Kapitel 37 ~ Nacht im Motel (2)

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PoV Leon

Als Ronald das Zimmer betrat war es tief in der Nacht, aber ich konnte immer noch nicht schlafen, während Alex schon leise vor sich hin schnarchte. Ron bemerkte wohl nicht, dass ich wach war, bis ich mich umdrehte und ihn ansah.
Er wollte sich gerade das Shirt ausziehen, aber als er sah, dass ich wach war, ließ er den Saum seines Oberteils wieder sinken.
Langsam, fast schon zögerlich, kam Ron auf mein Bett zu und setzte sich an den Rand.
"Wieso schläfst du nicht?" flüsterte er leise und blickte mich an. Aufgrund der Straßenlaternen draußen und den nicht vorhandenen Gardinen konnte ich es ganz genau erkennen.
"Ich bin nicht müde. Außerdem hast du die Kette noch." Ron sah an sich herunter, als hätte er es vergessen.
"Entschuldige." Er wollte die Kette abnehmen, aber ich hielt sein Handgelenk fest. Überrascht sah er mich an.
"Ich bin nicht müde. Du kannst sie anbehalten." Mir widerstrebt es, Ronalds Handgelenk wieder los zu lassen. Seine Haut fühlte sich so weich und warm an, ein angenehmes Kribblen durchzog meinen Arm. Ronald schien etwas ähnliches zu spüren, denn ich sah eindeutig seine Gänsehaut. Also Ronald erkannte, dass ich seine Reaktion bemerkt hatte, zog er seinen Arm weg und wollte aufstehen.
"Wieso hast du mir nicht gesagt, dass Leonie deine Tochter ist?" fragte ich und Ronald erstarrte. Der Blick, den er dem schlafenden Alex zuwarf, hätte die Hölle einfrieren können und augenblicklich bereute ich es gefragt zu haben.
"Weil es nicht wichtig ist. Leonie und ich pflegen kein familiäres Verhältnis. Es ist mehr freundschaftlich." Ich setzte mich auf und lehnte mich gegen die Wand.
"Ich hätte es wichtig gefunden." An Ronalds Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass er wieder etwas gemeines sagen wollte. Etwas, was meine Gefühle verletzt hätte. Aber er schloss den Mund wieder und ließ sich, wie ich auch, gegen die Wand sinken.
"Ich habe es dir schon mal gesagt. Ich habe viele Feinde. Wahrscheinlich gibt es mehr Leute, die mich Tod sehen wollen, als du in deinem Leben gesehen hast. Was glaubst du, würden diese Leute tun, wenn sie wüssten, dass ich eine Tochter habe? Oder einen Gefährten? Ob ihr es glaubt oder nicht, ich denke nicht nur an mich. Ich will weder das Leonie, noch das dir etwas passiert. Keiner von euch hat das verdient." Ronald spielte mit dem Anhänger der Kette und mied meinen Blick. Ich spürte, dass es ihm peinlich war, zu seinen Gefühlen zu stehen. Deswegen freute es mich umso mehr, dass er es tat.
Zögerlich legte ich eine Hand auf Ronalds Schulter. Es juckte mich in den Fingern seine Haut zu berühren, aber ich wollte langsam anfangen. Ich wollte Ronald nicht verschrecken. In der Hinsicht kam er mir vor, wie ein scheues Tier.
Aber Ronald tat nichts. Deswegen beschloss ich meine Hand langsam über Ronalds kräftigen Oberarm gleiten zu lassen. Deutlich spürte ich die Gänsehaut unter meinen Fingern, aber noch immer war Ronalds Blick stur nach vorne gerichtet.
Als ich allerdings einen Schritt weiter gehen wollte und meine Hand auf Ronalds Brust legen wollte, umklammerte er mein Handgelenk mit einem so festen Griff, dass es fast schmerzhaft war.
"Du solltest versuchen zu schlafen. Hier." Mit einer schnellen Bewegung zog Ronald die Kette über seinen Kopf und legte sie um meinen Hals.
"Ich will nicht-" Weiter kam ich nicht, da Ronald seine Hand auf meinen Mund drückte und mich so am sprechen hinderte.
"Hör zu. Ich mach dir ein Angebot. Du hältst jetzt einfach den Mund und schläfst. Oder tust zumindest so. Dafür bleibe ich bei dir liegen." Ich konnte nicht verhindern, dass ich unter Ronalds Hand anfing zu grinsen. Ron bemerkte es auch und nahm seine Hand weg. Er schob sich die Schuhe von den Füßen und hob die Bettdecke an, sodass ich schnell runter schlüpfte.
Ich wartete, ob Ronald sein Oberteil ausziehen würde. Normalerweise tat er es immer, aber jetzt zögerte er.
"Ron, jetzt schalt deinen Kopf ab und leg sich zu mir." Ronald schmunzelte kurz, bevor er sich das Shirt auszog und neben mich legte.
Zuerst lagen wir nur Rücken an Rücken zueinander. Überraschenderweise war es Ronald, der sich umdrehte und einen Arm um mich legte, während ich schon im Halbschlaf war und hoffte, ich würde es mir nicht nur einbilden.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt