in a déjà vu

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„So eilig, Jung?"
Hastig befreie ich mich aus Sans Armen und drehe mich zu ihm um. „Ich weiß nicht. Eigentlich suche ich einen neuen Partner für die Übungen." „Was für ein Zufall, hier bin ich." Zögernd gucke ich mich um. Es musste ja auch so kommen, dass ich mit San arbeiten würde. „Na dann mal los."
Wir fangen mit den Übungen an und ich verbinde mir als erstes die Augen. Ich hätte gedacht, dass er total einen auf cool tut, mir Sachen sagt, die total unnötig sind und durchgehen lacht, wenn ich was falsch mache, aber das tut er nicht. Er ist sogar eher vorsichtig und sagt mir ganz genau, wie viele Schritte hinter mir ein Ball liegt oder nimmt für ein paar Übungen meine Hand und passt stets auf, dass ich mir nicht wehtue. Als wir wechseln, versucht er mich zu überreden, dass ich noch eine Runde machen sollte, was mich zu dem Schluss bringt, dass er Angst hat, alleine mit geschlossenen Augen die Aufgaben zu machen. „Komm schon San, ich werde neben dir stehen, die ganze Zeit."
Mit leicht zitternden Händen bindet er sich das Tuch um die Augen und steht unsicher vor den Bällen. Ich trete neben ihn und hebe einen Ball für ihn auf.
Doch schon Prellen wird problematisch, weil er sich nicht traut, aus Angst, er würde jemanden irgendwie zu treffen.
Also stelle ich mich neben ihn und lege meine Hand auf seine. „Alles gut San, ich steh direkt neben dir und pass auf, dass nichts passiert, versprochen." Langsam drücke ich seine Hand mit meiner nach unten. Er lässt den Ball fallen und beugt sich mit gestreckten Armen vor, um ihn sofort wieder zu fangen. Ich lege ihm meine andere Hand auf die Schulter und merke, wie angespannt er ist. „Das war gut, gleich noch mal.", ermutige ich ihn, weiter zu machen. Wir schaffen es, noch zwei weitere Male zu prellen. Dann lege ich den Ball weg. Bei der nächsten Übung ist San entspannter, klammert sich aber immer noch an meine Hand. So geht es weiter, bis die Lehrerin das Ende verkündet.
„Und, war doch ganz einfach, oder?" „Jaa, danke.", quetscht San hervor und zieht sich das Tuch von den Augen. Zusammen gehen wir mit den anderen zu Frau Jeon und hören uns den Vortrag über das nächste Thema, Teamsport, an. Das heißt durchdachtes Benchball.
Erst als wir uns jeweils zurück zu unseren Freunden stellen wollen, merken wir, dass unsere Hände immer noch ineinander verschränkt sind. Schnell nehme ich meine aus seiner. „Äh dann, war eine tolle Partnerarbeit mit dir." „Hm. Ach ja, Wooyoung. Natürlich haben wir Skateboards, sonst hätte ich doch nicht gefragt.", zwinkert er mir zu und ich verschwinde rot werdend zu Changbin. Der guckt mir amüsiert entgegen, sagt aber nichts weiter.

Den Rest der Stunde spielen wir also Benchball, mit Unterbrechungen von Frau Jeon, die uns alle fünf Minuten die Situation beschreibt und erklärt, wer was als nächstes machen wird. Ich höre nicht wirklich zu, zwar ist es interessant, aber ich bin damit beschäftigt, mir San anzuschauen und Yeosang mal wieder dabei zu erwischen, Löcher in die Luft zu starren. Langsam denke ich wieder an unser Gespräch vorhin zurück. Was wenn Yeosang doch Recht hat und San meint, dass es eine Art Date ist? Aber warum sollte San mit mir auf ein Date gehen, wenn wir uns nicht mal richtig kennen und sonst auch nichts mit einander zu tun haben? Bestimmt wollte San auch einfach nur Aufmerksamkeit haben, was ich sofort glauben würde. Und überhaupt, warum Date?
Was hatte ihn trotzdem darauf gebracht, mit mir abhängen zu wollen? Schnell schiebe ich weitere Gedanken zur Seite und konzentriere mich wieder auf den Unterricht. Nach weiteren quälenden 20 Minuten klingelt es und ich verschwinde so schnell ich kann in der Umkleide und dann zur Bushaltestelle. Dort treffe ich wieder auf Yeosang und ziehe ihn kopfschüttelnd mit in den Bus.
Da fast alle Schüler jetzt Schluss haben, sind die Busse dementsprechend voll und ich entdecke San und Jisung in einen Bus in unsere Richtung einsteigen, der allerdings weiter in Richtung Stadt als Dorf fährt.

Keep me | WoosanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt