Kapitel 66

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Unruhig wälzte der Musiker sich auf der schmalen Couch, eingewickelt in seinem dicken Mantel und zuckte in kurzen Abständen mit seinem gesamten Körper zusammen. "Mhm... Nein.", flüsterte er unverständlich, indessen sich auf seiner Stirn einige Schweißperlen bildeten. Die beiden Zusammenbrüche hatten ihn auch noch die letzte Energie ausgesaugt. "Paddy.", berührte Ingo seicht seine Schulter und versuchte ihn zu wecken. "Nein. Mint.", riss er seinen Körper herum. Seine Hand ausgestreckt tastete er suchend den Stoff der Couch ab. Unterbewusst nahm er den Misserfolg seiner Suche wahr und senken traurig seine Mundwinkel. "Paddy, wach auf.", rüttelte der Bodyguard nun etwas stärker an der Schulter seines Schützling, wodurch dieser nun allmählich zurück in die Realität kehrte und seinem unschönen Fiebertraum entwich. Bedacht legte Ingo seine freie Hand auf die Strin des Musikers. Er glüht und das ziemlich beachtlich. "Mint?", öffnete Michael verschlafen seine Augen, "Oh Ingo.", stellte er enttäuscht fest und hustete. Die Schmerzen in seinem Hals gaben ihm das Gefühl jede Sekunde ersticken zu können. Jedes Wort, jeder Atemenzug, jedes schlucken brannte als wäre sein gesamter Hals von innen völlig veräzt. "Komm Buddy, ich fahr dich zum Arzt. Du glühst richtig, dass kann nicht gut sein." "No. I'm fine.", erhob sich sein Körper fix vom Polster, "Puh.", hielt er inne und schloss seine Augen. Der gesamte Raum drehte sich um die eigene Achse und wirkte dabei komplett verzerrt. Das fehlte ihm noch. Schwindel der ihn regelmäßig heimsucht. Viel mehr könnte ihn das Leben kaum mehr hassen. "Sicher?", hob Ingo skeptisch seine linke Augenbraue an. Schwach bekam er ein nicken zurück. Zweimal tief durchgeatmet öfftene der Musiker wieder seine Augen, "Alles gut. Ich muss nur langsam machen.", versuchte er seinem blassen Gesicht ein Lächeln auf zudrücken. Vergeblich. Stattdessen entwich ihm ein weiteres husten. "Wenn du meinst.", zwingen konnte er ihn immerhin nicht, "Soll ich dir wenigstens mal einen Tee besorgen?", bot der ältere Mann ihm an. Das Gesicht in seinem Ellenbogen vergraben, nickte Michael und hustete weiter. Als er sich beruhigt hatte sprach er leise, "Kannst du mir bitte Taschentücher und eine Decke besorgen.", leicht beschämt wich sein Blick dem von seinem Bodyguard aus, "I'm cold" Trotz seiner vollständigen Winterausstattung und voll aufgedrehter Heizung fühlte sich der Raum für ihn an wie ein riesiges Eisfach. Ingo dagegen saß nur im Hemd neben ihm und schien kein bisschen zu frieren. "Mach ich.", lächelten seine Lippen, "Kann ich sonst noch etwas für dich machen?" "Könntest du mir meine Notizen geben? Dann kann ich noch ein wenig üben.", deutete er mit seinem Finger auf seine Tasche, in der sich sein Laptop, seine Bibel, Rosenkranz, Geldbeutel und seine Moderationskarten befanden. "Willst du dich nicht lieber noch etwas ausruhen?" "Nein, ich muss üben. Bitte Ingo.", flehte seine Stimme verzweifelt. Wenn er schon körperlich und stimmlich versagt, dann muss wenigstens seine Moderation und der Ablauf des Abends stimmen. Die nächsten vier Tage dürfen kein kompletter Reinfall werden. Wobei er gerade nicht wusste wie er überhaupt länger als eine halbe Stunde auf der Bühne stehen soll ohne umzufallen, an einem Hustenanfall zu sterben oder zu erfrieren.

