· · ─ ·𖥸· ─ ·
12
„Wir sind da, Liebes", murmelt meine Mutter leise, während mein Vater mir von außen die Tür öffnet.
„Nein..."
„Nein, nein, nein, nein."
Meine Stimme wird immer lauter, mein Herz fühlt sich an, als würde es in tausend Stücke zerbrechen. Es ist, als hätte mich jemand aus einem warmen Traum gerissen und brutal in eiskaltes Wasser gestoßen. So ein Verrat... so etwas habe ich noch nie erlebt.
„Bitte... bitte nicht... wieso... das kann doch nicht sein..."
Mit aller Kraft kralle ich mich verzweifelt am Auto fest, meine Finger zittern, mein ganzer Körper bebt vor Wut und Schmerz. Ich will auf sie losgehen, sie anschreien, sie zwingen, mir in die Augen zu sehen und mir zu erklären, wie sie mir so etwas antun konnten.
Doch bevor ich auch nur einen Schritt machen kann, ist Milan da.
Er packt mich fest an der Taille und zieht mich zurück, hält mich davon ab, auf meine eigenen Eltern loszugehen.
„Ich hasse euch! Wie könnt ihr eurer eigenen Tochter so etwas antun?!"
Meine Mutter dreht den Kopf weg, als könnte sie meinen Blick nicht ertragen. Mein Vater dagegen bleibt kühl, fast gleichgültig, und entschuldigt sich bei Milan.
„Sie wird sich jetzt benehmen."
Ein bitteres, ungläubiges Lachen entweicht mir.
„Benehmen? Verfickte Scheiße, ihr seid so erbärmlich."
Dass Milan mich festhält, dass ich mich nicht einmal richtig wehren oder ihnen gegenüberstehen kann, macht alles nur noch schlimmer.
„Lass mich los, Milan!"
Ich wehre mich, kratze ihn sogar, doch es bringt nichts. Und als ich sehe, wie meine Eltern einfach einsteigen, ohne ein weiteres Wort, ohne sich umzudrehen, ohne sich zu verabschieden...
...bricht etwas in mir.
Ich sinke in mich zusammen, meine Beine geben nach, und die Tränen kommen unaufhaltsam.
„Ich kann nicht glauben, dass sie mir das antun..."
Zu meiner eigenen Überraschung setzt sich Milan mit mir auf den Boden und zieht mich in seine Arme. Für einen Moment ist er nicht der kalte, berechnende Mann, sondern einfach nur... da.
„Ich würde jetzt ja 'Home Sweet Home' sagen", murmelt er leise an meinem Ohr, „aber wir müssen leider direkt weiter."
Er hilft mir wieder auf die Beine, doch ich fühle mich leer. Komplett leer.
„Keine Drohungen oder so, weil ich abgehauen bin?" Meine Stimme ist brüchig, erschöpft. „Komm schon... bring mich einfach um... oder so. Damit würdest du mir einen Gefallen tun."
Ich schaffe es kaum, die Worte auszusprechen, ohne wieder zu zerbrechen.
„Das, was dir passiert ist, müsste Strafe genug sein", sagt er ruhiger, als ich erwartet hätte. „Und jetzt komm."
Ich gehe einfach mit.
Nicht, weil ich will.
Sondern weil ich nicht mehr weiß, wohin ich sonst gehen soll.
Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Keine Kraft mehr zu schreien. Ich will mich nur noch verkriechen und verschwinden.
Erst Aaron.
Dann meine Eltern.
Mein ganzes Leben fühlt sich plötzlich wie eine Lüge an.
Als mein Schluchzen nicht aufhört, dreht Milan irgendwann die Musik laut auf. Viel zu laut. Doch seltsamerweise hilft es ein wenig, die Gedanken zu übertönen.
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Milan
RomansaLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
