vol. 69: Enji Todoroki

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Es kam wie es kommen musste. Bereits zwei Tage später kam Herr Aizawa nach dem Unterricht auf mich zu und hat mir mitgeteilt, dass Endeavor sich weigert, die Entführung meines Vaters als hohe Priorität einzustufen. Aber Shotos Vater hat sich wohl dann doch einverstanden erklärt, mich zu empfangen und zu hören, was ich zu sagen habe.

Deshalb habe ich mich gemeinsam mit Shoto und auch Herr Aizawa direkt nach Unterrichtsschluss auf den Weg zur Agentur von Endeavor gemacht, um keine weitere Zeit zu verlieren.

Die hohen Mauern des Gebäudes habe ich zuletzt beim Praktikum gesehen, damals hatte ich aber auch mein Heldenkostüm an und wollte von Endeavor lernen, jetzt stehe ich in Alltagsklamotten hier und will versuchen, den neuen Nr.1-Helden zu überreden.

Am Empfang der Agentur stellt Herr Aizawa sich und auch Shoto und mich vor, wobei das bei uns beiden wohl nicht nötig gewesen wäre, immerhin waren wir beide hier beim Praktikum plus Shoto ist der Sohn vom Gründer dieser Agentur. Trotzdem bleiben sowohl Shoto als auch ich leise und warten einfach ab, meine Hände in den Jacken meiner Jeansjacke vergraben und in Gedanken nach passenden Worten suchend, um die bestmögliche Wirkung bei Shotos Vater zu erzielen.

Wir werden von einem der Sidekicks zum Büro von Endeavor begleitet und dann auch zügig gebeten, einzutreten. Am großen Tisch gegenüber der Tür sitzt Endeavor bereits, mit gefalteten Händen und uns ein wenig gelangweilt und nicht überzeugt musternd.

Als sein Blick dann aber auf Shoto fällt, hebt er doch ein wenig überrascht die Augenbrauen und steht auf, um um den Schreibtisch herumgehen zu können und sich davor an diesen anzulehnen.

Das Holz des Tisches quietscht ein wenig, während Herr Aizawa aus Respekt eine kleine, sehr kurze Verbeugung andeutet, die aber sowohl Shoto als auch ich verweigern.

"Also gut ihr drei, dann erklärt mir mal hübsch schnell euer Problem. Warum sollte ich all meinen Fokus auf diese Sache legen, obwohl bereits andere Helden sich dem Aufspüren und Befreien dieses Wissenschaftlers angenommen haben? Das verschwendet bloß meine Zeit und viele Ressourcen."

Ich atme tief durch und schlucke, während Shoto neben mir sich anspannt und seinen Vater abwertend betrachtet.

"Rede nicht so abwertend, es hat seine Gründe, warum wir dich brauchen. Glaub mir, niemand will dich unbedingt dabei haben, du bist nur leider unsere beste Chance, ihn schnell aufspüren zu können." fängt Shoto dann schon an, weshalb ich schnell eine Hand auf seinen Arm lege und ihn so wieder leicht zurückziehe. Ich bin diejenige, die mit Endeavor reden muss, um ihn zu überzeugen.

Genau deshalb mache ich nun ein paar Schritte nach vorne, bis ich etwa zwei Meter entfernt von dem Pro-Helden stehenbleibe und ihm fest in die Augen schaue.

"Hören Sie zu, Enji- ich darf Sie doch so nennen, oder? Ich meine, immerhin ist Shoto mein Freund, da bietet sich eine etwas persönlichere Ebene eher an, nicht wahr?"

Ich sehe, wie der Pro-Held vor mir stockt und mich etwas überrascht mustert, immerhin hat er mich nicht so mutig und vorlaut in Erinnerung. Trotzdem lasse ich mich davon nicht beirren und fahre weiter fort, um keine weitere Zeit zu verlieren.

"Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Sie mögen vielleicht ein guter, wenn auch in der Methodik fragwürdiger Held sein, aber dafür haben Sie als Mensch und Vater auf ganzer Linie versagt. Sie erinnern mich an meinen Vater, wissen Sie? Und das ist kein gutes Zeichen, so viel steht fest. Ich musste genau so viel durchmachen wie Shoto, habe genau so eine zerrüttete Familie und einen genau so miserablen Vater."

