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Kapitel 20 ~ Gefühlschaos

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PoV Leon

Ich redete nicht mit Robald. Kein einziges Wort verlor ich. Er hatte das geplant. Hatte es der Frau an der Rezeption sogar gesagt, deswegen hatte sie so unglücklich geguckt. Aber keiner hatte sich Ronald in den Weg gestellt. Sie hatten ihn alle gewähren lassen. Und ich hatte genau das getan, was Ronald von mir gewollt hatte. Aber eine Frage blieb noch: Warum? Warum hatte Ronald gewollt, dass ich ihn umbringe? Was hatte er davon?
Aber ich würde nichts sagen. Ich wollte nicht mit ihm sprechen. Er sollte diesmal auf mich zukommen.

PoV Ronald

Es lief besser, als ich gedacht hatte. Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, einzugreifen und Andreas selber umzubringen. Aber so kam es nicht. Vielleicht musste ich Leon gar nicht auf meine Seite zu ziehen.
Er war es schon, nur wusste er es noch nicht, immerhin war er immer klein gehalten wurden. Ich bemerkte, dass er nicht mit mir reden wollte. Es war sehr offensichtlich.
"Es tut mir leid." Tat es nicht, aber vielleicht wollte er das ja hören.
"Du lügst." lautete seine knappe Antwort.
"Stimmt. Aber ich dachte, dass willst du hören." Die einzige Antwort, die ich bekam, war ein schnaufen und eine Weile herrschte schweigen im Auto. Als ich allerdings eine bestimmte Ausfahrt nahm runzelte Leon die Stirn und sah mich von der Seite an.
"Wohin fahren wir?" fragte er argwöhnisch, als würde er es schon ahnen. Wahrscheinlich war das sogar so.
"Zur Villa. Oder besser zudem, was noch von ihr übrig ist. Du wirst den Anblick nicht mögen." Leon sah mich mit großen Augen an und man konnte das Gefühl in ihnen nicht konkret beschreiben. Eine Mischung aus Angst und Freunde. Er wollte unbedingt sehen, was aus seinem Zuhause geworden war, hatte aber Bedenken, was er vorfinden würde. Zu recht.
Als wir der Barriere näher kamen wurde Leon nervöser. Er knetete seine Hände und rutschte auf dem Sitz hin und her.
Kurz vor der Lichtung hielt ich an und parkte den Wagen. Die restlichen Meter würden wir zu Fuß gehen.
Meine Leute hatten definitiv nicht untertrieben. Alles war zerstört, in sich zusammengefallen wie ein Kartenhaus. Es glich einer Ruine.
Wärend ich noch selber von dem Anblick gefangen war, merkte ich, wie Leon neben mir auf die Knie fiel. Mein Blick senkte sich auf ihn und ein komisches Gefühl überkam mich.
Ich wusste, was es war, nur fiel mir gerade der Name nicht ein, Gefühle waren nicht meine Stärke. Jedenfalls zog sich in meiner Brust etwas zu zusammen, also hatte ich wohl doch ein Herz, und ich verspürte das Bedürfniss Leon durch die Haare zu streichen. Als ich eine Träne sah, die Leons Wange entlang lief, erinnerte ich mich wieder.
Mitleid.

PoV Leon

Mein Herz blutete bei dem Anblick. Ich war hier aufgewachsen, meine komplette Kindheit und Jugend hatte ich hier verbracht. Und jetzt glich das alles dem Erdboden. Das machte mir noch mehr bewusste, wie sehr mein Bruder und die Anderen mir fehlten.
"Es ist alles kaputt." flüsterte ich und grub meine Hände in die feuchte Erde.
Alles war weg. Fotos, Erinnerungen, unser ganzes Hab und Gut.
Eigentlich erwartete ich von Ronald eine Antwort wie: "Habe ich doch gesagt." oder "Stell dich nicht so an." Aber das kam nicht, Ron sagte gar nichts. Er stand einfach nur da und musterte mich und, war das etwa Mitleid in seinen Augen?
Plötzlich spürte ich eine Hand an meiner Schulter. Überraschte sah ich diese an.
Ron wollte mich trösten, das war ja schon fast lächerlich.
"Ob du es glaubst oder nicht, ich würde niemals eine Person verspotten, die so etwas erlebt." Wäre die Situation eine andere, hätte ich gelacht. Solche Worte passten nicht zu Ronald. Gerade wollte ich noch etwas sagen, als ich sah, wie ein kleines, weißes Frettchen auf uns zu gerannt kam. Ich erkannte sie sofort und mein Herz machte einen Sprung.
Kurz bevor sie uns erreichte, verwandelte sie sich zurück und eine vollkommen verdreckte Mia fiel mir um den Hals. Sofort zog ich meine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern.
Dann nahm ich ihr Gesicht in meine Hände.
"Du bist hier." stellte ich leise fest, es war kein Traum. Völlig überrumpelt drückte ich meine Freundin an mich.
Ronalds misstrauischen Blick bemerkte ich nicht.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt