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Pov: Kaz
Die Mission war wie jede andere gewesen, nur langweiliger. Der Gegner hatte sich nicht mal gewehrt und seine Leute sind davon gerannt anstatt zu kämpfen. Und trotzdem ist mein neues weißes Hemd blutverschmiert. Warum musste Jesper auch den Boss direkt bei mir erschießen?!
Ich humple durch die Straßen. Mein Bein schmerzt noch mehr als sonst und ich muss mich zusammenreißen, um nicht anzuhalten und eine Pause zu machen. Wegen der Mission hatte ich viel zu viel stehen müssen und zu wenig mein Bein ausstrecken können. Aber das werde ich mir nicht anmerken lassen.
Mit der behandschuhten Hand fahre ich mir durch die Haare, um eine Strähne zu richten. Dabei Stelle ich fest, dass meine Haare etwas verklebt sind. Kacke. Bestimmt ist dort auch genügend Blut gelandet. Ich will gar nicht wissen wie viel Blut an mir klebt. Zwar habe ich damit kein Problem, aber ich habe jetzt nicht die Nerven, um mir schon wieder einen Vortrag von Poppy anhören zu können, dass ich so nicht vorbeikommen soll, weil das die Kunden verschreckt. Die Kunden sollen sich nicht so anstellen, schließlich sind wir hier in Ketterdam!
Völlig erschöpft komme ich endlich bei Poppy an. Mein Bein schmerzt mittlerweile so sehr, dass ich gar nichts mehr spüre außer einen stechenden Schmerz. Vielleicht hätte ich doch eine Pause machen sollen...
Nein. Dirty Hands kannte keine Schwächen und würde sicher nicht auf etwas Schmerz Rücksicht nehmen! Das war eine Schwäche und Schwächen durfte man in Ketterdam nicht haben, wenn man überleben wollte.
Als ich in Poppys Raum trat widerstand ich dem Drang mich sofort auf dem Sessel niederzulassen, nicht mal vor meinem Freund würde ich mir meine Schwäche eingestehen und so stellte ich mich mich kerzengerade in den Raum. Ich stützte mich stärker als sonst auf den Gehstock und meine Handflächen fingen an zu schmerzen, aber der Schmerz war mir eine willkommene Ablenkung.
Poppy hatte mich bemerkt, auch wenn er sich nicht zu mir umdrehte, aber ich konnte sehen, wie er mich durch den Schminkspiegel beobachtete. Ich wartete einen Moment, bevor ich sprach. Er machte sich scheinbar fertig für eine Show. Ich wusste gar nichts von einem neuen Auftritt - hatte ich etwa den Termin vergessen oder war es nur kurzfristig gewesen? Er trug ein einfaches Shirt und eine lockere Stoffhose, auch wenn ich der festen Überzeugung war, das jeder der derartige Hosen trug die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Warum trug man nicht einfach den ganzen Tag einen Anzug? Oder eben ein Kleid, was weiß ich.
Obwohl ich keine Ahnung von Make-up hatte erkannte ich, dass er gerade erst angefangen hatte. Trotzdem begrüßte ich ihn mit "My Lady." Er mochte es wenn ich das tat, weil er sich nie sicher gewesen war, ob ich wirklich kein Problem damit hatte, dass er eine Drag Queen war. Aber mir war das scheißegal.
Lächelnd sah er mich endlich an, doch nach wenigen Sekunden fiel sein Lachen. Irritiert zog ich eine Augenbraue nach oben. Hatte ich doch eine Vorstellung vergessen?
"Wieso kannst du dir nicht mal vor mir eingestehen, dass dir dein Bein wehtut?"
Ich konnte nicht sagen ob er enttäuscht oder einfach nur genervt von meinem Scheiß war. Unsicher was ich antworten sollten, biss ich mir auf die Unterlippe. Er hatte recht. Natürlich hatte er das, aber auch ich hatte meine Gründe.
"Setz dich zu mir." sagte er schließlich, nachdem ich mir zu viel Zeit mit meiner Antwort gelassen hatte. Wortlos bewegte ich mich auf Poppy zu. Ich machte meinen ersten Schritt und zog scharf die Luft ein. Die ersten Schritte nach dem Stehen taten immer am meisten weh. Poppy warf mir einen kurzen mitleidigen Blick zu, bevor er einen Hocker neben sich zog, auf welchen ich mich setzte.
Eine Weile beobachtete ich ihn stumm dabei, wie er sein Make-up machte. Ich selbst konnte Make-up nichts abgewinnen, aber ich mochte es wie Poppy damit aussah.
Seine Augenlider waren grün glitzernd angemalt, aber an einer Stelle war es verschmiert, was mich mehr als nur störte. Ich zögerte, weil ich nach den richtigen Worten suchte. "Das- Das Zeug da auf deinem Auge- Das ist verschmiert." Ich zeigte mit dem Finger drauf.
"Das Zeug, dass in einer anderen Körper gehört, ist auf dir verschmiert."
Ich zog ein beleidigtes Gesicht, was Poppy zum Lachen brachte. "Ist ja schon gut, ich schmink es neu."
