Ihre Beine weich wie Pudding folgte sie ihm hinaus, weg von der Aftershowparty auf den Flur. Nicht der perfekte Ort zum reden, aber wenigstens deutlich leiser, sodass sie einander nun gut verstehen. "Wollen wir in meine Gadrobe?", fragte er. "Ich möchte dir erst noch was zeigen. Bitte.", berührte Mint seine Finger. In ihrem Kopf lebte noch diese eine kleine Idee, welche ihr während des Babysittens gekommen war und die sie unbedingt umsetzen wollte, bevor er sich für oder gegen sie entschied. Um Missverständnisse auszuschließen wollte sie ganz sicher gehen, dass er versteht was es heißt mit ihr auf Dauer zu leben, dafür musste er ihre Dämonen besser kennenlernen. "Und was?", fragte er neugierig und ließ sich von ihr den Gang entlang ziehen. Ihr Ziel einer der Lagerräume in der Nähe der Ladezone. "Wirst du gleich sehen.", öffnete sie die graue Tür und knipste das Licht an. Vor ihnen erschien ein Raum gefüllt mit den verschiedensten Requisiten. Teppiche, Lampen, Stühle, Sponsorenwände, Stehtische, Aufsteller, Podeste und die Liste könnte endlos weitergehen. Zwischen all den Zeug fand jedoch auch ein kleiner Schatz sein Zuhause, ein wunderschöner schwarzer Flügel, den die Tonfrau heute morgen durch Zufall gefunden hat und ihr nun bestens in die Karten spielte. "Hübsch", ging der Musiker zusammen mit ihr auf das Instrument zu, welches ihm sofort ins Auge stach, "Da bin ich fast neidisch.", streichelte er die glatte Oberfläche und schmunzelte. Sofern ein Gegenstand einen Bezug zu Musik, Kunst oder Gott aufwies war es leicht ihn dadurch zu faszinieren. Zum betrachten des Flügen hatte sie ihn allerdings ausnahmsweise nicht entführt. "Deiner ist doch genauso schön.", setzte sie sich und klopfe auf die leere Seite auf den länglichen Hocker. Neben ihr Platz genommen grinste er. "I know... aber ich nehm auch gern zwei." "Dann ist deine Wohnung bald voll." "Muss ich halt anbauen.", sagte der Musiker als wäre ein Anbau seiner Wohnung das einfachste auf dieser Welt. Wer weiß vielleicht gehört ihm heimlich das komplette Wohnhaus ohne das es jemand wusste, dass würde jedenfalls erklären warum sein Anschrift noch nicht an die Öffentlichkeit geraten ist. Oder es gab für den Vermieter einen dicken Haufen Schweigegeld. Natürlich könnte auch der normale Menschenverstand dafür sorgen, wieso niemand etwas über sein Privatleben verriet, doch daran glaube sie leider nicht. "Hast du mich extra für den Flügel hier her gelockt?", strich er ihr eine Locke hinters Ohr. "Maybe.", schob Mint die Abdeckung zurück, "Ich würde gern für dich singen, denn wie du weißt bin ich kein Mensch der gut über seine Gefühle sprechen kann und darüber wie es mir geht, aber ich möchte dass du das weißt, bevor du mir deine Antwort auf meine Frage verrätst.". Ihre Finger streiften über die weißen Tasten, wie viele weitere Instrumente hatte die Tonfrau sich auch die Grundlagen des Klavierspielen eigenständig beigebracht. Im Vergleich zum Gitarre spielen fiel ihr das lernen leichter, allerdings fehlten ihr auch hier viele Schritte bis zum Profititel, "Bitte nicht lachen.", sprach die Angst aus ihr, gleich völlig albern zu klingen. Das Lied welches ihre Situation wohl am besten beschrieb war auf deutsch, bisher hatte sie noch nie in ihrer Muttersprache gesungen, abgesehen in ihrer Kindergarten- und Schulzeit. "I would never do that my love", hauchten seine Lippen einen zarten Kuss auf ihre Wange. Inzwischen müsste sie wirklich wissen, dass er nicht dieser Art Mann entsprach, der sie nur demütigen will. Vorsichtig begann Mint mit den ersten Akkorden des Intros, wobei sie Ton für Ton mehr der Mut packte, weil es kein zurück mehr gab, "Weiß nicht, wer es ehrlich meint... Sag mir, wer ist Freund, wer Feind... Manchmal komm ich mit dem Druck nicht klar... Jeder denkt ich leb mein' Traum... Doch keiner steckt in meiner Haut... Wie oft wünscht ich, ich wär unsichtbar?... Ich würd dir gerne blind vertrauen... Doch hab Angst, du nutzt mich aus... Ja, ich glaub ich bin nicht gut genug... Ich will nicht, dass du siehst, wie ich wein... Trag die Sonnenbrille nicht, weil die Sonne draußen scheint... Lass mich los, aber lass mich nicht allein... Die Augen rot und mein Herz so schwer wie Blei... Mag mein Spiegelbild nicht mehr... Mich zu lieben, fällt mir schwer... Bitte sag mir nicht, dass du mich brauchst... Weiß, du denkst, dass du mich kennst... Doch ich bin mir selber fremd... Würd die so gern sagen "Ich dich auch"...", vollkommen gefesselt von ihren Emotionen verfolgte Michael ihren Gesang und den Einblick hinter ihre poröse Mauer, "...Meine Dämonen... Es sind eine Million... Sie halten mich wach."
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seventeen days
RomanceEine Tour, Zwei Herzen & Drei Wochen Probezeit Wo dies hinführt? Findet es heraus! ---------------------------- Die Handlung der Geschichte ist frei erfunden, nur der Name Michael Patrick Kelly wird verwendet. Die Rechte an dem Cover, den Illustra...
