Kapitel 50

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"Darf ich wieder auftauchen?", warf Mint einen vorsichtigen Blick unter der Decke hervor, die Michael ihr zum Schutz vor seinen Fans über ihren Körper geworfen hatte. Das selbst nach zwei Stunden noch immer mehr als zwanzig Menschen am Hinterausgang auf ihn warteten war wirklich verrückt und doch gewöhnte sie sich langsam an den Trubel um seine Person. "Klar, sorry my love.", half er ihr unter ihrem Versteck hervor zu kommen, "Now we have our peace.", strichen seine Fingerspitzen ihre verzausten Haarsträhnen zurecht. "Irgendwann kaufen wir ein Auto mit zweiten Boden indem sich Min verstecken kann.", grinste Ingo durch den Innenspiegel nach hinten. "Ey, ich bin doch kein Karnickel was man im Hut verschwinden und wieder auftauchen lässt.", stieß sie bedacht gegen die Lehne vom Fahrersitz. "Nicht? Schade, ich hab schon Möhrchen bestellt." "Mein Stundenlohn oder wie? Drei Möhrchen die Stunde?", kicherte die Tonfrau. In ihren Gedanken spielte sich der Trick mit dem verschwinden im Hut einmal bildlich ab. Lustige sähe es bestimmt aus, nur nähme sie danach wohl niemand mehr ernst. Außerdem, woher bekämen sie so einen riesigen Hut. Im Internet konnte man die bestimmt nicht einfach bestellen. "Dann musst du aber auch ein weißes Hasen Kostüm tragen.", erweiterte der Musiker die Idee seines Bodyguards. "Hallo?...", warf sie ihm einen ernsten Blick zu, den ihr Lachen allerdings schnell wieder brach, "Jetzt fällst du mir auch noch in den Rücken? Pass auf das ich dich nicht mit in meinen Hut ziehe." "Jetzt hab ich aber große Angst. Ingo rette mich. Schnell.", rief er theatralisch nach vorne. Sogleich schüttelte der ältere Mann seinen Kopf, "Das Problem drafst du alleine lösen. Bist doch schon ein großer Chaot.", konzentrierte er sich wieder voll auf den Straßenverkehr. Die Unfallwahrscheinlichkeit lag bei einer kurzen Strecke ähnliche hoch wie bei einer längeren. Und wenn man eins lernt, dann das man nie den Fahrer ablenken darf. Kichernd streckte sie ihm ihre Zunge entgegen, "Pech gehabt mein armes Brummelchen.", rutschen ihre Hände an seinen Bauch, wo sie ihn gnadenlos zu kitzeln begann. Von einer Körperseite zu anderen krabbelten ihre flinken Fingerspitzen und ließen ihm keine Möglichkeit zu Flucht. Wild zappelte er mit Armen und Beinen und krümmte seinen Oberkörper vor, "Min, stop please.", Tränen standen ihm vor Lachen in den Augen. All zu eilig wollte sie jedoch nicht von ihm ablassen, da es ihr durchaus gefiel zwischendurch die Oberhand zu besitzen. Erst eine und dann beide Hände schob sie unter den Stoff seines Strickpullis, ein paar Zentimeter hoch zu seiner Brust. Wäre sie fies, täte eine Hand nach unten rutschen lassen. Vor Ingo wollte sie ihm dies allerdings nicht antun, dafür blieb ihnen ihre spätere Zweisamkeit im Hotel. Dort wo sie keiner sehen, geschweige denn hören konnte.

