Kapitel 70

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"So ein Zufall, dich hier zu treffen.", kamen drei Frauen um den Tisch gelaufen und hielten ihnen, wie Paparazzi in Hollywood, ihre Handys entgegen. Das es sich bei den Frauen um Fans handeln muss war leider nicht zu übersehen. Ist ihnen ihr Auftritt nicht unangenehm... mitten in der Öffentlichkeit wo alle anderen Leute, die ebenfalls Gäste des Hotels sind und Frühstück wollen, sie sehen können. Zudem ist es unfassbar respektlos ihr Gespräch zu unterbrechen und soot ihre Privatsphäre zu stören. Besser gesagt Michaels, denn um sie ging es hierbei nicht. Sie zählt nur als sein kleines Anhängselchen bei den Fans, worüber sie auch ziemlich froh war. Nur ungern wollte sie, dass die Jagt auf ihre Person eröffnet wird. Andernfalls müsste Ingo sich bald in zwei Hälften teilen. "Wir sind schon seit Jahren große Fans von dir und wollten dich schon immer einmal treffen.", erklärte eine der Frauen, worauf die nächsten gleich anknüpfte. "Jedesmal wenn wir nach dein Konzerten auf dich gewartet haben warst du so schnell weg und hattest nie Zeit für deine Fans. Weißt du eigentlich was wir für dich alles in Kauf nehmen?", klang ihre Stimme ein wenig vorwurfsvoll. Wie viele Antworten Mint auf der Zunge lagen, die sie lieber zurück hielt, um sich keine Feinde zu machen. Genauso schluckte sie ihre Wut runter. Erst unverschämt ihr frühstücken stören, diese Unterbrechung aufnehmen und dann noch Vorwürfe Michael gegenüber äußern. Wenn sie so große Fans sind, dann müsste sie eigentlich auch sehen, dass es ihm nicht gut geht und sie lieber wieder gehen sollten. Er ist doch auch nur ein Mensch. Oder sie sollen auf den Punkt kommen und fragen, wofür sie gekommenen sind... ein Foto mit ihm. Der Musiker nickte bedacht und umklammerte seine Tasse. Unsicher warf er der Tonfrau einen kurzen Blick zu, indem sie gut erkennen konnte wie unwohl er sich gerade fühlte. "Dann könntest du uns bitte, dass nächste Mal ein wenig was dafür zurückgeben.", lächelte die Dritte, "Wie wäre es mit einem Foto als Anfang?", schlug sie vor. Bereit zum eingreifen legte Mint die richtigen Worte zurück, allerdings kam ihr Michael zu vor. "Ich gebe im Privatenkontext leider keine Fotos, tut mir sehr leid. Hat mich wirklich gefreut euch kennenzulernen, ich würde jetzt jedoch gerne mit meiner Freundin in Ruhe zu Ende frühstücken. Bitte habt dafür Verständnis. Man sieht sich sicher irgendwann nochmal.", kämpfte er stark darum nicht genervt rüber zukommen und appellierte an die Vernunft seiner Fans. Einsicht zeigten sich diese leider weniger, "Ein Foto ist doch nicht viel, dass geht sehr schnell. Du machst mit so vielen Menschen Fotos, oft auch immer mit den Gleichen und uns willst du diesen Wunsch nicht erfüllen? Das ist gemein.", kamen sie näher zu ihm, immer mit den Handy voran in sein Gesicht, sodass der Musiker schon ein Stück zurück rutschte mit seinem Stuhl. Wie kann man ein 'Nein' denn nicht versteht. Standen ihre Ohren auf Durchzug. Oder schaltet ihr menschlicher Verstand seine Funktionen aus und der Jagd-Instinkt ein, sobald sie ihre Beute, in diesen Fall Michael, sehen. Unverständlich. "Ich glaube Michael hat sich vernünftig ausgedrückt. Bitte lasst uns zu Ende essen und gönnt uns unsere Privatsphäre.", zwang die Tonfrau ein Lächeln auf ihre Lippen. "Wir reden mit Paddy.", sahen sie drei wütende Augenpaare an. Tief atmete Mint durch, wollen die nun wirklich einen Aufstand machen. Scheinbar, denn statt weg zu gehen, rückten sie ihm noch näher auf. Jeder Blinde könnte erkennen, dass der Musiker gerade nichts lieber täte außer zu flüchten und nur aus Höflichkeit sitzen blieb... und weil ihm die Energie fehlte zu rennen. Oder allgemein größere Aktionen zu tätigen.

