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Es ist bereits der nächste Abend. Und es ist Wochenende... ich kann mir vorstellen, dass es heute ordentlich voll sein wird.

Ich ziehe mir eine enge Jeans und ein schlichtes weißes Shirt an. Als ich im Laden ankomme, ist es wie vermutet fast überfüllt. Chani, die gerade an der Theke ist, drückt mir ein Handy in die Hand. Damit soll ich die Bestellungen eintippen.

„Hallo an alle, wisst ihr schon, was ihr trinken wollt?" In der Regel würde ich siezen. Da es hier aber locker zugeht, soll ich direkt duzen... es sei denn, es sind ältere Herren. Ich lehne mich an einen Sessel und nehme die Bestellungen an.

Ich bin irgendwie nervös. 
„Ich nehme eine Pfeife mit Doppelapfel und dazu einen Arizona Green Tea."

„Ehm... ich glaube, Green Tea haben wir nicht." Der Typ grübelt. 
„Welche habt ihr denn?" Er tippt ungeduldig mit den Füßen auf den Boden.

„Blaubeere, Pfirsich... und Granatapfel..."

„Mir egal, dann irgendeins."

Ist es so schwer zu sagen, welches gewollt ist? Dann nimmt er eben Pfirsich. 
Die anderen belassen es zum Glück bei Cola und simplen Sushi-Platten. 
Die meiste Zeit bin ich nur am Hin- und Herrennen. Chani ist trotz Stress immer höflich zu mir, auch wenn ich kleine Fehler für meinen ersten Tag gemacht habe.

Statt Bueno hat ein Kunde einen Oreo Shake bekommen. 
Als es immer später wird, wird die Musik auch ordentlich aufgedreht. Die Menschen, die hier noch sind, scheinen Stammkunden zu sein. 
Jaden verteilt Shots umsonst und gesellt sich zum VIP-Tisch. 
Chani setzt sich auf seinen Schoß; als er mich sieht, flüstert er ihr etwas ins Ohr.

Toll, ich dachte, ich kann gemütlich so tun, als würde ich die Theke putzen. 
„Du sollst Jaden und seinem Kollegen bitte einen Whisky bringen, ich kümmere mich schon mal um die dreckigen Tische." Ich nicke und mache das, was Chani verlangt.

„Das ist also dein neuer Engel." sagt einer, der schon ordentlich einen im Becher hat, zu Jaden. 
„Ja, ich bin halt ein Glückspilz. Umgeben von schönen Frauen, wer genießt das nicht? Danke, Flora." Ich gebe beiden die Getränke.

„Ich verkneife mir das Kotzen dann für später." brumme ich unsicher, und Jaden winkt mich zu ihm heran. 
„Setz dich und lass uns kurz reden." Er deutet auf seinen Schoß, und ich winke ihn beiseite.

Er muss jetzt mit seinem Kollegen kuscheln, damit ich mich NEBEN Jaden auf das Sofa setzen kann.

Soweit kommt es noch. 
Er seufzt, aber nimmt das Ganze zum Glück mit Humor. 
„Gefällt es dir hier?" Ich nicke. 
Ich hatte viel Spaß. Die meisten Gäste sind locker drauf.

Kann aber auch daran liegen, dass sie in meinem Alter sind und ich einfach einen besseren Draht zu sowas habe. 
„Du hast keine richtige Wohnung." stellt er fest, und ich beiße mir auf die Lippe.

„Woher?"

„Dein Arbeitsvertrag? Ich kann lesen, Flora." stellt er fest und wirkt ziemlich gut gelaunt. 
„Mein Freund hier." Er klopft ihm auf die Schulter; vorher hat er ihm nicht zugehört. Jetzt ist sein Kollege sehr aufmerksam.

„Vermietet Wohnungen." Sein Kollege gibt mir die Hand. 
„Na klar, was fehlt dir? 3,5, 4,5? Single-Apartment. Nein, warte, ich glaube, ich habe genau das Richtige für dich." süßt er mich vor, und ich versuche, einigermaßen nett zu bleiben.

Immerhin kann er mir eine Wohnung beschaffen. 
Er zeigt mir von einer Dachgeschosswohnung einige Bilder; sie sagt mir sofort zu und hat sogar eine Terrasse.

Die größte ist sie nicht, aber immerhin sehr modern und bezahlbar.

Für Ansprüche habe ich sowieso keine Zeit, also sage ich direkt zu.

Die Möbel kann ich sogar für eine angemessene Vergütung übernehmen. 
Besser geht's gar nicht. 
Ich soll mir das Ganze durch den Kopf gehen lassen... am Freitag wäre sie dann frei.

Einige Tage später...

Mittlerweile ist meine Paranoia wie verschwunden; ich habe das Gefühl, wieder frei zu sein. Ich kann atmen, ohne Angst zu haben, aus welcher Ecke die Luft kommt.

Ich bin mir sicher, Milan kümmert sich gut um Katharina. 
Zumindest wünsche ich mir Frieden für den Typen.

Ich habe mich gut in der neuen Wohnung eingelebt, Jaden und Chani haben mir mit allem geholfen... naja, größtenteils Chani... dafür bin ich wirklich dankbar. 
Die Bar ist mittlerweile mein zweites Zuhause geworden, ich lerne so viele neue Leute kennen, und jeden Tag läuft es anders ab.

Doch irgendwie habe ich immer das Gefühl, als fehle noch etwas... oder als müsste ich etwas ganz dringend erledigen.

Aber mir fällt nicht ein, was. Oder mir will es einfach nicht einfallen. 
Ich mache mich mit etwas Musik zurecht. Gleich beginnt meine Schicht... und es ist Wochenende. Das kann ja wieder ein langer Abend werden.

Ich denke oft an meine Eltern... hatte mich sogar getraut, an einer Telefonzelle anzurufen... doch bevor mein Vater seinen Nachnamen aussprechen konnte, habe ich auch schon aufgelegt. 
Es ist nicht leicht, einen Neuanfang zu starten, wenn die Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist. Aber die Zeit wird das alles von ganz alleine abschließen... ich hoffe es.

Als ich mich wie gewohnt auf den Weg zur Arbeit mache, höre ich den Laden schon von weitem. 
Laute moderne Musik. Wenn dies nicht meine Arbeit wäre... dann wenigstens meine Stammbar.

Und verdammt nochmal, es gefällt mir hier. 
Ich kann sogar hier Leute beleidigen, ohne dass sie es mir böse nehmen.

Als ich gerade meine Hände sauber habe, kommt mir eine gestresste Chani entgegen, die gerade Eis nachfüllt.

„Spielt Jaden gerade Kunde statt Chef?" 
Sie huscht von der einen in die nächste Ecke. 
„Wir bekommen gleich prominenten Besuch, es wurde der VIP-Tisch reserviert und wir müssen alles vorbereiten. Und Jaden, der Arsch, genießt hier irgendwo sein Leben."

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MilanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt