Kapitel 78

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Ihre Lippen fest aufeinander gepresst, löste Mint mit einem Ruck den Verband, der durch die Verwendung von Wundsalbe auf ihrer verletzen Haut klebte, von ihren Brandwunden. "Fuck.", fluchte sie leise, um ihren Freund ein Zimmer weiter nicht zu wecken. Sofort nachdem sie ihr Hotelzimmer betreten haben, verschwand er für zwei Minuten im Bad und fiel danach erschöpft ins Bett. Sie hingegen musste zuerst ihre Bauchdecke versorgen, bevor sie auch nur an Schlaf denken durfte und dass obwohl sie diesen dringend benötigte. Den benutzen Verband entsorgt, fing sie an ihre Brandwunden sorgsam zu reinigen. Vereinzelne Stellen hatten sich bereits entzündet und schmerzten somit nochmal mehr, wie zuvor. Wieso müssen ihr ständig solche Missgeschicke passieren. Welche Gefühle empfand ihr Schicksal dabei sie ständig leiden zu lassen. Hat Karl nicht gereicht. Warum versucht ihr Leben sie immer wieder aufs neue zu quälen, während es ihr gleichzeitig mit dem Musiker ihr größtes Glück schenkt. Trauig seufzte sie und warf einen Blick in den Ganzkörperspiegel neben der Badezimmertür. Eine Träne rollte über ihre Wange als sie ihren Bauch genauer musterte. Sie hat sich noch nie besonders schön gefühlt... jetzt jedoch fühlte sie sich hässlich. Niemals könnte sie ihren Freund mit ihren Wunden und Narben mehr verführen, geschweige denn näher kommen, sobald er sie einmal ohne Oberteil sieht, wird er sie ebenfalls hässlich finden. Kein Mann möchte eine verunstaltete Frau haben, da holte auch ihre sehr schlanke und sportliche Figur keine Pluspunkte mehr raus. Ewig vor ihm verstecken konnte sie sich allerdings nicht. Gerade jetzt nicht, wo sie ihm eine zweite Chance gab. Früher oder später wird er die Wahrheit erfahren, darüber das er ab jetzt eine hässliche Freundin hat. Das große Los hat er mit ihr eh nicht gezogen. Vermutlich hätte sie auf Karl hören sollen und ein wenig Geld für ihren Körper in die Hand nehmen sollen, dann könnte sie Michael jetzt mehr bieten. Mehr wie ihre Verunstaltung. "Nein. Hör auf.", zischte die Tonfrau ihre eigenen Gedanken an. Sie darf Karl kein Recht geben... und sie darf sich nicht ständig schlecht machen. Wenn ihre Therapeutin von ihren Gedanken wüsste würde sie keinesfalls mehr stolz auf sie sein, sowie sie es am Ende ihrer Therapie gewesen ist. Ihre Verbrennungen sind kein Weltuntergang, dadurch wird sie nicht zu einen weniger guten Menschen.

Tief atmete Mint ein, um sich zu beruhigen und ihre negativen Gedanken zum Schweigen zu bringen. Michael ist nicht der Mann, der sie wegen ihres Aussehend verlässt. Viel eher verlässt er sie, weil sie ihm nicht Vertraut und die Wahrheit gesagt hat. Er muss die Wahrheit erfahren. Schon allein, weil er sich den Kopf zerbrechen wird, wie oft er ihr ungewollt wehgetan hat, wenn er ihre Wunden zufällig entdeckt... oder sie ihre Schmerzen nicht unterdrücken kann. Apropo Schmerzen. Von ihren unregelmäßig auftretenden Krämpfen sollte sie ihrem Freund am besten ebenfalls erzählen. Er verdient die ganze Wahrheit, denn sie möchte keine Geheimnisse mehr vor ihm haben. Ihre Beziehung kann langfristig nicht auf Lügen aufgebaut werden. Und ohne selbst ehrlich zu ihm zu sein, besaß sie auch kein Recht zu verlangen, dass er ehrlich zu ihr ist. In ihrem Leben exestierte mehr als nur ihre Arbeit, daran mussten sie sich beide in der ein oder anderen Situation noch gewöhnen... lange Zeit sprang nämlich nur eine Figur über das Spielfeld ihres Lebens. Und nun sind es Zwei, die ihre Zukunft gemeinsam verbringen möchten.

Auf ihren Weg ins Bett, fielen ihr ein paarmal beinah die Augen zu, sodass sie Gefahr lief, jederzeit im Stehen einschlafen zu können. Inzwischen war sie so müde, dass sie bei der Versorgung ihrer Brandwunden beinah den neuen Verband vergessen hätte. Die Kombination aus Creme und Schlafanzug hätte sie am nächsten Morgen sicherlich schmerzhaft bereut, ein Glück hinderten ihre Gedanken sie in letzter Sekunde vor diesen Fehlen. "Au", murmelte Mint und schob mit ihren Füß vorsichtig Michaels Koffer zu Seite, den er mitten vor ihrer Bertseite, offen plaziert hatte. Ein Hauch mehr Ordnung täte ihrem Freund desöfteren durchaus gut und seinen Sachen durchaus auch. Immerhin verringert sich dadurch dir Gefahr, dass jemand in seinen Koffer tritt oder gegen eine von seinen Gitarren läuft. Über ihre Sachen ist er noch nie gestolpert, diese stehen allerdings auch geordnet in einer Ecke vom Zimmer. Männer halt. Schüttelte sie gedanklich ihren Kopf und kroch unter die warme Bettdecke. Endlich konnte sie schlafen, wenigstens für ein paar Stunden. Erschöpft schloss sie ihre Augen als sich plötzlich ein merkwüriges Gefühl in ihr breit machte. Michael. Sie hatte ganz vergessen, dass er neben ihr liegt und sie nicht, wie in all den Nächten zuvor alleine war.

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