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   "Is' ja gut! Hast ja recht, Elflein. Das Orakel der Tauren hatt’ dem ries'n Ochs'n prophezeit, dass die Töchter von Mu'sha und An'she in Kalimdor eingetroff'n wär'n und einer vom Volk der ganz Alten soll euch beschützen. Bluthuf hat mich ausgewählt. Das is schon alles. Und nebenbei kann ich euch Beide auch echt leid'n, falls ihrs noch nicht bemerkt habt." Die Paladin legte ihm eine Hand auf die Schulter und sah dem Troll eindringlich in die Augen. "Ehrlichkeit ist keine Schwäche unter Freunden, Vol'jin." Sie lächelte, als sie sich wieder zurück lehnte und auch die Mundwinkel des Trolls deuteten nun wieder ein Lächeln an. "Ich schlag' vor, ihr legt euch ma’ hin, bevor ihr mir hier in meiner Stube wegpennt”, sagte er schließlich und hob die Priesterin von der Bank.

"He, ich kann auch selber gehen! Hab mich doch mittlerweile ausgeruht", protestierte sie. "Schon gut, kleines Weibchen. Dein Elflein bring ich dir gleich hinterher." Er schritt an der Paladin vorbei in den nächsten Raum, der ein ganzes Stück kleiner war als der Andere. Dafür stand ein großes Bett in seiner Mitte, in das Vol'jin die junge Frau nun behutsam hinein legte. Er verschwand wieder und Marialle war verwundert, keine Proteste von der Paladin zu hören, doch da kam der Troll schon mit der Elfe auf dem Arm zurück und kicherte der Priesterin zu. "Da is das Elflein weggepennt." Er legte sie zu der jungen Frau, die sie zudeckte und dem Troll noch einen dankbaren Blick zu warf. "Danke dir, Vol'jin. Gute Nacht."
"Nacht, Kleine."

Sie verbrachten die nächsten Tage im Haus von Vol'jin und er kümmerte sich wirklich herzzerreißend um die Beiden. Sie erholten sich schnell und fanden sich schließlich in dem Konferenzzimmer, in dem sie schon so oft waren, mit den Anführern ein, um die aktuelle Situation zu besprechen. "Die Späher berichten, dass Achimonde die Festung zu seinen Gunsten wieder aufbaut.", begann Malfurion ruhig. "Dies' Gewarte macht ein’ ja wahnsinnig, man”, erklang die Stimme des Trolls. "Ja, ihr habt recht, Vol'jin. Aber das, was passiert, wenn das Warten zu Ende ist, ist auch nicht viel besser", ließ sich Jaina Prachtmeer vernehmen. Die Anderen nickten. "Also heißt es wieder warten?", fragte nun Thrall.

"Archimonde braucht nicht mal mehr annähernd so viel Zeit, um sein Lager neu aufzubauen. Wir haben nicht mehr viel Zeit, bis die zweite Festung angegriffen wird. Also seid lieber froh über die Zeit, die wir noch haben. Er ist viel schneller, als wir dachten. Wir müssen es unbedingt irgendwie schaffen, dass sie nicht so schnell voran kommen", meldete sich auch Tyrande Whisperwind zu Wort. "Hat jemand eine Idee?", erkundigte sich Dole. "Wir müssen diese Katapulte nachbauen, damit wir ihre Ressourcen vernichten können. Wenn wir die Feuerkugeln von innen mit Öl tränken könnten, wäre das Feuer fast unmöglich zu löschen. Archimonde müsste so zumindest vor dem dritten Lager noch mal von vorn anfangen."

"Sehr gut, Lady Lichtsprung. Meine Orks sollten kein Problem mit dem Bau solcher Anlagen haben. Vielleicht können wir sie dadurch ja etwas ausbremsen", gab Thrall zufrieden zurück und alle an der Tafel nickten anerkennend, was Marialle die Röte ins Gesicht schießen ließ. Dolette schickte ihr einen Auszug des Stolzes, der ihre Gefühlswelt für die Priesterin in diesem Moment beherrschte, was den Rotton noch um einiges dunkler werden ließ. "Dann macht euch bitte an die Arbeit, Thrall. Der Entweiher wird nicht zögern", bat der Druide. Der Kriegshäuptling nickte ihm entschlossen zu und die Gemeinschaft erhob sich. Malfurion warf Dolette und Marialle einen Blick zu, der ihnen sagte, dass sie noch bleiben sollten, und als dann alle außer Tyrande den Raum verlassen hatten, erhob die Paladin das Wort.

"Meister Sturmgrimm, was können wir für euch tun?"
"Wie geht es euch? Habt ihr euch gut erholen können?" Die beiden Frauen sahen sich kurz an, bevor Maraille antwortete: "Ja, Meister Sturmgrimm. Vol'jin hat sich sehr fürsorglich um uns gekümmert." Der Druide musterte sie eindringlich und es dauerte etwas, bevor er wieder sprach. "Wir haben eine Bitte an euch.” Er atmete einmal tief durch. “Und zwar möchten wir nicht, dass ihr an der Schlacht im Lager der neuen Horde teilnehmt." Die Beiden waren gleichermaßen verwirrt und er wartete nun keine Erwiderung ab. "Ihr seid unser Trumpf. Archimonde weiß nichts über die Kräfte, die in euch wohnen, und daher wollen wir uns diesen Überraschungseffekt bis zum Schluss aufbewahren."