Endeavor stößt sich von dem Tisch ab und kommt auf mich zu, sodass kein Meter mehr zwischen uns liegt. Er ist deutlich größer als ich, weshalb ich ein gutes Stück nach oben schauen muss, doch ich halte seinem Blick weiterhin statt. Die Hitze seiner Flammen schlägt mir entgegen, aber da das Feuer mir nichts anhaben kann, ignoriere ich auch das einfach weiter. Der in Flammen stehende Mann hebt daraufhin fast schon beeindruckt eine Augenbraue und grinst ein wenig einschüchternd.

"Sag mir Kleine, wenn du mich anscheinend so wenig leiden kannst, wieso kommst du dann hier an, um mich zu bitten, deinen Vater zu retten, den du genau so wenig ausstehen kannst?" fragt Endeavor dann, weshalb ich tief durchatme und unzufrieden die Nase rümpfe.

"Unter anderen Umständen wäre ich erstens niemals hier hergekommen und zweitens wäre es mir vollkommen egal, was mit meinem Alten passiert, aber die jetzige Lage lässt es nicht zu, dass ich nichts unternehme. Sie sind der neue Nr.1-Held und was ich Ihnen gleich erzähle, sollte Sie schnell erkennen lassen, warum die Rettung meines Vaters wichtig ist. Sie sind leider unsere beste Chance, Schlimmeres zu verhindern, deshalb sind wir hier."

So fange ich an, zu erzählen, um Shotos Vater auf unsere Seite ziehen zu können. Ich erkläre Endeavor das 'Geheimnis' unserer Familie und damit meine Entstehung; ich erkläre, warum ich wie die Todoroki-Familie das Feuer einsetzen kann; und ich erkläre, warum das Wissen meines Vaters gefährlich ist. Warum es wichtig ist, dass die Liga nichts von diesem Wissenschaftsprojekt erfährt, um es nicht eigens anwenden zu können. Die Liga hat meinen Vater entführt, um herauszufinden, was so besonders an mir ist und dieses Wissen durch meinen Vater dann auch sofort einsetzen zu können.

"Würde die Liga hinter dieses Geheimnis kommen, würde auch nur ein wenig Blut genügen, um das Feuer nicht länger in der Todoroki-Familie und bei mir zu halten; jeder könnte sich diese Spezialität zueigen machen. Spezialitäten, wie wir sie kennen, wären Vergangenheit und auch die Verbrechensbekämpfung würde wohl um ein Vielfaches schwerer werden. Wenn Sie Ihrem Ruf als neuer Nr.1-Held gerecht werden und viele Menschen vor einem Umbruch und Unheil bewahren wollen, sollten Sie sich an der Suche nach meinem Vater beteiligen und ihn so schnell wie möglich retten. Ansonsten könnte es schwer für Sie aussehen."

Ich zucke mit den Schultern und verstaue meine Hände abermals in den Taschen meiner Jacke, während ich Endeavor weiterhin entgegenschaue. Er schaut kurz einfach zurück, bevor sein Blick dann zu seinem Sohn wandert und sich ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen des Pro-Helden legt.

"Ich mag sie, Shoto." sind dann seine ersten Worte, die er nach meiner Erklärung zu allem sagt, weshalb ich etwas überrascht blinzle und verwirrt die Augenbrauen zusammenziehe.

"Gut, wenn das, was du sagst stimmt, hast du recht. Dieses Wissen sollte der Liga auf keinen Fall in die Hände gelangen, das wäre zu gefährlich. Ich setze meine Sidekicks auf die Suche an und werde mich persönlich darum kümmern, dass dieser Wissenschaftler gerettet wird."

Endeavor nickt uns drei noch einmal kurz zu, legt für einen Moment eine Hand auf meine Schulter und macht sich dann daran, sein Büro zu verlassen.

"Ihr werdet gleich nach draußen begleitet, ich habe jetzt etwas zu tun. Wir sehen uns." meint der Mann noch, bevor die Tür hinter ihm ins Schloss fällt. Ich schaue kurz zu meiner Schulter, wo kurz vorher noch Endeavors Hand lag, bevor ich mich umdrehe und zu Shoto und Herr Aizawa schaue.

"Alles okay?" fragt Herr Aizawa und hebt leicht die Augenbrauen, doch ich winke einfach ab.

"Ich habe mein Ziel erreicht, Endeavor wird sich an der Suche beteiligen. Und er hat mir nicht den Kopf abgerissen, obwohl ich das Feuer so gesehen illegal und unberechtigt von ihm bekommen habe." sage ich schnell und zucke mit den Schultern, bevor dann einer der Sidekicks eintritt und uns begleitet, bis wir die Agentur wieder verlassen haben.

elementary || shoto todorokiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt