Kapitel 62

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Mint guten Gewissens ihrer Arbeit überlassen, galt es nun das zweite Sorgenkind und den Auslöser für diese Problematik zu finden. Auf Michaels Erklärung, wieso er die Tonfrau plötzlich nicht mehr will, war Ingo höchst gespannt. Der Musiker besaß das Talent, absurde Dinge so zu drehen, dass er selbst daran glaubt, obwohl diese überhaupt keinen Sinn ergeben. Anders konnte er sich sein verhalten nicht erklären. Er ist normalerweise kein Arsch, der die Gefühle anderer mit den Füßen tritt. Seine Ego Aussetzer mal ausgeschlossen, da gehen die Pferde mit ihm durch und er ist allein auf sich und seine Arbeit fokussiert. An der richtigen Gadrobentür angeklopft, öffnete er diese und trat in den kleinen Raum ein, "Hey." Erst auf dem zweiten Blick, erblickte er den Musiker. Eng umschlungen von einer dicken Decke saß er in dem grauen Sessel und hielt haufenweiße Notizen in seinen zutterden Händen. Vor ihm auf einem kleinen Tische stand eine Teekanne, Taschentücher und mehrere Medikamente. Hustensaft, Halsschmerztabletten, Kopfschmerztabletten, Fiebersaft... alles was das Apotheker Herz begehrt. Da schlummert, dann wohl auch der Auslöser für sein merkwürdiges Verhalten. Im angeschlagenen Zustand galt Herr Kelly nämlich als alles andere wie Zurechnungsfähig, besonders nicht in Kombination mit dem enormen Leistungsdruck, welcher die bevorstehende Tour in ihm auslöste. Dennoch gerechtfertigte dies nicht sein Verhalten gegenüber Mint. "Hi.", murmelte Michael mit leiser Stimme. "Du siehst ziemlich scheiß aus Kleiner.", musterte er sein blasses Gesicht, geziert mit seichten Schweißperlen. "Sag mir was neues.", hob er seine Mundwinkel kurz an und begann zu Husten. "Soll ich dir ein Wasser holen?", bot Ingo an. Noch immer am Husten schüttelte er seinen Kopf, versuchte sich wieder zu beruhigen und an Luft zu gelangen. Die Moderation am Abend wird wirklich interessant, wenn er schon nach einem kurzen Satz einen derart starken Anfall bekommt. Groß ins Gewissen reden, fiel wohl eher über Board, denn der Bodyguard wollte nicht riskieren, dass sein Schützling zusammenbricht. Bei seinem labilen Zustand wäre jegliche körperliche Reaktion möglich. Sanft und vorsichtig, müsste er das Thema somit ansprechen. "Geht wieder?", fragte seine Stimme, während er sich gegenüber von dem Musiker setzte. Mit einem Daumen hoch bestätigte dieser die Frage und trank einen großen Schluck von seinem Kamillentee, "Lebe noch.", flüsterte seine Stimme, die dank der Feuchtigkeit in seinem Hals ein bisschen weniger schmerzte. "Wo haste dir den Mist denn eingefangen?" "Bin nass geworden als ich mit den Fellnasen draußen gewesen bin.", schaute Michael ihn aus kleinen Augen an, "So ein Mist. Wie soll ich das bis übermorgen hinbekommen, ich ruiniere die ganze Show.", raufte er seine braunen Haare und ließ seine Notizen zu Boden fallen. Die Hoffnung, diese bis zum Konzertbeginn auswendig zu lernen hatte er längst verloren. "Das stimmt doch nicht.", zeigte der Bodyguard ihm, trotz seiner Enttäuschung über sein Verhalten Mint gegenüber, sein Mitgefühl. Solch starke Selbstzweifel hatte er zu letzt in seiner Jugend, seither hatte er nie mehr das Gefühl eine Show wäre ohne ihn besser dran. Bis heute ging es ihm, innerhalb einer Tour, noch nie so beschissen. Und auch wenn Ingo es niemals laut sagen würde, hat der Musiker eventuell recht und es wäre besser, das Konzert ohne ihn zu spielen. Nicht weil er seinen Job nicht gut macht, sondern eher weil das Risiko zu groß ist, dass er die kompletten zweieinhalb Stunden in seinem Zustand nur schwer übersteht. Er gehört ins Bett und auf keine Bühne, geschweige denn sollte er an den Proben später teilnehmen, bevor sein Zustand sich noch weiter verschlechtert. "Warst du beim Arzt?" "Noch nicht.", überkam ihm erneut ein leichter Hustenreiz. "Keine Zeit oder keine Lust?", versuchte er zu gleich ein wenig Informationen über seinen Verbleib an Mints Geburtstag erlangen. "Ich...", atmete er tief durch, "Ich bin die vergangenen Tage im Kloster gewesen." "Alleine?" "Mhm.", reagierte Michael genervt, "Das weißt du doch bestimmt längst."

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