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Kaz Brekker brauchte keinen Grund. Das war, was man sich erzählte, was jeder wusste und wovor sich ein jeder fürchtete. Auch Poppy kannte es. Er wusste nur nicht, ob es stimmte. Er liebte Kaz, hatte ihn kennenlernen dürfen und war der festen Überzeugung, dass Kaz mehr als nur eine kalte Killermaschine war. Er hatte Emotionen, Menschen, um die er sich sorgte und war unglaublich schlau. War es da zu viel verlangt, zu hoffen, er würde nicht grundlos töten?
Genau dieses grundlose Töten hatte zu einem Streit geführt: Kaz war spät abends zu Poppy gekommen, voller Blut und erschöpft. Er hatte gemordet und das obwohl keine offizielle Mission angestanden hatte. Hatte er also das getan, was ihm alle nachsagten? Hatte er grundlos aus Langeweile und Blutlust getötet? Oder hatte er zumindest einen Grund gehabt?
"Was hast du getan?!" schrie Poppy, er wollte es nicht einsehen, dass sein Freund einfach so tötete. Müde ließ Kaz sich auf Poppy's Sessel fallen. "Nicht jetzt, Poppy. Ich bin müde und hab Kopfschmerzen." Er schloss die Augen und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. "Ich erzähle es dir morgen, wenn du es so unbedingt wissen willst." "Nein." "Nein?" "Nein!" "Was zur Hölle ist los mit dir, Poppy?" Kaz wurde aggressiv. Das wurde er schnell, aber normalerweise nicht Poppy gegenüber.
Erschrocken wich Poppy einen Schritt zurück, sammelte sich dann aber wieder und stellte sich bestimmt und etwas gerader hin. "Warum hast du ihn getötet?"
Genervt stöhnte Kaz. "Weil ich's konnte!"
Einen Moment starrte Poppy Kaz einfach nur an, dann sackten seine Schultern herab und er sah aus, als würde er jeden Moment anfangen zu weinen.
"Nenn mir wenigstens einen scheiß Grund, warum du ihn getötet hast!" Während Poppy verzweifelt Kaz anschrie - was noch nie einer gewagt hatte - fingen die Tränen an ihm übers Gesicht zu laufen. Trotzig wischte er sie weg.
Mit einem Mal wurde Kaz klar, wie sehr Poppy es sich eigentlich zu Herzen nahm, dass er tötete, aber vor allem, dass jeder der Überzeugung war, er wäre ein eiskalter Killer.
"Du hast Angst." stellte Kaz perplex fest, weshalb er den Gedanken aus Versehen laut aussprach. "Ach merkt der ach so schlaue Idiot auch mal was?!" wehrte sich Poppy und wischte erneut Tränen von seinen Wangen. "Du hast Angst. Angst, dass die Gerüchte wahr sind, Angst, dass ich im Endeffekt wirklich nur aus Spaß töte und gar nichts fühle."
Erst jetzt nahm Kaz sich die Zeit, Poppy in die Augen zu schauen, dessen verletzten Blick wahrzunehmen und sich schlecht zu fühlen. Er atmete schwer aus, fuhr sich durch die Haare und suchte dann erneut Poppy's Blick.
"Hör zu, die Sache ist folgende: Ich liebe dich, okay? Und ich hatte einen Grund, einen verdammt guten sogar. Das hab ich immer, das schwöre ich. Du brauchst keine Angst oder sonst was haben. Der Mann- Er hat Wylan im Krähen Club beleidigt. Er hat geweint und Jesper hat zwei Stunden lang vor dessen Tür mit Tee gewartet und gehofft reingelassen zu werden. Ich hatte vorgeschlagen das Schloss zu knacken, aber anscheinend ist das nicht der Sinn der Sache..."
Ein kleines Schmunzeln entwich Poppy. Ja, das klang nach Kaz. Er dachte immer etwas zu pragmatisch.
"Wylan hatte Unterleibschmerzen wegen- Ja, du weißt ja... Jedenfalls hat Jesper ihm versucht gut zuzureden und zu helfen, nur leider musste das ein unwillkommener Kunde mitbekommen, welcher Wylan daraufhin als scheiß Transe beleidigt hat..." Jetzt war es Kaz, welcher mal kurz einen Moment brauchte, um seine Emotionen in den Griff zu bekommen. "Ich habe ihn für Wylan getötet, okay? Wenn das nicht Grund genug ist, weiß ich es auch nicht mehr!" Ein letztes Mal wischte Poppy sich die Tränen aus dem Gesicht, dann ging er die letzten Schritte bis zu Kaz.
Vorsichtig, darauf bedacht dessen Haut nicht zu berühren, strich der diesem eine Haarsträhne hinters Ohr und reichte ihm dann ein Wasser mit Medikamenten gegen die Kopfschmerzen. "Es tut mir leid, ich hätte mehr Vertrauen in dich haben sollen... Geht es Wylan gut?" Kaz lächelte schwach. Er antwortete, nachdem er das Medikament geschluckt und das Glas geleert hatte: "Ja, ich bin erst gegangen, als Wylan Jesper endlich reingelassen und in eine innige Umarmung gezogen hat."
"Du bist viel netter, als du immer tust." "Halt die Klappe." Beide lächelten kurz, dann öffnete Kaz einladend seine Arme. "Und jetzt hör auf zu reden, ich hab Kopfweh." Schweigend nahm Poppy die Umarmung an. Auch wenn weiterhin jeder dachte, dass Kaz keinen Grund brauchte, war das in Ordnung, denn jetzt wusste Poppy mit Sicherheit die Wahrheit und konnte auf Kaz vertrauen.
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Six of Crows Oneshots
Fanfiction@idcishipit06 und ich schreiben dieses Buch zusammen. Verschiedene Shippings aus Six of Crows und Shadow and Bone (vor allem Jesper x Wylan und Kaz x Poppy). Wir verarbeiten hier in diesen Oneshots all unsere Traumen, Lebenskrisen und sonstigen Pro...