Seine warme Haut kribbelte angenehm beim Kontakt mit ihren Fingerspitzen, "Bist du wieder lieb?", kitzelte sie ihn weiter bis er einmal kraftvoll nickte

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Seine warme Haut kribbelte angenehm beim Kontakt mit ihren Fingerspitzen, "Bist du wieder lieb?", kitzelte sie ihn weiter bis er einmal kraftvoll nickte. Zufrieden küsste sie seine Wange und ließ ihre Bewegungen über seine Haut langsam enden, zurück aus seinen Oberteil holte sie ihre Hände unter nicht. Eine Berührung und sie fühlte sich in seiner Nähe geborgen. Heimat, schrien laut ihre Gedanken. Etwas auf dessen empfinden sie lange verzichten musste. Diese Welt besaß Millionen von Orten, doch an keinen wollte sie jemals bleiben... bis sie ihn getroffen hatte. "Mein Schatz.." hauchte ihre Stimme ehrfürchtig, ganz als könnte ihre Worte ihn zerbrechen lassen. Ihren Kopf an seine Schulter geschmiegt, rutschte sie zu ihm. "Erst mich quälen und dann kuscheln wollen. Da mag mir mal jemand die Logik hinter erklären.", schmunzelte er und schlingte seinen linken Arm um ihre Taille. "Ich kann auch da weiter machen wo ich aufgehört habe?", hob Mint ihren Blick zu ihm und zog fragend eine Augenbraue hoch. So zügig wie allerdings das 'Nein' über seine Lippen kam, hatte er an ihrem Vorschlag nur wenig Interesse, "Bleiben wir lieber beim kuscheln.", lehnte sein Kopf sich zufrieden an ihren. "Aber wehe ihr macht unanständige Dinge, dann sitzt einer von euch gleich vorne.", hörten sie den Bodyguard von vorne lachen. "Boar Ingo.", stöhnte Michael und verdrehte seine Augen. Sein guter Freund kam manchmal aber auch auf merkwürdige Einfälle. "Keine Angst, ich halt ihn auf wenn er mir an die Wäsche will.", versicherte die Tonfrau Ingo, "Gibt da eh noch ein Thema welches ich mit ihm besprechen muss." Verunsichert schluckte der Musiker, "Was hab ich gemacht?", sein letzter Fehltritt lag schon einige Tage in der Vergangenheit, außer er hatte mal wieder Mist gebaut von dem er selbst garnichts wusste. Des öfteren kam sein Verhalten anderes an, als von ihm gewollt. Beispielsweise hieß es nicht das er Menschen nervig findet oder hasst, wenn er einmal ernster oder lauter mit ihnen sprach, da kam einfach der Perfektionist durch, der für jeden Besucher seines Konzertes das bestmögliche Konzerterlebnis schaffen wollte und nicht akzeptieren konnte, dass dies halt manchmal aus technischen Gründen Fehlschlag. Irgendwo in seinem Kopf wusste er somit auch das Mint in Neu-Ulm keine Schuld an der durchgebrannte Sicherung trug und dennoch bekam sie seine schlechte Laune ab. An irgendwem musste er seinen Ärger doch schließlich ablassen, auch wenn er dadurch oft die Falschen traf. Dampf ablassen war wirklich keine seiner Stärken, eher eine Sache an der er dringend arbeiten müsste, um sein engeren Umfeld nicht zu verletzen oder gar zu verlieren. Bekam Mint seine Wut ab, stand sie zeitweise mit einen Bein in der Tür für eine mögliche Flucht. Er selbst würde es bei seinem Verhalten wohl kaum anderes machen. Eigentlich müsste sie wissen, dass er ihr niemals weh tun könnte, sei es absichtlich oder aus Versehen. Trotz idotischem Verhalten, ein Arschloch war keineswegs. Schon das Mikro, welches in München fliegen lernen durfte, bereute er zu tiefst, auch wenn es kein Angriff gegen die Tonfrau gewesen ist, sonst nur reine perfektionistische Wut. Einen derartigen ausbrechen wollte der Musiker sich niemals mehr erlauben. Jedenfalls nicht in der Gegenwart von anderen Menschen. In seinem Heimstudio konnte er nicht ausschließen, dass das ein oder andere Mikro oder Blattpapier Flügel bekäme.

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