute noch bei Ron im Bett. Fast lautlos ließ Ron sich neben mich ins Bett fallen und drehte sich so, dass wir uns ansahen.
"Nur knapp die Hälfte aller Menschen, die in Dämonen verwandelt werden wollen, überlebt. Alle anderen sterben bei der Verwandlung. Ich müsste abwägen, ob ich deinen Tod riskieren wollen würde. Immerhin hätte ich dich dann ganz umsonst beschützt."
Nur fünzig Prozent überlebten. Die Chance zu sterben war ziemlich hoch, bei Vampire überlebten nur ein bis zwei Prozent nicht, wenn überhaupt. Wieso war das so anders.
"Schlaf jetzt. Morgen haben wir noch was vor." Als hätten Rons Worte einen Schalter umgelegt, wurde ich müde und konnte keine fünf Sekunden mehr die Augen offen halten.
Mein letzter Gedanke war, wieso Ronald und ich so vertraut miteinander umgingen.
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Der Bruder des Sehers
ФэнтезиTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
