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Kapitel 18 ~ Ronalds Plan

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PoV Leon

Man bemerkt sofort eine Veränderung, als man den geschlossen Teil der Klinik betrat. Anstelle schöner Blumen waren Gittern vor den Fenstern, die Patienten waren nie alleine unterwegs, sondern immer in Begleitung eines Pflegers. Man konnte sogar ein leises Weinen hören.
"Schon eher so, wie du es dir vorgestellt hast, oder?" Ich nickte nur, weil ich meiner Stimme nicht traute. Wie die Leute sich wohl fühlen mussten, hier eingesperrt zu sein? Es sah alles so trostlos aus. Auch ohne ein übernatürliches Wesen zu sein, spürte ich das Leid, das hier herrschte.
"Komm, wir müssen hier lang." Ronald führte mich durch die Gänge, die allesamt gleich aussahen.
"Du kennst dich hier aus." stellte ich fest, aber Ronald schwieg. Ich glaubte sogar zu sehen, wie sein Gesichtsausdruck sich verhärtete.
Des weiteren fiel mir auf, wie das Personal einen Bogen um ihn machte. Fürchteten sie ihn, obwohl er zur Zeit keine Kräfte besaß? Was sagte das über ihn aus? Eigentlich mehr schlechtes als Gutes.
Vor einem Raum kam Ronald zum stehen.
"Hier ist er." Ronald zog einen Schlüssel aus der Hosentasche, den er wer weiß woher hatte und schloss die Tür auf.
In dem Raum befand sich ein Fenster mit einem Gitter, ein kleiner weißer Schrank und ein Waschbecken. Aber das, was den Blick auf sich zog, war das Bett in der Mitte des Raumes. Die Person darauf war festgebunden und schien bewegungsunfähig. Um seine Arme waren dicke Verbände und sein Gesicht war teilweise blau und geschwollen.
"Hallo, Andreas." grüßte Ronald den Mann, der so gut es ging, den Kopf hob.
"Du schon wieder. Bist du endlich gekommen um mich von meinem Leid zu erlösen?" fragte er flüsternd, seine Stimme klang zwar heiser, aber machte keinen verrückten Eindruck auf mich. Noch nicht.
"Nein, dafür bin ich nicht hier." antwortete Ron und Andreas schien mit dieser Antwort nicht zu Frieden. Plötzlich fing er an zu schreien und an seinen Fesseln zu reißen.
"Du Feigling! Du Bastard! Hätte deine Mutter dich bloß nie geboren!" Mich schockierten diese Worte, oder mehr das Geschreie, aber Ron zuckte nicht mit der Wimper.
"Diese Worte habe ich zu oft gehört, als das sie mich noch stören würden." erwiderte Ron tonlos und mein Blick wanderte zu ihm. In dem Licht sah seine Narbe im Gesicht brutaler aus als sonst. Aber ich verbot mir Mitleid zu haben. Ron war nicht die richtige Person für Mitleid.
Andererseits, was wusste ich über ihn, außer das, was ich von anderen gehört hatte? Hatte nicht jeder verdient eine Chance zu bekommen?
Selbst Ronald? Crispin war immerhin auch kein Unschuldslamm.
"Wieso? Wieso seid ihr so egoistisch? Wieso erlöst du mich nicht?" schrie Andreas weiter und riss mittlerweile so feste an seinen Fesseln, dass die Blutung am Arm wieder anfing. Der Verband färbte sich leicht rot.
Ron ging zu ihm ans Bett und legte eine Hand auf seine Stirn.
Fast zeitgleich hörte das Schreien auf.
"Bitte, Ronald. Tue es endlich. Du kannst dir diese Schmerzen nicht vorstellen." flüsterte er und ich sah seine Tränen und den Schmerz in seinen Augen. Er litt furchtbar, daran war kein Zweifel. Aber wirklich verrückt schien er mir immer noch nicht. Eher verzweifelt. Aber verzweifelte Menschen taten auch oft verzweifelte Dinge.
Wie jemanden mit einem Drachen zu entführen.
"Doch, das weiß ich." Ich sah auf. Hatte Ronald das wirklich gesagt? Oder hatte ich es mir nur eingebildet? Woher sollte Ronald das wissen, er hatte keinen Gefährten.
"Ich werde dich nicht umbringen, Andreas." sagte Ron jetzt wieder lauter und ging dann zur Türe. Verwundert sah ich dabei zu, wie er sie abschloss und den Schlüssel wieder wegpacken. Dann zog Ron ein Messer aus seiner Tasche und ich hob die Augenbrauen. Was hatte er vor?
Dann sah Ron mich direkt an.
"Das wird er tun." Ronald warf mir das Messer zu, aber vor Schock ließ ich es fallen.
"Das werde ich nicht!" stieß ich erschrocken hervor, aber Ronald sah mich emotionslos an.
"Du wirst keine andere Wahl haben." Mit einer gezielten Bewegung öffnete Ronald die Fesseln an Andreas Bett und dieser stand in sekundenschnelle auf und stürzte sich auf mich.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt