Die letzten Feinheiten mit Herr Pissara abgestimmt nahm das unangenehme Verhör endlich ein Ende. Erleichtert atmete Mint auf und löste den festen Griff um ihren Bauch. "Wir leben noch.", lockerte Ingo die angespannte Stimmung auf und lächelte. "Ein Wunder.", klappte sie Michaels Laptop zu. "Ist dir noch schlecht?" "Ne, alles wieder gut. War nur die Aufregung vor dem Gespräch.", lächelte sie, wobei ein leichtes ziehen in ihrer Magengegend trotz abfallender Nervosität blieb. Noch ein paar Tage und sie wird sich an die immer wieder auftauchenden Schmerzen in ihrer Magen oder präziser gesagt, in ihrem Unterbauch gewöhnt. Jedenfalls bis zu dem Augenblick indem Ingo sie zum Arzt zerrt... oder Michael einweiht. In seinen Kopf schwirrten im Moment so viele Gedanken umher, da wollte sie ihn nicht noch zusätzlich belasten. Erstmal muss es ihm wieder gut gehen und danach dürfte die Welt sich gern um sie drehen, bis dahin jedoch, versuchte sie ihren Schmerzen nicht mehr Aufmerksamkeit wie nötig zu schenken. "Du hast deinen Kopf wirklich schon rollen gesehen oder?" "Ohja.", stand sie auf, "Er ist nicht mein größter Fan, wie du vermutlich bemerkt hast. Ich bin mir sicher er würde mir richtig seine Meinung an den Kopf werfen, wenn Michael nicht da wäre und ihn danach zum Mond schießt.", witzelte ihre Stimme, während ihre Hand die Klinke berührte und die Tür öffnete. Gemeinsam mit dem Bodyguard verließ sie nun den Raum der Sanitäter. "Für ihn bist du halt einfach nur sein Job. Und da deine Anwesenheit für Trubel in Paddys Leben sorgt ist er halt nicht begeistert." "Du siehst die Dinge viel zu positiv." Ingo fing an zu lachen, "Ich versuch nur euch Trauerklöße ein wenig aufzuheiten." Für diese Antwort kassiere der ältere Mann einen seichten Stoß von ihr in seine Seite, "Hier ist niemand traurig. Es geht uns gut, die Schlucht wird oder wurde überwunden." Zwar hatten der Musiker und sie noch längst nicht ihre alte Vertrautheit zurück, doch im Vergleich zu vergangender Wochen sind sie einen riesigen Schritt voran gekommen und das in nicht mal einen Tag. Wahre Liebe kann nun mal nicht von heute auf morgen vergehen, ganz egal wie groß der Schmerz ist. "Das freut mich. Ich gönn es euch vom ganzen Herzen glücklich zu sein. Ihr habt es beide mehr als verdient." "Danke, ich geb mir große Mühe... also wirklich. Denkst du er weiß das?", fragend schaut sie zu ihm. Für den Musiker versuchte sie wirklich alles, weniger Selbstzweifel, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, mutiger und selbstbewusster zu sein... um die alten immer wieder kehrenden Muster zu verlassen. Die bösen und teuflischen Zweifel, die ihre Ex Freunde ihr über Jahre in den Kopf gepflanzt haben... da ein bisschen mehr... da ein bisschen weniger. Irgendwann muss sie Michael davon erzählen, alle Karten auf den Tisch legen und ehrlich zu ihm zu sein. Nicht das sie ihn bisher angelogen hat, es gab nur nie den passenden und ruhigen Moment dafür ihm die gesamte Wahrheit zu erzählen... alle Einzelheiten. Jeder Vorfall der zwischen ihnen geschehen ist und durch den sie so geworden ist, wie sie heute vor ihm steht. Vielleicht nicht perfekt, aber gut genug um kein weiteres Mal durch die Hölle gehen zu müssen. Jeden Tag darum zu betteln zu überleben. Fürsorglich legte Ingo seinen Arm über ihre Schulter und zog sie zu sich, "Natürlich weiß er das... bloß verbieg dich nicht für ihn, er sollte dich genauso mögen wie du bist und ich denke das macht er. Mint er liebt dich, hör auf daran zu zweifeln." "Ich weiß.", lächelten ihre zarten Lippen, "...und ich ihn. Mehr als er glaubt. Wenn ich könnte, dann würde ich meine Angst sofort ausschalten, allerdings kann ich das nicht.", lehnte die Tonfrau ihren Kopf an seine Schulter.
22.11.2016 - Frankfurt
"Hör auf zu zicken.", knurrte Karl und riss Mint an ihrem Oberarm hinter sich her. "Ich zick nicht. Ich hab nur gesagt, dass ich lieber nach Hause möchte statt in diese Bar zu gehen." "Du möchtest was?", blieb er abrupt stehen und baute sich gefährlich vor ihr auf, "Na komm, wiederhole deinen Wunsch oder traust du dich nicht?!", grinsten seine Lippen beängstigend, da er genau wusste sie würde kein zweites Mal ihr Wort gegen ihn erheben. Jedenfalls nicht ohne dafür bestraft zu werden. Schon einmal gegen seinen Willen zu sprechen galt als Lebensgefährlich. Eine gute Frau tut soetwas nicht und gehorcht ihren Mann. Bloß konnte sie sich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten, geschweige denn einen Abend in einer Bar mit ihm überstehen. Ein Drink und sie schläft ein. Seit mehr als einen Tag hatte sie kein Auge mehr zubekommen, ihre Arbeit hielt sie wach und wenn sie einmal Zeit fand um zu schlafen musste sie nach Karls Pfeife tanzen. Gerade wünschte sie sich sogar freiwillig ihr Sofa oder den harten Schlafzimmerboden herbei, auf den er sie oft zurück wies, sowie ein Hund zu seinem Körbchen. Nur mit dem Unterschied das ein Hundekörbchen deutlich bequemer ist. "Ey, ich hab mit dir gesprochen.", verpasste er ihr einen unsanften Schlag an ihren Hinterkopf. Obwohl die Tonfrau inzwischen an sein Handeln gewöhnt sein müsste, zuckte sie zusammen, "Tut mir leid. Ich widerspreche dir nie wieder.", hauchte ihre Stimme. "Braves Mädchen...", drückten seine Finger sich schmerzhaft in ihren Arm, "...wenn du dich benimmst, dann kauf ich dir später ein Wasser." Später... dazu wird es niemals kommen. In keinen Leben würde er auch nur einen Cent für sie in die Hand nehmen. Muss er auch nicht, denn in zwei Sekunden tat sie eh wieder etwas unterzogenes und wird dafür von ihm bestraft. Auf der ganzen Welt muss sie der einzige Mensch sein, der selbst beim stillsitzen und atmen, Fehler macht. Sogar wenn sie Tod ist fiel Karl mit Sicherheit noch etwas auf was sie falsch macht. Der Arme hat es wirklich nicht leicht mit ihr. "Komm.", zog er an ihr, sodass sie ins taumeln kam, "Laufen müsstest du eigentlich können." Sie nickte. Mit schnellen Schritten versuchte sie ihm bestmöglich nach zukommen, doch er rannte förmlich vor ihr weg. Ihn zu bitten nicht so schnell zu gehen, würde nichts bringen außer erneuten ärger, da nahm sie lieber ihre Beine in die Hand und rannte. Abends als Pärchen gemeinsam auszugehen kann so romantisch sein. Kann... als besonders toll empfand Mint es nicht ihrem Freund hinterher zu laufen. Andere Menschen gingen Hand in Hand durch die Straßen, wieso können sie das nicht. Weil ihre Anwesenheit ihm peinlich ist... so eine dumme Frage, ihr ist die Antwort doch bestens bekannt. Vor der Bar angekommen, drehte Karl sich zu ihr um und verschränkte genervt seine Arme, "Lauf, kleines Walross.", schrie er ihr entgegen. Beschämt senkte Mint ihren Blick, alle an ihr vorbei gehenden Menschen musterten sie nun. Walross war gemein, bei all er Mühe die sie sich gab. Sie besaß einen sehr schlanken und trainierten Körper, sobald sie mehr abnahm täte man ihre Knochen sehen, dass konnte er wohl wirklich nicht verlangen. Oder. Ihr Anblick soll ihm wiederum auch nicht wehtun. Wenn er das möchte, dann könnte sie ihre zwei Mahlzeiten am Tag auf eine reduzieren. Nein, eigentlich möchte sie für ihn nicht hungern und doch wird sie ihm anderes niemals gefallen. Er soll sie doch hübsch finden. Wenigstens ein bisschen, sodass es ihm nicht mehr unangenehm ist neben ihr zu gehen.
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seventeen days
RomanceEine Tour, Zwei Herzen & Drei Wochen Probezeit Wo dies hinführt? Findet es heraus! ---------------------------- Die Handlung der Geschichte ist frei erfunden, nur der Name Michael Patrick Kelly wird verwendet. Die Rechte an dem Cover, den Illustra...