Gute das es nicht nur zu Ingos Aufgaben gehörte ihn zu benutzen, sondern auch zu ihren, "Ich sehe, dass ihr mit ihm redet. Bloß hört ihr ihm anscheinend nicht zu. Er hat euch doch sehr nett darum gebeten zu gehen und ich euch auch. Klar ich verstehe wie ärgerlich es ist, immer zu warten und kein Foto zu bekommen... aber Michael und alle anderen Künstler sind auch nur Menschen, die ihr Privatleben haben und dieses genießen wollen ohne ständig wegen Fotos angebettelt zu werden. Die er in übrigen freiwillig mit euch macht, wenn er Lust dazu hat und nicht weil er euch etwas schuldig ist oder dazu verpflichtet. Und nur mal nebenbei, manchmal möchte er oder wir nach einem Konzert auch einfach nur ins Bett oder müssen gleich weiter zum nächsten Veranstaltungsort, da bleibt nicht viel Zeit für Treffen am Backstagausgang oder eine Fotorunde... dann sind wir einfach nur froh, wenn wir uns nicht durch eine Masse an Menschen kämpfen müssen, auch wenn ihr es nur nett meint. Also bitte habt dafür Verständnis, dass nicht immer alles zu euer Zufriedenheit stattfinden kann, auch wenn wir uns große Mühe geben.", erklärte sie mit fester Stimme und möglichst gelassen, "Nun wäre, dann der Moment gekommen wo ihr bitte geht und das Video löscht. Es ist ziemlich unhöflich Menschen ungefragt aufzunehmen und ihnen ihr Handy ins Gesicht zu halten. Zudem gibt es das Recht am eigenen Bild, welche in privaten Situationen auch für Personen des öffentlichen Lebens gilt. Glaubt mir, ihr wollte euch nicht mit Herr Pissara anlegen, der ist ziemlich gut in seinem Beruf als Rechtsvertreter.", mit einer leichten Geste deutete sie in Richtung der Tür des Frühstücksraums. "Was mischt du dich eigentlich ein? Wer hat dir das Recht gegeben über Paddy zu bestimmen? Du denkst auch, du kannst ihn uns weggehen.", zwischen die Frauen böse in ihre Richtung. "Na jetzt wirds aber kindisch. Ich brauch von niemandem die Erlaubnis meinen Freund zu beschützen und ich hab ihn euch auch nicht weggenommen. Michael darf selbst entscheiden mit wem er zusammen sein will und seine Entscheidung ist nun einmal auf mich gefallen. Sorry.", lachte Mint kurz auf. Die Drei taten grad so als wäre er ihr Eigentum... als würden sie mit jedem gekauften Konzertticket und mit jeden Moment in den sie ihn sahen, ein Stück mehr von ihm besitzen. Ein groß Teil seiner Fans sind wirklich super liebe und nette Menschen, doch der kleine Rest, der davon übrig blieb, über den konnte man nur den Kopf schütteln. Und leider blieben einen genau diese Menschen eher im Gedächtnis, wie die die sich immer bestens benehmen. "Halt am besten die Klappe du kleine Hex..." "Damm it.", schlug der Musiker mit der Faust auf den Tisch und unterbrach die Frau, welche ihr Handy noch immer auf Mint richtete, "Lasst sie in Ruhe! Sie hat euch nichts getan und mit wem ich zusammen bin und was ich in meiner Freizeit mache, geht euch garnichts an, solange ich es nicht öffentlich teile. Ansonsten ist jetzt wirklich der Zeitpunkt gekommen um zu gehen. Meine Freundin hat absolut recht mit dem was sie gesagt hat und meine Geduld ist nun am Ende. Ich lass mir keine Vorwürfe vorhalten, weil ich mein Privatleben genießen will. Wir können gerne bei einem offiziellen Meet and Great Fotos machen oder wenn ich auf einem Konzert mal mehr Zeit habe, aber nicht jetzt. Jetzt möchte ich mit meiner Freundin frühstücken. In Ruhe! Und wehe es kommt noch eine von euch auf die Idee Mint zu beleidigen...", knurrte seine Stimme, während er die Drei mit einem ersten Blick ansah. Alle schluckten, standen wie angewurzelt da und bekamen kein Wort mehr raus. Diese Seite von ihrem Helden hatten sie wohl nicht erwartet. Tja. Wirft man zu viel Staub ins Feuer entsteht halt manchmal eine Stichflamme. "So meine Damen ihr habt ihn gehört. Abmarsch.", tauchte wie aus Zauberhand Michaels Bodyguard hinter den Frauen auf. Ingo traf wirklich jedesmal das perfekte Timing, so kam er eine Sekunde bevor der Musiker auf den Tisch geschlagen hatte zu Tür hinein. Ein Blick und er hatte die Situation sofort verstanden, trotzdem wollte er seinem Schützling jedoch die nötige Zeit geben um seine Ansage zu beenden. In seiner aktuellen Verfassung wäre es keineswegs gut, wenn er die Wut in sich hinein frisst. Anderenfalls hatte ihn der ganze Trubel viel Energie geraubt, sodass er nun erschöpft im Stuhl saß und mit knall roten Kopf hustete.

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