Kapitel 76

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"Erzähl du gerne. Ich sollte meine Stimme lieber noch ein wenig schonen.", überreichte Michael Mikko den imaginären Redeball. "Mach ich. Okay... hat jeder sein Popcorn bereit? Die Geschichte ist ein kleines bisschen länger.", scherzte sein Kumpel und grinste. "Zählen Mandarinen auch?", fragte Mint und war total gespannt auf die nun folgende Geschichte über das Kennenlernen der beiden Männer. Bei ihnen konnte sie sich tatsächlich jedes erdenkliche Szenario ausmalen, in dem sie sich zum ersten Mal begegnet sind. "Zählt!", hielt er seinen Daumen hoch, "Dann fang ich mal an, haltet euch gut fest..." "Mik so krass ist die Story nun auch nicht.", lachte der Musiker. "Ey, richtig erzählt sind alle Geschichten krass." Wo er recht hat, hat er recht. Das richtige Storytelling und eine gute Betonung, kann aus einer alltäglichen Geschichte, schnell etwas besonders machen. "...aber egal, dass ist ein anderes Thema. Ich fang jetzt wirklich mal an, bevor Pfefferminz noch ungeduldig wird.", schaute er zu seiner gegenüberliegenden Sitznachbarnin, die ihm als kurze Reaktion ihre Zunge entgegenstreckte, "Schon gut, sorry... also wir haben uns im Frühjahr oder eher im Frühsommer 1992 zum erstenmal gesehen, Paddy war vierzehn und ich dreizehn als wir uns beide kennengelernt haben. Das ist inzwischen... lass mich kurz überlegen... fast Einunddreißig Jahre her. Unsere Silberhochzeit haben wir somit schon hinter uns. Ne Schatzi, in ein paar Jahren steht dann die Goldene an. Verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Okay... Zurück zur Story... bevor ich für mein Studium nach München gezogen bin, hab ich mit meiner Familie in Köln gewohnt. Meine Eltern besaßen ein eigenes Architekturbüro und hatten dementsprechend wenig Zeit für mich, weshalb ich meine Freizeit früher oft bei meinem Opa auf der Arbeit verbracht habe. Meist bin ich also nach Schulschluss nach Hause gegangen, hab gegessen, meine Hausaufgaben gemacht und bin dann sofort losgefahren zum Hafen. An der Stelle wäre wohl gut zu erwähnen, dass mein Opa Hafenleiter gewesen ist. Und anders wie die heutigen Jugend, die verwöhnt sind von ihren sozialen Medien, hab ich es geliebt den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein und zwischen den vielen Booten spielen und bei kleineren Aufgaben helfen zu dürfen. Ein riesiger Abenteuerspielplatz nur für mich alleine. Jedenfalls solange bis eines Tages ein neues Boot anlegte und mit dessen auftauchen in regelmäßigen Abständen mehrere Gruppen junger Mädchen über das Gelände streiften, um die Bewohner des Bootes zu Gesicht zu bekommen. Mein Opa versuchte alles um die unbefugten Besucher zu vertreiben, doch diese blieben hart und gaben, trotz Hausverbot, nicht auf. Ich hab die ganze Aufregung zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht verstanden, erst als die Hafenmitarbeiter und mein Opa mir erklärt haben welche Familie auf dem Boot wohnt hat alles ein bisschen mehr Sinn ergeben... obwohl um ehrlich zu sein, ganz verstanden hab ich es auch danach noch nicht. Wahrscheinlich weil ich auch garnicht verstehe will, wie man auf solche idiotische Ideen kommt und Menschen verfolgt. Die Bootbesitzer hat man dementsprechend nur sehr selten gesehen und meistens aus der Ferne, dafür sorgten sie fast immer für musikalische Untermalung auf dem Hafengelände. Bei meinen weiteren Besuchen bin ich den ganzen Mädels Gruppen so gut es ging aus dem Weg gegangenen, da sie anfingen mich mit Fragen zu bombardieren. Einige haben selbst nach dem hundersten 'Nein' nicht verstanden, dass ich keinen Kontakt zu der Familie besitze. Jedenfalls zu dem Moment noch nicht. Zwei oder drei Wochen nachdem der ganze Trubel angefangen hat, hab ich eines Nachmittags einen ziemlich panischen Schrei gehört und mehrere schrille weibliche Stimmen. Neugierig bin ich nachschauen gegangen woher der Schrei kam... und weshalb. Hinter zwei Container traf ich dann auf einen Jungen... Paddy... ungefähr in meinem damaligen Alter der ängstlich auf mich zu gerannt kam und meinte 'Sie sind hinter mir her'... damit meinte er eine der Mädels Gruppen. Ohne groß zu überleben bot ich Paddy meine Hilfe an, ihm beim verstecken zu helfen. Wir sind dann gemeinsam von den Mädchen weggelaufen, rüber zu den Müllcontainer... kurz bevor die Gurppe uns eingeholt hat, hab ich ihn in einen der leeren Papiercontainer geschuppst. Seine Reaktion nach, war er im ersten Moment nicht sehr überzeugt von der Idee, als er jedoch festgestellt hat, dass der Müll frisch abholt wurde, legte sich sein Ärger. Dank meinen Opa kannte ich den Müllplan zum Glück auswendig, ich hätte ihn niemals in einen vollen Container geschuppst... obwohl vielleicht doch. Spaß... als seine Verfolgerinnen dann kurz drauf bei mir ankamen, schickte ich sie in einem falsche Richtung weiter, weg vom Hafen. Nach ein paar Minuten half ich Paddy, dann wieder aus dem Papiercontainer raus und wir kamen ins Gespräch. Und obwohl wir uns vorher nie gesehen haben, verstanden wir uns auf Anhieb super mit einander. Seitdem Tag haben wir uns fast täglich getroffen oder standen in irgendeiner anderen Form in Kontakt. Hätte mir vorher jemand erzählt, dass ich meinen besten Freund, Trauzeugen und Patenonkel meiner beiden Kinder auf einem Hafen kennenlernen, hätte ich demjenigen vermutlich den Vogel gezeigt, aber so ist es nunmal geschehen. Jetzt kennst du unsere gesamte Lovestory Pfefferminz.", kam Mikko zum Ende seines Monologs.

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