 Wobei er gerade nicht wusste wie er überhaupt länger als eine halbe Stunde auf der Bühne stehen soll ohne umzufallen, an einem Hustenanfall zu sterben oder zu erfrieren

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Ihren Laptop einen Raum weiter zurück gelassen, gab Mint dem Wasserkocher, nach ihrem missglückten ersten Kennenlernen gestern, einen zweite Chance. Mit großen Respekt, stellte sie ihn an und betrachtet sein Können aus zwei Schritten Entfernung. Eine weitere Brandwunde wollte sie sich unter keinen Umständen zuziehen. Schon jetzt gelang es ihr nur schwer die Schmerzen zu ignorieren und einfach nur zu arbeiten. Jede Bewegung ließ sie an den Grund für diesen tollpatschigen Unfall denken. Hätte sie Michael nie in ihr Herz gelassen, dann wäre dieser ganze Schlamassel nie geschehen. Bloß wüsste sie dann auch nicht was es bedeutet geliebt zu werden, wenn auch nur kurz, meinte er es mit ihr ernster wie alle bisherigen Partner in ihrem Leben. Wobei das auch keine große Meisterleistung ist. Jedes kleines bisschen ehrliche Zuneigung ist mehr wie sie sonst bekam. "Hi, wie geht's dir?", riss jemand die Tonfrau aus ihre Gedanken. "Hi, besser als gestern. Danke!", drehte sie sich und lächelte Ingo zu, der gerade den Aufenthaltsraum betrat. "Habt ihr euch wieder vertragen?", deutete sein Blick auf den Wasserkocher, der gerade dabei war zu Höchstleistungen aufzubrechen. Mint lachte, "Ja, er hat sich ausgiebig bei mir entschuldigt.", hing sie ihren Teebeutek in ihre Tasse. "Kann ich mir nen bisschen Wasser abzwacken?", nahm der Bodyguard eine Tasse und hing ebenfalls einen Teebeutel hinein. Fragend musterte sie ihn, "Du willst einen Tee trinken? Hat Paddy dich angesteckt? Muss ich mir sorgen machen." Er schüttelte seinen Kopf, "Nein, der Tee ist für Paddy. Ich dachte nur du gibst vermutlich eher mir Wasser ab anstatt ihm." "Mit der vermutlich liegste nicht ganz Unrecht.", schmunzelte sie, "Ich denke das Wasser reicht für uns alle." Nur weil er sie verletzt hat, wünsche sie ihm nicht sofort den Tod oder verhielt sich wie das größte Arschloch dieser Nation. Wenn ein bisschen Gras über sie Sache gewachsen ist, dann wird sie mit ihm genauso professionell umgehen wie mit allen Geschäftspartnern. Und bis dahin hieß es durchhalten ohne durchzudrehen. Ein leises Geräusch bestätigte den Feierabend des Wasserkochers und sie konnte ihre Tasse vorsichtig befüllen, "Ich bin mal so frei.", machte sie bei der zweiten Tasse für Paddy gleich weiter. "Danke.", erwiederte Ingo lächelnd, "Ich glaub ich mach mir noch einen Kaffee." Er klang und sah für seine Verhältnisse und die frühe Uhrzeit ziemlich fertig aus. Ob es an Michael lag. Ging es ihm inzwischen dermaßen schlecht, dass selbst sein Bodyguard darunter litt. Das muss hart für ihn sein, gerade jetzt vor der Tour. Er als kleiner Perfektionist. Mitleid durchströmte plötzlich ihren Körper. Wo ist die Wut auf ihn geblieben. Wieso wollte ein kleines Stück ihrer Seele unbedingt wissen wie es ihm geht. Als ob er sich für sie ebenso interessiert. Ihm ist es vermutlich egal was sie macht, er hat entschlossen sich nicht mehr für sie zu interessieren, wieso sollte es andersrum dann noch der Fall sein. Sie kann ein Klavier überfahren und es würde ihn nicht jucken. Sonst wäre es ihm nie so leicht gefallen sie gehen zu lassen, einfach so... ohne Grund. Selbst in ihren Träumen hasst er sie. Die Frau die er will ist nicht sie.

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