PoV Ronald
Auf halber Strecke vernahm ich wieder Geräusche aus dem Kofferraum. Zwar war Mia gefesselt, aber sie ging mir trotzdem unheimlich auf die Nerven.
Als wir an einem kleinen Waldstück vorbeifuhren wurde mir das ganze zu bunt.
Ich riss das Lenkrad vom Wagen herum und machte eine scharfe Rechtskurve. Nachdem ich auf dem Waldweg angehalten hatten, stieg ich gereizt aus und musste mich zurückhalten, Mia nicht sofort den Hals umzudrehen.
Als ich den Kofferraum öffnete, bekam ich direkt einen wütenden Blick zugeworfen.
" Wenn du nicht aufhörst, mir auf die Nerven zu gehen, schlag ich dich Ko, haben wir uns verstanden?" knurrte ich und Mia nuschelte unverständlich in das Tuch, welches ich ihr in den Mund gesteckt hatte. Mit einem Augenverdrehen zog ich es raus und hob eine Augenbraue.
"Muss frustrierend sein, dass du mich nicht töten kannst. Leon würde es dir nicht verzeihen, wenn du wegen deiner Gereiztheit Saskia nicht zurück bekommst." Ihr Stimme klang jetzt gehässig, ein Tonfall, wie ich ihn von ihr noch nicht gehört hatte, der mir aber durchaus bekannt war.
"Du kannst mich nicht reizen." gab ich trocken zurück und als hätte ich sie herausgefordert, fing sie an gemein zu grinsen.
"Glaubst du, ja? Wusstest du, dass Leon und ich zusammen unseren ersten Kuss und unser erstes Mal hatten? Das wird uns ewig verbinden!"
Zugegeben, der Gedanke störte mich und bräuchte ich sie nicht an einem Stück, hätte sie schon längst ihre Zunge verloren.
"Und das beste daran? Es war freiwillig! Und nicht durch irgendwas gezwungen, er hat mich geliebt, weil er es wollte und nicht weil er es musste, anders als bei-" Weiter kam sie nicht, weil ich ihr das Tuch wieder in den Mund steckte.
Als ich zurück ins Auto stieg, musste ich meine Hände ein paar Mal zu Fäusten ballen, um mich ein bisschen zu beruhigen. Natürlich hatte sie recht. Leon würde sich ohne diese Gefährtensache niemals von mir anfassen lassen, aber war es deswegen weniger echt? Konnte sich deswegen keine richtige Liebe daraus entwickeln?
Ich versuchte den Gedanken zu verdrängen, immerhin musste ich einen freien Kopf haben, wenn ich mich gleich mit Jeremie unterhielt.
Warum wir ihn nicht gleich töteten, wusste ich nicht und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er schon seinen Kopf verloren. Aber Leon war geradezu besessen von dem Gedanken, dass Jeremie nicht wusste, was er tat.
Also würde ich Jeremie nichts tun, solange er mir nichts tat.
Und gerade als ich es geschafft hatte, Leon weitgehend aus meinen Gedanken zu verbannen, spürte ich einen stechenden Schmerz in meiner Seite und überrascht krümmte ich mich nach vorne.
Leon war verletzt. Sofort bekam ich Angst um ihn und fasste mir an die Seite.
Es fühlte sich nicht an, wie ein Messerstich. Eher als hätte er sich die Rippen gebrochen. Hoffentlich konnte er noch mein Blut zu sich nehmen.
Denn sonst würde ich umdrehen. Ich würde Saskia bei Jeremie lassen und Mia einfach in einen See schmeißen, Hauptsache ich wusste, dass es Leon gut ging.
Aber wenige Augenblicke später verschwand der Schmerz wieder und erleichtert atmete ich auf.
Aber jetzt fing Mia wieder an gegen die Innenseite des Kofferraums zu treten und ich verkrampfte meine Hände wieder um das Lenkrad. Nur noch ein paar Minuten, dann bist du sie los.
Als ich mit dem Auto um eine Kurve fuhr und in einer abgelegenen Seitenstraße parkte, sah ich ihn schon. Er lehnte an seinem Auto und beobachtete mich aufmerksam.
Und zum ersten Mal zog ich in Erwägung, dass Leon recht haben könnte.
Jeremie sah furchtbar aus. Er war blass, als hätte er seit Tagen kein Blut mehr zu sich genommen, zusätzlich hatte er Augenringe und eine Schnittwunde im Gesicht, die er sich wohl kaum selbst zugefügt hatte.
"Machen wir es kurz." Selbst seine Stimme klang erschöpft.
Er öffnete die Autotüre und half Saskia aus dem Auto.
Die Alte sah nicht so schlecht aus, wie befürchtet. Eigentlich wirkte sie sogar recht gesund.
Als sie bei mir ankam umfasste sie meine Hand.
"Ich wusste, du würdest dich für die richtige Seite entscheiden." Mit diesen Worten stieg sie wie selbstverständlich in mein Auto.
Ich schnaufte und öffnete den Kofferraum.
Jeremie hob eine Augenbraue, als ich die gefesselte Mia an den Haaren herauszog.
"Scheinbar hat sie sich nicht wie eine Dame benommen." stellte Jeremie nüchtern fest und schien nicht sauer oder dergleichen zu sein. Mit einem guten Schubs fiel Mia Jeremie entgegen, der sie nicht weniger grob anwies, ins Auto einzusteigen.
Dann kam Jeremie auf mich zu.
"Ich bin froh, dass das hier ohne Gewalt abgelaufen ist." Jeremie hielt mir die Hand hin und zögerlich ergriff ich sie.
Plötzlich beugte Jeremie sich wo vor, dass sein Mund direkt neben meinem Ohr war.
"Hilf mir."
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Der Bruder des Sehers
FantasíaTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
