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Kapitel 17 ~ Die Ankunft

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PoV Leon

Die Fahrt zog sich und Ronald stellte sich als nicht sehr gesprächig heraus. Immer wenn ich ihn ansprach, verdrehte er die Augen oder knurrte leise. Manchmal reagierte er auch gar nicht.
Allerdings glaubte ich nicht, dass es an mir lag, sondern an den Fragen an sich. Ronald wollte einfach nicht, dass man zu viel über ihn wusste.
"Sind wir bald da?" fragte ich mürrisch und Ronald lachte leise auf.
"Wie alt bist du? Fünf?" Hätte er dabei nicht amüsiert geklungen, wäre ich beleidigt gewesen. Ich konnte es nicht leiden, wenn man mich nicht ernst nahm.
Ronald schien das wohl auch zu bemerken.
"Wir fahren jetzt von der Autobahn, dann sind wir so gut wie da." beantwortete er nun meine Frage und zufrieden nickte ich. Mir war langweilig und so langsam bekam ich Rückenschmerzen.
"Am besten bleibst du in meiner Nähe. Wenn man noch nie in einer Anstalt war, kann das Ganze sehr befremdlich auf einen wirken und wir wollen ja nicht, dass du da bleiben musst." Diesmal war ich es, der die Augen verdrehte. So empfindlich war ich auch nicht.
Ronald nahm wie angekündigt die nächste Ausfahrt und wir landeten in einem Waldstück. Gegenverkehr gab es so gut wie keinen, allgemein sah die Straße nicht so als, als würde sie viel benutzt werden.
Langsam kam das Gebäude in Sicht. Ein großes, alt aussehendes Gemäuer, umgeben von einem hohen Zaun, durch den man nur durch ein Tor kam.
Ronald hielt vor dem Zaun an und beugte sich zu der Sprechanlange.
"Hier ist Ronald." Fast zeitgleich mit Ronalds Aussage ertönte ein Geräusch und das Tor öffnete sich. Jetzt konnten wir weiter fahren. Wieso kannte man ihn hier? Vielleicht war er ja mal Patient gewesen, wundern würde es mich nicht.
"Wieso kommen wir hier einfach rein?" fragte ich nach, als wir ausstiegen.
"Wie gesagt, Dämonen werden von Leid angezogen. Und wo kann mehr Leid herrschen als hier? Die Hälfte der Mitarbeiter sind Dämonen. Und bevor du fragst, sie machen ihren Job gut. Den Kranken mangelt es an nichts."
Ronald parkte das Auto und wir stiegen aus. Eins meiner Knie knackte, was mir einen amüsierten Blick von Ronald einbrachte.
"Wie empfindlich Menschen doch sind." nuschelte er vor sich hin und ich war nicht sicher, ob das für meine Ohren bestimmt gewesen war.
Das Gebäude sah einladend aus. Alles war hell und geräumig, Blumen in allen Variationen standen umher und verliehen dem Raum einen leicht süßlichen Geruch.
Alles war genau so, wie man sich eine geschlossene Anstalt nicht vorstellte.
"Das hier ist der offene Bereich. Der Geschlossene ist nicht mehr so ansprechend." flüsterte Ronald mir zu und ging zur Rezeption.
"Ronald. Welch unerwartete Überraschung. Was führt dich her?" fragte die brünette Frau und sah Ronald mit erhobener Augenbraue an.
"Ich würde meinem Begleiter gerne Andreas vorstellen. Gab es Zwischenfälle?" Die Frau tippte kurz etwas auf ihrem Computer ein und nickte dann.
"Ja. Letzte Woche hat er dreimal versucht sich die Pulsadern aufzubeißen. Also haben wir ihn in eine Zwangsjacke gesteckt, woraufhin er anfing seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Er hat sich dabei zwei Zähne ausgeschlagen. Wir mussten ihn ruhig stellen und an einer Liege festbinden. Als wir ihn gestern losbinden wollten, flehte er zwei der Pfleger an ihn umzubringen." Ronald verzog nicht das Gesicht, aber ich sah die Frau erschrocken an. Dieser Mann schien wirklich nicht bei sich zu sein.
Während ich das Gesagte noch verdaute, beugte Ron sich zu der Frau und flüsterte ihr etwas ins Ohr, was ich nicht verstand. Kurz sah die Frau bestürzt aus, nickte dann aber offenbar widerwillig.
"Hier sind ihre Besucherausweise." Sie reichte uns die Karten und ich folgte Ronald in den hinteren Teil der Anstalt. Je näher wir diesem Teil kamen, desto komischer wurde mein Bauchgefühl.
Es würde etwas passieren.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt