10.12.2022 - Olympiahalle München
Vollkommen übermüdet kam Mint gegen Mittag in der bayrischen Landeshauptstadt an. Aus dem Kofferraum ihres Autos nahm sie ihren Rucksack und betrat die Arena. Die Wut und Enttäuschung durch Michaels abtauchen, tauschte sie gegen ein möglichst professionelles Lächeln. Mehrmals in der Nacht ist sie wach geworden, um auf ihr Handy zu schauen ob er ihr geschrieben hat. Kein Wort. Keine Nachricht. Kein Lebenszeichen. Dementsprechend schlimm sah sie aus, nur eine Menge Makeup schaffte, dass sie einigermaßen alltagstauglich wirkte, selbst wenn ihre Gedanken auf alles andere, außer auf ihre Arbeit fokussiert sind. Wegen ihm durfte sie jetzt nicht ihren guten Ruf routinieren. Unnötige Fehler müssen unbedingt vermieden werden. Immerhin ist sie gut indem was sie tut, dass kann ihr kein Mann kaputt machen. Heute genauso wenig wie früher. Nur vom Wesen schien sie sich kaum verändert zu haben, ansonsten würde der Musiker doch bei ihr bleiben und nicht urplötzlich abtauchen. Was auch immer sie ihm getan hat. Diese ganze Situationen ergab keinen Sinn. Wenn ihr jemand sagen tät, dass alles nur ein großer Albtraum ist, würde sie das ohne zu zweifeln sofort glauben und hoffen schnellstmöglich aus diesen schrecklichen Traum zu erwachen. "Hey Min.", kam ihr Ingo mit einem ToGo Becher in der Hand entgegen. Im Gegensatz zu ihr sah er tausendmal frischer und ausgeschlafener aus. Lang wird ihre Fassade bei ihm sicher nicht aufrecht halten, dafür besaß er, auf Grund seines Berufs, ein zu gutes gesprüht. "Morgen.", schenkte sie ihm ein kleines Lächeln und legte ihre Hand um ihren Bauch, der seit gestern Abend darum kämpfte etwas zu essen zu bekommen. Bis auf einen Tee nach dem Aufstehen bekam sie allerdings nichts runter. Der Lachs und der Kuchen gingen somit an ihre Nachbarn, ein älteres Ehepaar, welches sich immer darüber freute, wenn Mint für sie mitkocht. Als Ausgleich luden sie die Tonfrau desöfteren zum Kaffee. "Wo hast du Paddy gelassen? Oh, sag nicht...", zog der Bodyguard auf Grund ihres aussehens schnell seine eigenen Schlüsse und beantwortete seine Frage dadurch selbst, "Für was hat er dich versetzt?" Schwach zuckte sie mit ihren Schultern. Für passende Worte war sie viel zu sehr damit beschäftigt ihre Emotionen im Griff zuhalten. Die anderen Teams mussten nicht gleich sehen wie sie weint wegen irgendeinen Mann. Irgendein Mann der ihr Freund und normalerweise auch bessere Hälfte ist. Einen Schritt auf sie zugemacht, legte Ingo ihr einen Arm um die Schulter, "Er hat sich nicht gemeldet?" Traf er nochmal ins Schwarze. Mint nickte und flüsterte leise, "Vor drei Tagen hab ich zu letzt von ihm gehört, seither weiß niemand wo er ist." Ihre Sorgen schoben den Gedanken beiseite, dass es ihre Schuld ist, wenn auch nur für die Länge eines Wimpernschlags. "Oh Min, dass tut mir leid, sowas hast du nicht verdient.", drückte er sie, "Einfach abtauchen ist nunmal garnicht seine Art. Mhm, um ehrlich zu sein mach ich mir etwas Sorgen um ihn, wenn er dir nicht schreibt... das ist merkwürdig, du bist doch alles für ihn."
Da waren sie wieder ihre Zweifel, "Vielleicht bin ich aber auch das Problem." Wenn selbst sein Bodyguard sich Sorgen macht und meint sein Verhalten wäre unglücklich, muss es ja mit etwas Zusammenhängen was sonst nicht als auslösendener Faktor vorhanden gewesen ist. Und da fiel ihr halt nunmal nur sie ein. Andere lebensveränderne Umstände gab es für ihn in den letzten zehn Wochen keine. "Nein! Wieso solltest du? Er klang so glücklich an seinem Geburtstag als ich ihn angerufen habe. Eigentlich hat er die ganze Zeit nur von dir geredet, dass du ihn überrascht hast, ihm ein Armband aus Bowies Halsband und einen selbstgemachten Adventsklander geschenkt hast, wie froh er darüber ist dich zu haben und dass er dir unbedingt auch einen schönen Geburtstag bereiten will.", seine Lippen bildeten ein aufmunternden Lächeln, "Umso weniger versteh ich leider sein Verhalten." "Das hat er gesagt?", mit der Tatsache seines Verschwindens gemischt hörte sich Ingos Erzählung so unrealistisch an. Dadurch ergeben all ihre Gedanken noch viel weniger Sinn. Er nickte, "Ja, hat er. Wenn er ein Problem hat, dann vermutlich eher mit sich selbst als mit dir." Zum ersten Mal verspürte sie ein wenig Hoffnung, wobei die Tatsache dass er unter Umständen ein Problem mit sich hat, die Sache auch nicht wesentlich verbessert. Was wenn er wieder abrutscht. Seine dunkeln Gedanken überhand nehmen und ihm langsam die Luft abschnürren, dann müsste sie doch bei ihm sein und ihm helfen. Als seine Freundin sollte sie doch dazu in der Lage sein diese Dämonen zu erkennen und zu vertreiben. Ist sie das. "Wieso redet er dann nicht mit mir?", schaute sie ihn fragend an. "Weil er ein Mensch ist der gerne alles mit sich alleine ausmachen möchte ohne jemanden zu belasten.", antwortete Ingo. Diese Art von Verhalten kannte sie nur zu gut, ihre Probleme und Sorgen offen zu kommunizieren galt auch nicht gerade als eine ihrer Stärken, zog sie jedoch den Vergleich zu ersten Hälfte der Arenatour und ihrem Kennenlernen hatte ihr Verhalten schon einen deutlichen Sprung gemacht. Niemals könnte die Mint aus Neu-Ulm Ingo die Wahrheit über Michaels Verschwinden erzählen, beziehungsweise zugeben dass in ihrem Gedanken sie die Schuld daran trägt. Und doch trug sie Sorge wieder zurück zu fallen in das einsame kleine Loch, indem keiner sie finden und beachtet. Am Ende ist sie nunmal nur eine von achzig Millionen. "Ich hoffe du hast recht...", versuchte ihre Stimme ein wenig euphorischer zu klingen, "...und ich hoffe er taucht auf. Nicht das ihm etwas passiert ist." "Er wird kommen und wenn er da ist, fragst du ihn wo er gewesen ist. Das wird schon Min, falls nicht und Paddy macht Ärger, rede ich mit ihm.", musste zu mindestens einer von ihnen positiv denken und nicht den Teufel an die Wand malen.
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seventeen days
RomantikEine Tour, Zwei Herzen & Drei Wochen Probezeit Wo dies hinführt? Findet es heraus! ---------------------------- Die Handlung der Geschichte ist frei erfunden, nur der Name Michael Patrick Kelly wird verwendet. Die Rechte an dem Cover, den Illustra...
