Focus on me

1K 34 1
                                        

Poppy wartete in Kaz Zimmer darauf, dass sein Freund von einer Mission kam. Eigentlich hätte Kaz schon vor einer Stunde wieder eintreffen sollen und so langsam machte Poppy sich Sorgen. Nicht nur war es kein gutes Zeichen, wenn Kaz länger als geplant für eine Mission brauchte, aber vor allem machte sich Poppy Sorgen darum, dass Kaz den Binder zu lange trug. Er wusste das Kaz zu naiv war, um ihn auszuziehen, nur weil es weh tat. Also musste Poppy auf seinen kleinen Idioten aufpassen und dafür sorgen, dass er am Leben blieb.

Endlich kam Kaz durch die Tür. Überrascht stellte Poppy fest, dass Kaz nicht einmal mit Blut eingesaut war. Er sah genauso aus, wie als er das Haus verlassen hatte, bis auf eine einzige Strähne die ihm in die Stirn fiel.

Poppy stand auf, lächelte Kaz begrüßend zu und strich ihm vorsichtig die Strähne an die richtige Stelle. Kaz lächelte ebenfalls für einen kurzen Moment und ging dann auf sein Bett zu. 

Dort setzte er sich hin und streckte erleichtert sein Bein aus. Poppy kletterte aufs Bett hinter ihn und schlang vorsichtig die Arme um Kaz' Taille. Einen Moment wartete er, ob Kaz ihn wegdrücken würde. Nicht immer war Kaz bereit für Körperkontakt, selbst wenn mehrere Lagen Stoff zwischen ihnen waren. 

Aber heute schien er kein Problem damit zu haben. Er drückte Poppy nicht weg. Poppy sah dies als Einladung, um ebenfalls seinen Kopf auf Kaz' Schulter abzulegen. 

Eine ganze Weile sagte keiner von beiden etwas. Poppy ruhte friedlich auf Kaz' Schulter und beobachtete ihn währenddessen, auch wenn Kaz absolut nichts tat. Nach einigen Minuten drehte Kaz schließlich seinen Kopf und sah zu Poppy runter.

"Wie war dein Tag?" fragte er seinen Freund und starrte wieder geradeaus. "Ganz gut. Wie geht es dir?" Kaz antwortete nicht auf Poppy's Frage und sofort wusste Poppy, dass es Kaz nicht gut ging. Er beantwortet nie wie es ihm ging, wenn er nicht mit etwas Positivem antworten konnte. Poppy fand es zwar gut, dass Kaz ihn zumindest nicht analog, machte sich jetzt aber natürlich sofort wieder Sorgen um seinen Freund.

Aus seiner Hosentasche zog Poppy sein eigenes Paar Handschuhe. Kaz rührte sich kein Stück, als Poppy's Griff von seiner Hüfte und der Kopf von seiner Schulter verschwand.

Vorsichtig glitt Poppy von hinten mit den Händen unter Kaz Hemd und fuhr über den Binder. "Kaz, du musst ihn ausziehen." Kaz reagierte nicht. Poppy stöhnte, nicht genervt, sondern eher besorgt. Er wusste, dass es nichts bringen würde, wenn er Kaz zutextete, also entfernte er seine Hände wieder und fing stattdessen vorsichtig an, Kaz das Jackett auszuziehen. Stumm ließ Kaz ihn machen.

Auch als Poppy sich vorsichtig über ihn lehnte und die Hemdsknöpfe öffnete, weigerte Kaz sich nicht. Er gab sich aber auch keine Mühe Poppy im Geringstem zu helfen. Er ließ es einfach über sich ergehen.

Erst als Kaz nur noch den Binder an hatte probierte Poppy ihn erneut dazu zu bringen, ihn auszuziehen. Wieder schlang er seine Arme um Kaz Hüfte. Sanft küsste er Kaz Schulter. "Komm schon, Kaz. Zieh ihn aus." Kaz schüttelte den Kopf. "Tu es für mich. Bitte." Poppy's Worte waren nur ein leises Flehen. 

Es war schwer Kaz dazu zu bewegen, den Binder auszuziehen und nicht immer hatte Poppy Erfolg. Er ertrug es, nicht seinen Freund leiden zu sehen, wusste aber auch nicht wie er helfen sollte, außer es immer wieder aufs Neue zu versuchen.

