Zu allem Überfluss scheint sich das schnelle Herzklopfen vorsichtig manifestiert zu haben, wann immer ich an San denke. Und das fängt am nächsten Morgen schon ziemlich früh an. Stirnrunzelnd spüle ich die Zahnpasta im Waschbecken weg, während San durch meinen Kopf die Schulflure entlang läuft. Meine Bewegungen werden langsamer und meine Schultern sinken automatisch nach unten bevor ich mich dabei erwischen kann, ihm nach zu träumen. Mit hastigen Bewegungen trockne ich mir die Hände ab und hinterlasse in der plötzlichen Eile feuchte Spuren auf dem Lichtschalter.
In meinem Zimmer werfe ich einen Blick auf die Wetter- App und mir einen grauen Hoddie über das gestreifte, weite Shirt. Mit meinen Schulsachen und einer nassen Strähne auf meiner Stirn gehe ich die Treppen runter, lasse den Rucksack am Aufgang liegen und stolpere weiter in die Küche. Meine Mom umarme ich im Vorbeigehen von hinten, mein Dad bekommt ein trockenes „Guten Morgen".
Müsli und Essen für die Schule bereite ich mir gleichzeitig vor. Während ich über Chat mit Yeosang diskutiere welchen Bus wir nehmen löffle ich meine Schüssel leer. Mit Blick auf die Uhr räume ich auf, greife nach meinem Handy und lasse im Gehen über die Schulter eine Verabschiedung im Raum.
Im Flur entscheide ich mich gegen eine weitere Jacke, für graugrüne Nikes und den Ring, der seit letzter Woche auf dem Schlüsselbord liegt. Beim Türöffnen sammle ich den Rucksack auf und krame meine AirPods aus der Hosentasche. Die Case schnappt auf und die Tür fällt zu. Nach weiterem Check der Uhrzeit entschließe ich mich dazu, sie auf dem Weg zu verbinden.
Ich will gerade bei Yeosang stoppen, da trudelt eine Nachricht ein.
Sorry bro bin noch nicht fertig
Geh sonst ohne mich
Leicht genervt starre ich durch sein Wohnzimmerfenster, das anders als bei uns zur Straße zeigt. Im Antworten stapfe ich weiter zur Haltestelle hoch.
Ok
Er hat bestimmt wieder mit Seonghwa geschrieben, die Zeit vergessen und kommt deshalb zu spät. Oder hat sich gleich mit ihm verabredet.
Mit Blick auf die Uhr und die Anzeigetafel an der Haltestelle kommt er definitiv zu spät, denn sogar ich bin schon spät dran und habe Glück, dass mein Bus im selben Moment wie ich ankommt.
Und ich sollte Recht behalten. Ganze sechs Minuten nach Beginn der Stunde stolpert Yeosang kleinlaut auf seinen Platz. Unsere Mathelehrerin ist zu seinem Glück aber zu perplex das ihr bester und vorbildlichster Schüler ein derart untypisches Verhalten an den Tag legt, als dass sie mehr tut als ihn zu verwarnen. Vorsichtig und Entschuldigungen murmelnd packt er seine Bücher aus und wirft mir einen niedergeschlagenen Blick zu. Ich kann ihn nur kopfschüttelnd angrinsen. Egal wie sehr es mich nervt, dass er mich immer wieder versetzt, ihn verliebt und glücklich zu sehen ist so viel mehr wert.
Ich kann förmlich sehen wie er sich unter meinem Lächeln entspannt. Bevor er sich zurück dreht zieht er die Augenbrauen hoch und zwinkert mir zu. Ich schüttle weiterhin meinen Kopf und richte den Blick wieder nach vorne.
Zwei Stunden und zwei Mal Blinzeln später ist die Tafel voll und mein Kopf leer. Die ersten zehn Minuten war ich konzentriert in der Kurvendiskussion, aber sobald ich fertig war und die leichten Regentropfenkratzer an den Fensterscheiben entdeckt habe, habe ich abgeschaltet. Leichter Regen. Eine Erinnerung von San schiebt sich zwischen die Zahlen.
Nasse schwarz-weiße Haare. Und meine schwarz-weißen Haare, frisch aus der Dusche. Regentropfen, wie Schweißtropfen. Kalt, wie bei Yeosang. Heiß, wie beim Tanzen.
Tanzen. Blicke von San. Blicke wie Samstagabend.
Ein Räuspern reißt mich aus den Gedanken. Der Strich des „f"s, den ich die ganze Zeit nebenbei nachgezogen habe verlängert sich um mehrere Zentimeter nach unten, als ich erschrocken zusammenzucke. Mein Blick sucht die Tafel erneut, aber Yeosangs Kopf schiebt sich in mein Sichtfeld.
„Ey, was geht? Machst du ne Malstunde?" Er stellt sich hinter mich und guckt mir mit schräggelegtem Kopf über die Schulter. „Bro hast du da versucht ne Pflanze zu malen?" Er lacht laut auf und legt seinen Finger neben das blaue Gebilde auf meinem Blatt.
„Ähh.", mache ich, weil ich nicht einmal mitbekommen habe, wie ich meinen Zettel vollgekritzelt habe. Nicht nur die Funktionen und ihre Ableitungen haben gelitten.
„Ehrlich gesagt kein Plan Junge, ich war irgendwann einfach raus." Schnell klappe ich ein Heft zu, schiebe den Rest auf dem Tischzusammen und gleich weiter in meinen Rucksack. „Montag erste zweite halt.Kannst mir nicht sagen das du was Vernünftiges gemacht hast.", kontere ich imAufstehen.
Er läuft leicht rot an und dreht sich Richtung Ausgang. „Ne nichtwirklich. Ist halt Montagmorgen. Gehen wir direkt zu Physik?"
Überrascht bleibeich fast stehen. „Direkt? Du willst nicht zu deinem Lover oder so?"
Erschüttelt den Kopf. „Nee hab kein Bock da mit Taschen rumzustehen. Lass dielieber erst wegbringen, danach ist eh noch Zeit um wieder zu denen runter zugehen."
Ich nicke, realisiere was er gerade meinte und will schon wiederanhalten. Zu denen heißt in dem Fall auch zu San. Und nur der Himmel weiß,wie ich das nach den letzten zwei Tagen aushalten soll.
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I am back bitches.
1. ich hab die letzten zwei tage den bpn last man standing ultra marathon in texas verfolgt und gestern zu beginn von lap 53 gesagt ich schreib das Kapitel jetzt zu Ende weil ich mich schlecht gefühlt hab so unproduktiv zu sein und here we are
2. leute ÜBERLEGT was ihr nach dem abi machen wollt, überlegt wirklich gut
3. erwachsen werden ist no joke
4. führerschein ist no joke
5. hab jetzt hoffentlich mehr Motivation und bin consistant
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Keep me | Woosan
FanficAbgesehen davon, dass wir aus derselben Flasche trinken. Als ich sie ihm zurück gebe guckt er mich bereits an. „Fandest du mich gut?" „Ja. Sehr gut.", er hebt eine Hand und streicht mir eine Strähne aus der Stirn, „Und du? Fandest du dich auch gut?"...
