Kapitel 79

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Eng umschlungen schliefen die beiden Turteltauben, abgelehnt an der grauen Couch, die hinter ihren Rücken stand. Ihr Gesicht in seiner Halsbeuge gebettet, kitzelte ihr rötliches Haar sanft an seiner Nase, was ihn leise brummen ließ. "Paddy? Mint?", ertönte ein Klopfen. "Mhm.", brummte Michael erneut und ignorierte das störende Geräusch an seiner Gadrobentür. Zehn Minuten. Er wollte doch nur zehn Minuten gemeinsam mit seiner Freundin dösen und sein Energielevel aufladen. Die Besorgung des Flammkuchens, sowie die Fahrt zu Arena hatten ihn erneut jegliche Kraft geraubt. Schon ein einzelner Schritt reicht, um seinen Herzschlag zu beschleunigen und ihm den Atem zu rauben. Wie er unter diesen Umständen den gestrigen Abend überstehen konnte, war ihm ein Rätsel... ebenso wie die Frage, ob er seinen heutigen Auftritt nochmals, ohne Zwischenfälle, übersteht. Ständig gegen die eigene Gesundheit zu arbeiten, nur um niemand zu enttäuschen, kann durchaus mal gewaltig nach hinten losgehen. Seinen Perfektionismus konnte er allerdings nicht einfach abschalten, schon jetzt kreisten die Gedanken in seinem Kopf wild umher und suchten nach Möglichkeiten, um seine Performance von gestern zu steigen. Das es wahrscheinlich viel mehr Sinn ergibt, wenn er seine Energie und seine Stimme schont und dafür beides präziser einsetzt, statt noch mehr machen zu wollen, kam ihm dabei leider nicht in den Sinn. Auf solche Ideen mussten ihn oftmals Menschen hinweisen, die ihm sehr nah stehen, wie beispielsweise seine Freundin. Mint wusste immer, was ihm gut tut und auf welcher Weise sie, seinem Herz und seiner Seele, am besten helfen kann. "Paddy? Mint? Seid ihr hier? Kann ich reinkommen?", klopfte erneut jemand mit schwacher Faust gegen die Tür. Diesmal war es die Tonfrau, die als Reaktion sanft brummte und aus ihren leichten Schlaf erwachte. Müde zwinkerte sie ein paar Mal mit ihren grünen Augen, bevor sie diese öffnete und ihren Kopf vorsichtig aus der Halsbeuge ihres Freundes erhob. Obwohl sie nicht tief geschlafen hatte, fühlte sie sich unfassbar gerädert. "Schatz...", hauchte ihre Stimme leise, während sie ihren Kopf zurück an seine Brust lehnte. Seine Nähe war viel zu gemütlich, um sie einfach zu unterbrechen. "Mhm?" "Ich glaube, Ingo steht vor der Tür.", blickte sie zu der dunkeln Tür. "He is probably looking for us.", kehrte auch der Musiker immer mehr in seinen Wach-Zustand zurück. Leise gähnte Michael, "I don't want to move.", strich er ihr mit seiner Hand durchs Haar. "Ich auch nicht.", wendete seine Freundin sich zu ihm, aus ihren kleinen Augen sah sie ihn verliebt an, "Du bist wunderschön.", küssten ihre Lippen ihn sanft. Viel zu selten schenkte sie ihm ein Kompliment, weil ihr oftmals die passenden Worte fehlten. "Ach Maus, thank you.", erwiederte er, mit rot gefärbten Wangen, ihren Kuss. Das er von seiner Partnerin ein Kompliment bekommt, war für ihn noch immer etwas Neues. Die bisherigen Frauen in seinem Leben, haben ihm nur selten schöne Worte entgegen gebraucht und meistens auch bloß dann, sobald sie etwas von ihm oder seinem Geld wollten. Mint hingehen traute er ein solches Verhalten nicht zu, sie würde ihn niemals Honig ums Maul streichen, nur weil sie gerne etwas von ihm möchte. Ihre Beziehung existiert auf Augenhöhe, ohne dass einer von ihnen, der berühmte und reiche Star und der anderen, die kleine Angestellte, ist. Keiner von ihnen ist besser oder mehr wert, wie der Andere. "I will never let you go.", drückten seine Hände sie fest an sich, sodass sie garkeine Chance besaß ihn in diesen Augenblick verlassen zu können... wozu Mint auch überhaupt keinen Drang verspürte, "my love, ich will niemals weg von dir. Niemals!", hielt sie Michael mit beiden Armen fest, damit auch er ihr nicht entwischen konnte, "Du darfst aber auch nicht gehen." Er schüttelte seinen Kopf, bevor er zaghaft ihre Strin küsste, "Tu ich nicht. Versprochen my bosslady."

"Ihr zwei Turteltauben, ich hör euch. Entweder ihr schreit jetzt laut 'Nein' oder ich öffne die Tür.", hörten sie Ingo, der keinesfalls gehen würde bevor er nicht wusste, dass es ihnen gut geht, vor der Tür lachen. Schmunzelnd schüttelte der Musiker erneut seinen Kopf, "Na komm schon rein. Wir sind alle angezogen." "Du Spinner.", lachte die Tonfrau und stieß ihm für seine Antwort leicht in die Seite, "Jetzt denkt er wir wären nackt gewesen." "Ach und wenn schon, ist doch nur Ingo." "Nur Ingo also?", betrat sein Bodyguard endlich die Gadrobe seines Schützlings. "Buddy, so war das nicht gemeint.", grinste Michael entschuldigend. "Ich glaub dir mal, aber das werde ich mir merken. Nur Ingo, also wirklich.", versuchte er solange wie möglich ernst du bleiben, woran er jedoch schnell scheiterte und zu lachen begann, "Eigentlich wollte ich mich nur vergewissern, dass es euch beiden gut geht.", setzte er sich gegenüber von ihnen in einen, zu der grauen Couch passenden, Sessel. Um vernünftig miteinander zu sprechen, wechselten auch Mint und Michael ihren Sitzplatz, vom Boden hoch auf die Couch. "Uns geht es gut. Wir haben bloß ein bisschen geschlafen.", erklärte sie und nahm die Hand ihres Freundes in ihre. Zufrieden schenkte Ingo ihnen ein Lächeln, "Das freut mich sehr zu hören. Ich mag es viel lieber, wenn ihr beiden glücklich seid und nicht miteinander streitet." "Keine Angst, den Streit haben wir hinter uns gelassen. Or my love?", drückte er zaghaft ihre Hand. Die Tonfrau nickte, "Yes.", hauchte sie ihm einen kleinen Kuss auf seine Wange. Ein weiteres Mal stellen sie ihre Liebe sicher nicht nochmal auf die Probe. "Genau diese Antwort wollte ich von euch hören.", war der ältere Mann sehr stolz auf seine beiden Sorgenkinder, die ihr gemeinsames Leben, nach ein paar Startschwierigkeiten, wieder auf die Reihe bekamen. Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam... die beste Mischung um einander keinesfalls zu überfordern und dennoch die dunkeln Tage hinter sich zu lassen.

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