PoV Ronald
Leonie war weg. Ich hatte sie raus geschickt. Allerdings waren meine Augen immer noch gerötet und brannten. Diese Gefühle, die in meiner Brust tobten, drohten mich zu überwältigen.
Ich nahm Leons kalte Hand in meine und drückte einen Kuss darauf. Danach hielt ich sie weiter fest, als könnte ich Leon so bei mir behalten.
"Als wir uns das erste Mal begegnet sind, warst du ein Kind. Aber ich sah sofort, dass du anders warst. Du warst so vorlaut und hast dich mir in den Weg gestellt, obwohl du keine Chance hattest. Das hat mich beeindruckt." Ich lachte auf bei dem Gedanken daran. Einem Moment war ich so erstaunt gewesen, dass ich vergessen hatte, was ich sagen wollte.
"Als wir uns dann wieder gesehen haben, waren es immernoch die selben Augen, aber der Ausdruck in ihnen hatte sich verändert. Du warst unglücklich, das habe ich gespürt und der Gedanke hat mich nicht in Ruhe gelassen. Ich wollte wissen, was dich unglücklich machte. Aus diesem Grund bin ich mit dir mitgekommen. Sonst hätte ich mir wahrscheinlich etwas anderes überlegt. Es war nicht schwer herauszufinden, was dich belastete. Dein Blick sprach Bände. Und ich wollte dich auf meiner Seite haben. Auf jeden Fall. Und du bist mir ähnlicher als ich dachte. Vermutlich als jeder dachte." Wieder unterbrach ich, weil ich zittrig Luft holen musste. Es waren bereits vier Stunden um und er hatte noch keine Reaktion gezeigt. Vorsichtig strich ich über Leons Gesicht.
"Als du im sterben lagst, wegen der Vergiftung habe ich dich gerettet, obwohl ich zu dem Zeitpunkt keine Seele hatte. Es hatte nichts mit der Bindung zu tun. Ich musste dich retten, wegen mir selber. Und als ich meine Seele zurücknahm, habe ich es gespürt. Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben. Natürlich nicht." Ich seufzte und strich mir durchs Gesicht.
"Du hattest bedenken, es wäre nicht echt. Aber das ist es. Weil ich schon bevor wir Gefährten wurden in dich verliebt war. Und wenn du stirbst, werde ich herausfinden, wie man ein Ur-Wesen tötet. Und dir folgen."
PoV Leonie
"Die Spur endet hier." stellte ich fest und trat einen Stein ins Wasser. Nach der Sache mit Ronald, waren Alex und ich wieder losgezogen, um die Spur weiter zu verfolgen und sie alleine zu lassen. Allerdings kamen wir jetzt nicht weiter.
"Meinst du, er ist auf einem Boot?" fragte Alex und schaute Richtung Horizont.
Gereizt sah ich ihn an.
"Nein, er hat sich bestimmt in eine Meerjungfrau verwandelt." Alex hob abwehrend die Hände.
"Naja. So riesig ist der See nicht. Irgendwann muss er wieder an Land kommen. Wir positionierten überall ein paar Leute, dann finden wir ihn." überlegte Alex und zustimmend nickte ich.
Wir mussten Jeremie so schnell wie möglich finden. Wer weiß, was sonst noch passieren würde.
Und wenn Leon starb wollte ich definitiv nicht in Jeremies Haut stecken.
PoV Erik
"Darf ich reinkommen?" fragte er und fast automatisch schüttelte ich den Kopf.
"Du kannst nicht echt sein. Ist das eine Falle? Ein Trick?" Anders konnte es nicht sein. Es war unmöglich.
"Vielleicht ist es das nicht." ertönte Crispins Stimme und er stellte die Teekanne auf den Tisch. Zusammen mit drei Tassen.
Er musste unseren Besucher gehört haben.
"Komm rein. Deine Anwesenheit könnte alles ändern." Ohne weiter zu fragen, betrat er den Laden und sah sich unsicher um. Dabei rieb er seine Arme, ihm musste kalt sein. Kein Wunder, es regnete aus Eimern.
"Ich war ziemlich verwundert, als ich da auf einmal lag. Den Kopf voller Erinnerungen, die nicht meine waren." Er schüttelte den Kopf. Dann lachte er auf
"Das waren vielleicht Kopfschmerzen. Ich dachte, ich sterbe. Schon wieder." Ich verdrehte die Augen und stellte mich direkt vor ihn.
Und sah in meine eigenen Augen.
"Wie ist es möglich, dass du lebst? Du warst tot! Und das für über 38 Jahre."
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
