Damino
Ich hatte die Waffeln irgendeinem Obdachlosen alten Mann gegenüber der Straße übergeben, als Lilac sie mir gestern vorbei brachte. Ursprünglich wollte ich es den Lehrern beim Lehrerzimmer abgeben, bis mir einfiel, dass sie sicherlich selber schon welche gekauft haben. Der Mann strahlte so hell im Gesicht, dass es mich fast traurig machte, als ich wieder ging und ihn alleine zurück ließ.
Ich drehe den Ring am Finger, als ich nach dem nächsten Buch greife und die erste Seite aufschlage. Ich lerne für die nächste Klausur. Freiwillig. Ob ich den Schuss nicht richtig gehört habe? Möglich. Ob ich das als Kanalisierung zur Beihilfe meiner ungeordneten Gedanken nutze? Definitiv, ja. Ich stelle mir vor, wie Asterias Stimme mich zurechtweist, um meine Tagträumerei zu unterbinden. Wie ihre Erscheinung vor mir sitzt und prüft, ob ich auch wirklich jede Seite, mit den wichtigsten Inhalte annotiere. Ich bin mir im Klaren, dass ich sie verletzt habe, als ich ihr das Video abgespielt habe. Das war mein Ziel. Jedoch hatte ich außen vor gelassen, wie sehr mich ihre darauf hin folgende Reaktion verfolgen würde, hier und überall einfach. Da war nichts in ihrem Ausdruck, nicht Mal ein Funken Enttäuschung. Sie sah mich an, als wäre mein Gesicht ihr nicht bekannt gewesen. Ein fremdes Gesicht.
Es kamen keine Tränen, keine bösen Fluche, die mich verdammen sollen und keine Schläge entgegen meiner Brust. Ich hatte mit alldem gerechnet, sogar gehofft, doch stattdessen ging sie einfach und verabschiedete sich mit einem Schulterdruck. Ich weiß, was das zu bedeuten hat und gleichzeitig möchte ich es nicht wahrhaben. Sie hat sich von mir verabschiedet, seelisch und körperlich. Sie würde eher sterben wollen, als in meine Richtung sehen zu wollen. Das ist mir heute morgen im Unterricht aufgefallen, als sie bei einer Präsentation alle angesehen hatte außer mich. Das ist vollkommen hervorsehbar gewesen, jedoch war ich trotzdem etwas überrascht. Ich würde ihr zu gerne eine Erklärungen geben, weshalb ich so handelte und was meine Beweggründe waren. Ich hätte mit ihr reden können. Ich hätte ihr erklären sollen, warum es zwischen uns in so einem Zustand niemals funktioniert hätte. Egal in welcher Hinsicht, ob Freundschaft oder einer Freundschaft mit gewissen Vorzügen. Nichts von all dem, hätte einen Sinn ergeben aufgrund meines Charakters.
Ich musste an mich denken, bevor ich an sie denken konnte. Ich weiß, wie das klingt. Ich weiß auch, dass das nicht der richtige Weg ist, aber es war der richtige für mich. Irgendwann wird sie es verstehen. So wie ich es verstanden habe, wenn ich nachts von ihren dunklen Haare träume. Das ist Beweis genug, dass ich mich emotional zu sehr an sie gebunden habe. Dafür bin ich nicht in der Lage. Einer der Gründe, weshalb ich es so schnell wie möglich mit ihr beenden musste oder eher gesagt von ihr lösen musste.
"Hoffst du auf eine weitere Nachhilfestunde?", spricht mich eine männliche Stimme an.
Ich drehe meinen Kopf zur Seite und entdecke Taylans Gestalt auf mich zu kommen. Was will der hier? Normalerweise ist die Bibliothek zu diesen späten Tageszeiten nicht oft besucht. Martin nutzt oft diese ruhige Zeit, um neue Bücher einzusortieren. "Hast du dich verlaufen?", kontere ich kühl. Ich widme mich wieder meinen dünnen Buch und wechsle die Farbe meines Stiftes. Er zieht den gegenüber liegenden Stuhl mit einem knarrenden Geräusch zurück und setzt sich. Seine Hände fahren durch seine Haare, als er sich näher heran beugt. "Tatsächlich wollte ich mit dir kurz plaudern." Ich hebe eine Braue, blicke jedoch nicht von meinem Satz auf. Lese weiter und notiere den wichtigen Part der Textpassage. Biologie könnte sich wenigstens bemühen interessanter zu sein. Das ist doch Zeitverschwendung.
"Bist du immer so gesprächig?", witzelt er weiter und greift nach meinem Buch, um es mir wegzuziehen. Ich greife nach seiner Hand und umschließe sie so fest, dass ich seine Knochen brechen könnte, wenn ich wollen würde. Dann sage ich: "Normalerweise antworte ich gar nicht, also verpiss dich gefälligst." Er schüttelt eilig meine Hand aus meinem Griff, wobei er das Buch fallen lässt und lacht kurz.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