Ich stand auf und ging zu Poppys Wachsbecken, beim Schminken konnte ich sowieso nicht helfen.
"Was tust du?" fragte er und folgte mir mit seinem Blick.
"Mich waschen." stellte ich überflüssiger Weise klar.
Poppy sah überrascht aus und plötzlich fühlte ich mich etwas schlecht, dass ich auch nach 5 Monate Beziehung noch immer meine Handschuhe bei ihm trug. Aber egal wie sehr ich ihn mochte, es änderte nichts daran, dass ich mich fühlte, als würde ich ertrinken, dass ich fast kotzte bei direktem Hautkontakt. Poppy konnte nichts dafür, aber er musste damit leben und das hatte er eigentlich nicht verdient.
Ich stützte mich einen Moment am Waschbecken ab, um mein Bein zu entlasten, dann zog ich meine Handschuhe aus. Poppys schwerer Blick lag auf mir, aber das war okay. Ich fühlte mich okay. Solange Poppy mich nicht anfasste war es okay.
Ich wusch mir sowohl die Hände, als auch das Gesicht, bevor ich mich wieder zu Poppy umdrehte, welcher mich immer noch anstarrte. Etwas müde rieb ich meine Augen, bevor ich in seinem Zimmer nach etwas suchte, was ich tragen konnte. Poppy war größer als ich und besaß gefühlt nur Kleider oder diese schlapprigen Stoffhosen und keins von beidem wollte ich wirklich tragen, aber zurück zum Krähen Club zu gehen und dort meine Klamotten zu wechseln war auch keine Option. Mein Bein würde das nicht mitmachen.
"Du hast nicht zufällig etwas, das ich anziehen kann?" Ich stützte mich stärker auf den Gehstock.
Poppy überlegte eine Sekunde, bevor er Aufstand und eine Samthose sowie eine Bluse aus dem Schrank nahm. Die Bluse war schlicht und einfach weiß, weshalb ich diese als beste Option ansah und sie ohne eine Beschwerden annahm, genauso die Hose.
Etwas verlegen zog ich meine Klamotten aus und die von Poppy an. Die Beine der Hose waren zu lang, aber ansonsten passten die Klamotten gut genug.
Ich räusperte mich. "Du kannst jetzt aufhören mich anzustarren..." Poppy wurde etwas rot und drehte sich wieder zum Spiegel.
Diesmal setze ich mich nicht auf den Hocker neben Poppy, sondern ließ mich auf den großen weichen Sessel fallen. Poppy hatte recht, ich sollte sich wenigstens hier meine Schwächen eingestehen können. Das schuldete ich ihm.
Während Poppy sich weiter fertig machte, saß ich, halb liegend, halb sitzend, in dem Sessel. Mein Bein hatte ich hochgelegt und war froh drum. Auch wenn es immer noch wehtat war das hier besser als alles andere.
Die ganze Zeit über hatten wir nicht viel gesprochen und ich war froh darüber. Ich wusste es zu schätzen bei Poppy auch einfach mal schweigen und runter kommen zu können.
Poppy war fertig und präsentierte sich mir. Sie trug ein farblich mit dem Lidschatten abgepasstes Kleid und Absätze, in denen meine Füße schon beim Gedanken, darin zu laufen, schmerzten. Poppy trug eine Perücke mit langem schwarzen Haar. Sie sah wunderschön aus.
Ich lächelte leicht. "Du siehst gut aus, wie immer also."
Poppy warf mir einen "dein verdammter Ernst?" Blick zu, was mich zum lachen brachte.
"Wofür eigentlich? Ich weiß gar nichts von einem Auftritt."
"Ich hab dir nichts erzählt, weil ich wusste, dass du eine Mission hast. Ich wollte nicht, dass du dich zwischen der Mission und mir entscheiden musst. Aber du bist früher als erwartet zurück gekommen."
Ein warmes, ehrliches und vor allem seltenes Lächeln huschte über meine Lippen. Ich stand auf und strich Poppy eine Strähne hinters Ohr.
Ich trug meine Handschuhe nicht, weshalb ich mich darauf konzentrierte nicht ihre Haut zu berühren und Poppy bewegte sich keinen Zentimeter, schien sogar die Luft anzuhalten.
"Na dann. Du solltest endlich los, das Publikum wartete auf dich. Ich schau von hinter der Bühne zu."
Ich beobachtete Poppy auf der Bühne. Sie hatte ihr breites Bühnenlächeln aufgesetzte, eins das sich mehr als nur eindeutig von dem Lächeln, was ich so mochte, wenn Poppy es mir schenkte, unterschied. Ich sah Poppy gerne dabei zu und würde niemals eine Show verpassen. Ich liebte Poppy und das wusste sie. Aber ich wünschte mir manchmal ich könnte ihr mehr geben.
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Six of Crows Oneshots
Fanfiction@idcishipit06 und ich schreiben dieses Buch zusammen. Verschiedene Shippings aus Six of Crows und Shadow and Bone (vor allem Jesper x Wylan und Kaz x Poppy). Wir verarbeiten hier in diesen Oneshots all unsere Traumen, Lebenskrisen und sonstigen Pro...