Kaz atmete tief ein und aus, auch wenn ihm der Binder das erschwerte und er eindeutig Schmerzen hatte. 

Aber er würde alles machen, um jetzt nicht vor Poppy anfangen zu weinen. Er fühlte sich schrecklich, alles tat weh und er wusste, dass er seinen Binder dringend ausziehen musste, wenn er keine gebrochenen Rippen haben wollte. Aber allein der Gedanke daran, ihn nicht anzuhaben, seinen eigenen Körper sehen zu müssen, tat noch mehr weh. 

Schweigend strich Poppy Kaz durchs Haar und versuchte ihm gut zuzureden: "Komm schon Kaz. Es wird alles gut. Ich kann auch rausgehen, wenn du willst." Erst bei Poppy's letztem Satz drehte Kaz sich zu ihm. Er wollte nicht das Poppy ging, Poppy schenkte ihm so viel Kraft und er fühlte sich bei niemanden, nicht mal bei sich selbst, so wohl und sicher wie bei Poppy, aber gleichzeitig wusste er, dass Poppy's Gedanke nicht von irgendwo her kam. 

Der Gedanke es selbst sehen zu müssen war schlimm genug, aber der Gedanke, dass jemand anderes, selbst wenn es Poppy war, ihn so sah, ihn in diesem Körper sah, tat noch mehr weh. 

Kaz wusste, dass es Schwachsinn war, Poppy wusste wie er aussah, kannte ihn und Poppy interessiere Kaz' Körper weniger als er es selbst tat, aber trotzdem schmerzte der Gedanke. Kaz hatte nicht gemerkt, dass er angefangen hatte zu weinen, während er über alles nachdachte. Er bemerkte es erst, als er Poppy's traurigen Blick sah und dessen behandschuhte Hände vorsichtig die Tränen weg wischten.

"Ich will nicht, dass du gehst..." sagte er schließlich, auch wenn er sich seiner Entscheidung noch nicht so sicher war. Poppy lächelte leicht, küsste ihn aufs Haar und sagte sanft: "Okay, wie du willst."

Poppy stand auf, ging rüber zum Kleiderschrank und nahm ein weites Oberteil heraus. Er legte es neben Kaz und wartete darauf, dass sein Freund den nächsten Schritt machen würde, aber stattdessen fing Kaz erneut und heftiger an zu weinen, als er begann, seinen Binder abzuwickeln.

"Hey, hey, hey. Kaz." Poppy kniete sich vor ihn und nahm seinen Kopf in seine Hände. "Ganz ruhig."

Aber Kaz beruhigte sich nicht, atmete immer schneller und schmerzvoller. 

"Kaz, konzentrier dich auf mich. Komm schon. Alles wird gut, aber konzentriere dich auf mich." Kaz sah zu ihm auf und bekam ein aufmunterndes Lächeln als Antwort. Gemeinsam atmeten sie ruhig und gleichmäßig ein und aus, bis Kaz sich beruhigt hatte.

Kaz hasste sich dafür, aber am liebsten würde er trotzdem den Binder anbehalten. Er wusste das es nur Sekunden dauern würde, bis er das große Shirt anhatte, aber trotzdem konnte er sich nicht ganz dazu überwinden. Mit zitternden Händen versuchte er es erneut.

Noch bevor er den Binder richtig aus hatte, hatte Poppy ihm schon das Oberteil übergezogen, wofür Kaz sehr dankbar war.

Poppy stand vom Boden auf, setzte sich ins Bett und hoffte das Kaz kuscheln kommen würde. Dieser zögerte einen Moment, legte sich dann aber doch zu Poppy und ließ sich in den Arm nehmen. Auch wenn er es Poppy nicht sagte, war er unglaublich dankbar für dessen Hilfe und Unterstützung und er wüsste nicht wie es aussehen würde, wenn er ihn nicht gehabt hätte. Kaz fühlte sich wohl in den Armen seines Freundes, genoss die Nähe ausnahmsweise sogar sehr und Fiel in einen ruhigen Schlaf.

Six of Crows OneshotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt