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Kaz pov
Ich saß auf Poppys Couch und wartete auf sie. Sie kam gerade von der Bühne und setzte sich schwungvoll auf meinen Schoß. "Hallo, meine Schöne." sagte ich und strich ihr eine der langen Strähnen der Perücke aus dem Gesicht. Poppy beugte sich zu mir, um mich zu küssen, aber ich wich ihr aus. Poppy seufzte. "Es tut mir leid..." murmelte ich und senkte den Blick. "Ist nicht schlimm." sagte Poppy und stand auf. Sie ging zu ihrem Schminktisch und begann sich langsam aus ihrem Drag-Look zu schälen.
Ich seufzte und stütze meinen Kopf in die Hände. Es war schlimm. Ich wusste, dass es schlimm war. Poppy verdiente mehr. Er verdiente es, dass ich ihn berührte und ihm die Nähe gab, die er brauchte, doch ich tat es nicht. Ich konnte nicht. Und ich hasste mich dafür. Ich wollte Poppy geben, was er verdiente und ich gab mir Mühe, aber ich war nicht annähernd genug. Ich würde nie genug sein. Nicht für diesen wundervollen Menschen. Ich liebte ihn. Ich liebte ihn mehr als ich jemals jemanden geliebt hatte. Poppy war der wichtigste Mensch in meinem Leben, er war - und ich konnte es nicht verstehen, dass ich tatsächlich daran glaubte - die Liebe meines Lebens.
Doch ich war zu kaputt für ihn. Ich würde ihm niemals die glückliche, gesunde Beziehung geben können, die ihm zustand. Wie sollte ich auch? Ich konnte ihn nicht mal berühren ohne meinen gesamten Mageninhalt zu erbrechen und für die nächsten Tage nicht mal an Essen denken zu wollen. Poppy hatte in seiner Zeit als offen schwuler, genderfluider Mensch mit einer Drag Queen Show viel an den Kopf geworfen bekommen und wurde oft verletzt, aber dennoch war er nicht mal annähernd so kaputt, wie ich es war.
"Übernachtest du bei mir?" fragte Poppy und nahm die Ohrringe raus. Ich zögerte. Doch dann nickte ich: "Ja, gerne." "Was hast du morgen vor?" Er drehte sich zu mir um und schlug die Beine übereinander. "Ich muss gegen Abend in den Krähen Club, aber ansonsten habe ich nichts so wirklich vor. Wieso fragst du?" "Ich dachte, du würdest mit mir einkaufen kommen." "Ja, natürlich." Ich lächelte ihn an. Poppy erwiderte das Lächeln.
"Wie geht es dir?" fragte er dann und stand auf. "Mir geht es gut." "Nein, tut es nicht. Du siehst mich schon wieder so an." "Wie?" "Als würdest du morgen nicht mehr da sein und ich würde mit einem Zettel auf dem Kopfkissen neben mir aufwachen, auf dem steht Es tut mir leid. Und dann bist du weg. Für immer und ich sehe dich nie wieder." "Ich scheine ja ganz schön spezifische Blicke zu haben." lachte ich.
In Wahrheit wurde mir schlecht. Schon mehr als einmal hatte ich so einen Zettel geschrieben. Allerdings waren es keine Zettel sondern ausführliche Briefe, in denen ich mich verabschiedete. Ich hatte schon so oft überlegt ihn einfach vor mir zu retten und ihn zu verlassen. Doch dann sah ich ihn lächeln und warf den Brief ins Feuer, benahm mich wie immer. Ich konnte es nie übers Herz bringen. Ich liebte Poppy zu sehr und war zu egoistisch, um mich zu trennen. Er bedeutete mir alles.
"Kaz, das ist nicht lustig. Ich hasse es, wenn du mich so ansiehst." "Poppy! Du verdienst etwas Besseres! Ich liebe dich, aber ich kann dir einfach nicht geben, was du verdienst! Ich weiß, du tust so als wäre es nicht so, aber ich verletze dich jedes Mal, wenn ich mich wegdrehe, wenn ich einen Schritt zurückgehe, wenn du mich umarmen willst. Wenn ich diesen Blick in deinen Augen sehe... Ich weiß, ich verletze dich und es tut mir unendlich leid. Aber du wirst nie eine gesunde, glückliche Beziehung mit mir haben! Das werde ich dir nie geben können!" "Ich brauche keine scheiß gesunde Beziehung! Ich brauche dich! Und ich bin glücklich mit dir! Wie ungesund kann diese Beziehung für mich sein, wenn ich so glücklich mit dir bin und dich so sehr liebe?!" "Du hast keine Ahnung, wovon du redest!" schrie ich ihn an.
Poppys Blick wurde finster. Es gab fast nichts, was Poppy wütend machen konnte. Fast nichts. Ich hasste es Poppy wütend zu machen, aber manchmal tat ich es ohne es zu wollen. So wie jetzt.
"Mit Dirty Hands rede ich nicht! Nicht über unsere Beziehung! Ich liebe Kaz Brekker, nicht Dirty Hands, den Bastard aus dem Barrel. Wenn du mit mir als Dirty Hands reden willst, können wir das ganz anders klären!" Poppy griff einen Revolver, welchen ich ihm gegeben hatte und hielt ihn auf mich gerichtet. Geladen. Ich sah ihn wütend an. Doch dann bemerkte ich, dass das genau war, was er meinte. Wurde ich wütend, wurde ich zu Dirty Hands. Sogar bei Poppy.
Also schloss ich für einen Moment die Augen, atmete tief ein und aus. Ich erinnerte mich an die Nacht, in der ich zum ersten Mal bei Poppy geschlafen habe. Es war eigentlich recht unfreiwillig. Poppy hatte mit dem Kopf auf meinem Schoß gelegen, mir sehr enthusiastisch von seinem Tag erzählt und ich habe jede Sekunde genossen, ihm einfach zugehört. Doch irgendwann schlief Poppy ein. Ich bekam Panik, hatte Angst, dass mir die Nähe zu viel werden würde, wollte Poppy aber nicht wecken. Also blieb ich sitzen, den Kopf meines Liebsten auf meinem Schoß.
Als ich in dieser Situation war, hasste ich sie. Ich hatte einfach Angst und bin in Panik ausgebrochen. Doch immer, wenn ich mich nun daran erinnerte, wurde ich ruhig.
Ich öffnete die Augen wieder. Poppy musterte mich kritisch. Dann ließ er die Waffe sinken: "Da bist du ja wieder." "Ich bin zu kaputt für dich, Poppy..." flüsterte ich. "Liebst du mich, Kaz? Schlägt dein Herz schneller, wenn du mich ansiehst, musst du lächeln, wenn du mich nach einem viel zu langen Tag siehst? Sag mir ehrlich, ob du mich liebst, Kaz, ob du mich wirklich liebst." "Ja, Poppy, ich liebe dich. Ich liebe dich über alles." "Wenn du mich lieben kannst, bist du nicht zu kaputt."
Er streifte sich Handschuhe über und kam langsam zu mir. Sanft legte er seine Hände an meine Wangen. Er schlang seine Arme um mich und ich legte meinen Kopf auf seine Schulter, schloss ruhig die Augen. So ruhig war ich nur bei ihm. "Ich liebe dich auch, Kaz." flüsterte er und gab mir einen Kuss auf die Haare.
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Six of Crows Oneshots
Fanfiction@idcishipit06 und ich schreiben dieses Buch zusammen. Verschiedene Shippings aus Six of Crows und Shadow and Bone (vor allem Jesper x Wylan und Kaz x Poppy). Wir verarbeiten hier in diesen Oneshots all unsere Traumen, Lebenskrisen und sonstigen Pro...