"Aber...", wollte Dolette protestieren. Es lag ihr nicht, Andere für sich kämpfen zu lassen, doch der Nachtelf fuhr ihr über den Mund. "Es ist unser Glück, dass ihr ihm nicht schon eine Kostprobe davon bei der letzten Schlacht gegeben habt und wir würden es gerne dabei belassen. Außerdem haben wir da noch eine weitere Legende, von der wir euch berichten wollen." Die Paladin sah nun wirklich missgünstig drein, doch machte sie keine Anstalten, ihn zu unterbrechen. "Dann lasst hören, bevor wir es uns anders überlegen." Es war Tyrande, die nun das Wort ergriff und für ihren Gemahl weiter sprach.

"Wie ihr vielleicht schon gehört habt, sind die Tauren ebenfalls eins der ältesten Völker. Man sagt, dass Cenarius, der Shan'do Malfurions, die Tauren schon im Druidentum unterrichtet hat, lange bevor er ihn als seinen ersten Schüler der Nachtelfen annahm.” Marialle musste das Wort Shan'do kurz für sich einordnen, ehe ihr einfiel, dass es Lehrer hieß. Darnassisch war ihr noch so fremd. “So war es Cairne Bluthuf, der uns auf die Legende von Belare und Elune ansprach. Seinem Volk sind Lehren des Cenarius über die Jahrtausende zwar verloren gegangen, aber es gibt Riten, deren Herkunft er selbst nicht erklären kann. Riten, die eure Verbindung vielleicht stärken könnten. Und da hatten wir die Idee, dass ihr euch diesen unterzieht, um eine machtvolle Geheimwaffe im letzten Kampf sein zu können.”

Tyrande ließ das Gesagte einen kleinen Augenblick wirken, ehe sie fortfuhr: “Was haltet ihr davon? Eine der Alten seines Stammes würde sich dazu bereit erklären, die Riten an euch durchzuführen." Stille folgte und die beiden Frauen tauschten ihre gemischten Gefühle aus. "Ihr meint also, dass das etwas bringen könnte?", fragte Dolette schließlich für sie Beide. "Es ist eine Möglichkeit und zweifelsohne würde es euch davon abhalten, an der kommenden Schlacht teilzunehmen”, war die bedrückend ehrliche Antwort des Druiden. Die Beiden tauschten noch einen Blick aus und nickten dann. "Wenn die Riten allerdings beendet sind, bevor die Schlacht beginnt, kann uns nichts davon abhalten, der neuen Horde in diesem Kampf beizustehen."

Malfurion nickte anerkennend. "Ich hatte nichts anderes erwartet. Meister Bluthuf wartet draußen auf euch und wird euch zu der Schamanin geleiten."
"Dann ist alles gesagt. Informiert den Kriegshäuptling und Jaina Prachtmeer. Wir wollen keine Zeit verlieren", befahl Dolette ungewohnt ruppig und wandte sich zum Gehen. Shandris Mondfeder, die wie immer tief verborgen im Schatten lauerte, nickte finster und trat als erste hinaus. Marialle deutete eine Verbeugung an und folgte ihr. Draußen wartete tatsächlich der schweigsame Taure auf die Beiden. "Also ihr zieht hier die ganze Zeit über die Strippen, Taure. Wo lang geht es zu eurer Schamanin?" Der Ton der Paladin war noch immer äußerst scharf und so wunderte es die Priesterin kein bisschen, dass sie ungehindert weiter ging, ohne eine Antwort abzuwarten. Er eilte den Frauen hinterher und machte keine Anstalten, sich auf die provokante Art der Elfe ein zulassen.

"Ihr habt den richtigen Riecher, Lady Glutklinge", ließ er sich ruhig vernehmen. "Na dann, beeilt euch! Ich habe nicht vor, mehr Zeit auf diese Riten zu verwenden als unbedingt nötig!" Er schickte sich an, sie zu überholen, damit er die Führung übernehmen konnte. Sie schritten eine ganze Weile schweigend nebeneinander her, bis Marialle das Wort ergriff: "Stopp!", befahl sie und der Taure und die Elfe gehorchten. "Ich möchte jetzt wissen, was eure Rolle in all dem hier ist, Meister Bluthuf."
"Ich bin unbedeutend, Lady Lichtsprung. Garta Quelltotem wird euch, soweit sie kann, alles erklären. Ich folge nur ihrem Rat." Das musste ihr genügen, denn die Paladin marschierte schon wieder los.

Sie erreichten eine Höhle, vor der Vol'jin saß. "Da seid ihr ja endlich! Die Alte ist schon ganz ungeduldig", begrüßte er die Drei murrend. "Was machst du denn hier?", fragte Marialle ruhig. "Ich halte Wache, damit die Riten nicht unterbrochen werden", kam die Antwort prompt. "Deine Leute ziehen in den Kampf und du bewachst hier zwei Mädchen? Bist du noch ganz bei Trost, Troll?", herrschte ihn nun die Paladin an. Ihr Blick war eiskalt, die Priesterin fühlte die Ablehnung ganz klar, die sie diesem ganzen Unterfangen gegenüber empfand.

"Ich denk' an all meine Leute, wenn ich verhindern will, dass dieser Dämon die Welt vernichtet!" Er knurrte und wurde von der Paladin nur eines abschätzigen Blickes bedacht, bevor sie in die Höhle trat.
Sie mussten nicht besonders tief in sie eindringen, bis sie fanden, was sie suchten. An einem kleinen Feuer saß die alte Taurin und sah mit verklärtem Blick zu den Hinzugetretenen auf. Ihre Mähne war bereits ergraut und man sah ihr an, dass sie schon lange auf dieser Welt wandeln musste. "Ich bringe dir die Töchter, Garta."

Die dunkle RitterinWo Geschichten leben. Entdecke jetzt