PoV Leon
Wir stampften durch den Wald, den Wanderweg hatten wir schon lange verlassen und meine Füße schmerzten. Ron lief einige Meter vor mir und sah nicht zurück, als wäre es ihm egal, ob ich folgen konnte oder nicht. Alex war schon eine Weile auf vier Pfoten unterwegs. Aber selbst in seiner tierischen Form war der Höllenhund fast so groß wie ich. Sein Fell war schwarz, aber es schien, als würde es in Flammen stehen und seine Haut von innen heraus glühen. Sein Kopf war auf meiner Brusthöhe, eine Pfote war so groß, wie mein Gesicht. Ab und zu ließ Alex ein Knurren hören, weswegen Ron sich wachsam umsah. Scheinbar hielt Alex wache und hörte, ob wir verfolgt wurden oder ähnliches. Trotzdem gefiel mir dieses ewige Schweigen nicht. Mit ein paar schnellen Schritten holte ich Ronald ein, aber er ignorierte mich. Sah nicht mal in meine Richtung.
"Wie lange gehen wir noch?" fragte ich um ein Gespräch zu starten. Aber er sah mich immer noch nicht an.
"Zehn Minuten." kam seine knappe Antwort und frustiert seufzte ich. Es juckte mich in Fingern seine Haare zu berühren, in dem gedämpften Licht sahen sie weich aus.
Aber ich musste mich zusammenreißen. Wahrscheinlich würde ich einen Finger verlieren, wenn ich Ron einfach so an die Haare gehen würde.
"Bitte rede mit mir. Egal was." Mir war egal, wie erbärmlich und lächerlich ich klang. Ich hatte das Gefühl, mit Ron reden zu müssen, es war schon fast ein Zwang.
Ron schluckte offensichtlich schwer und drehte seinen Kopf sogar noch weiter von mir weg.
"Nein. Und jetzt halt deinen Mund." Betrübt senkte ich den Blick und folgte Ronald stumm.
Vielleicht hatte Ronald recht und wir sollten unsere Verbindung trennen. Er wollte es nicht. Und tat mir damit nur weh.
Es hatte keinen Zweck.
"Wir sind da." Überrascht sah ich auf und im ersten Moment dachte ich, Ron wollte sich nur einen Scherz erlauben. Allerdings war Ron nicht gerade für seinen Humor bekannt. Ich wusste nicht genau, was ich mir vorgestellt hatte, aber definitiv nicht das.
Man konnte nur noch erahnen, dass man hier einen ehemaligen Tempel vor sich hatte, bis auf einzelne Stellen, war alles in sich zusammen gefallen und von Moos und anderen Pflanzen bewachsen.
"Wo will man hier denn einen Dolch verstecken?" fragte ich misstrauisch und zum ersten Mal seit wir unterwegs waren, sah Ron mich richtig an.
"Er ist hier irgendwo. Stell keine Fragen und hilf beim suchen." Ich knirschte mit den Zähnen und wandte mich ab. Planlos ging ich um einige Trümmer herum und wusste nicht, wo ich anfangen sollte.
Nach einer Weile traute ich mich in den einzigen noch bestehenden Raum, eine breite Treppe führte ein Stück nach unten, der Raum war ebenso bewachsen, wie der Rest des Tempels. An einer Wand waren Löcher und davor stand etwas, was wie ein Altar aussah.
Kaum zu glauben, dass die Ur-Wesen hier vor fünftausend Jahren gelebt hatten.
Nach dem ich die Löcher in der Wand untersucht hatte und nichts gefunden hatte, wollte ich den Raum wieder verlassen, als ich ein Brüllen hörte, welches mein Blut gefrieren ließ.
Es war das selbe Brüllen, wie das des Drachen, der meinen Bruder, Crispin und die anderen entführt hatte.
Das Nächste, was ich sah war, wie die schon angeschlagenen Wände wackelten und kleine Steine von der Decke fielen.
Bevor die Decke mich erschlagen konnte, wurde ich von den Füßen gerissen.
Dann brach der Rest des Tempels zusammen.
PoV Erzähler
Ronald beobachtete, wie sein Gefährte den Tempel betrat und er musste ein seufzten unterdrücken. Es fiel ihm zunehmend schwerer ihn abzuweisen. Und das gefiel dem Dämon nicht. Er liebte es die Kontrolle zu haben und gerade war er dabei sie zu verlieren.
Als Alex neben ihm knurrte, sah er sich um und erstarrte, als er das Brüllen des Drachen hörte.
Es war doch unmöglich, einen Drachen zwei Mal zu bezahlen.
Alex ging in Angriffstellung, obwohl er wusste, keine Chance zu haben.
Aber der Drache hatte ein anders Ziel. Mit einer seiner langen Krallen stieß er gegen die riesigen Bäume. Sie würden genau auf die Überreste des Tempels fallen.
Das Herz des Dämons blieb stehen und die Zeit verlangsamte sich. Der Baum würde alles zum Einstürzen bringen und Leon war noch darin.
In Ron breitete sich ein Gefühl aus, welches er seit Ewigkeiten nicht mehr verspürt hatte.
Pure Angst. Sie fraß sich durch jede Zelle seines Körpers.
Die Angst, dass sein Gefährte sterben würde.
Und Ronald wollte nicht, dass Leon starb.
Vermutlich waren es diese überschwänglichen Gefühle, die das Unmögliche zuließen.
Die Angst, die Sorge um seinen Gefährten war so intensiv und stark, dass die Versieglung brach, um dem Dämon die Möglichkeit zu geben, Leon zu retten.
Die Kraft, die mit einem Mal in Ronalds Körper zurück kehrte, löste eine solche Welle von Energie aus, dass der Drache mehrere Meter weg geschleudert wurde und danach weg flog.
Innerhalb weniger Millisekunden war Ronald bei Leon und schmiss sich über ihn, um Leons Körper mit seinem zu schützen.
Die tonnenschweren Steine, die über den Beiden zusammenbrachen, drückten gegen Ronalds Rücken und Schmerz breitete sich in ihm aus. Aber er konnte nicht nachgeben. Er würde überleben, sollte er nachgeben. Aber Leon nicht. Und der Gedanke ließ ihn durchhalten.
Gleichzeitig hätte Ronald lachen können. Er hatte seine Kraft zurück und fühlte die Stärke seines Körpers.
Die Energiewelle, die Ronalds Kräfte auslöste, immerhin waren diese Kräfte zwanzig Jahre unterdrückt gewesen, war so stark, dass die meisten übernatürlichen Wesen auf dem Kontinent sie spürten.
Viele wussten damit nichts anzufangen, einige wussten Bescheid.
Leonie erkannte die Energie sofort und ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während sie Getränke ausschenkte.
Sogar Erik und Crispin spürten es und sahen überrascht auf.
"Sie haben es geschafft." flüsterte Crispin erschöpft, die Folter setzte ihm zu. Erik schöpfte Hoffnung. Ronald und Leon würden es schaffen.
Am wenigsten begeistert war Jeremie. Er verzog das Gesicht.
"Immer muss man alles selber machen." Jeremies nächster Schritt würde den Rahmen sprengen. Das wusste er. Aber trotzallen würde er es dennoch tun.
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Der Bruder des Sehers
FantasíaTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
