· ─ ·𖥸· ─ ·
54
„Unser zukünftiger Chef höchstpersönlich. Sie dürfen sich geehrt fühlen," verkündet der Sprecher mit bedeutungsschwerer Stimme - und schlagartig wird es still im Saal.
Es ist, als hätte jemand die Luft angehalten. Niemand wagt es mehr, auch nur ein Wort zu sagen.
Hugo erkennt plötzlich, was hier passiert, und fängt an zu schwitzen. Ich sehe förmlich, wie Panik in ihm hochkriecht.
Dann setzt Applaus ein. Laut, geschlossen, fast ehrfürchtig - genauso wie damals bei Milan.
Der Mann nimmt seinen „Gewinn" entgegen und wird direkt zu mir geführt.
Für einen Moment fühlt sich alles unwirklich an.
Er greift nach meiner Hand, hebt sie an seine Lippen und gibt mir einen flüchtigen Kuss darauf. Seine Berührung ist kühl, kontrolliert, beinahe distanziert.
„Es war mir eine Freude... wir sehen uns bestimmt bald wieder. Sieh es als Entschuldigung für meine vulgäre Ausdrucksweise."
Und genauso schnell, wie er aufgetaucht ist, verschwindet er wieder in der Menge.
Ich bleibe wie erstarrt stehen und sehe ihm nach, während seine Silhouette zwischen den Menschen langsam verschwimmt.
„Wa... was passiert jetzt mit mir? Bitte... Sie dürfen mir nichts tun..."
Die Stimme neben mir ist leise, brüchig.
Ich greife instinktiv nach ihrer Hand und beuge mich leicht zu ihr.
„Du bist jetzt in Sicherheit. Dir wird nichts mehr passieren. Versprochen."
Hugo kommt hektisch zu uns herüber, sichtbar gestresst.
„Sag mal, spinnst du, Lucy? Nicht nur, dass du mit dem zukünftigen Besitzer dieses Ladens gesprochen hast wie die letzte Gossenbraut - nein, du nimmst auch noch eine ehemalige Geisel mit?!"
„HALT DIE KLAPPE!" schreie ich ihn an, und das Mädchen neben mir zuckt sofort zusammen.
Ich atme einmal tief durch, versuche mich zu sammeln.
„Was machen wir jetzt?" frage ich leiser, aber nicht weniger verzweifelt.
Oh Gott... was mache ich jetzt eigentlich?
„Bitte... schickt mich nicht zurück," flüstert sie.
Ich sehe sie an, zwinge mich zu einem sanften Lächeln, um sie zu beruhigen.
„Keine Ahnung..." murmelt Hugo und fährt sich durch die Haare. „Ich könnte sagen, sie ist eine Prostituierte, die ich mitgenommen habe... und morgen sehen wir weiter."
Ich nicke langsam. Es ist keine gute Lösung, aber gerade die einzige, die wir haben.
Wir verschwinden so schnell wie möglich aus dem Saal und eilen zum Auto.
Die ganze Fahrt über ist es still.
„Ich bin Lucy... wie heißt du?" frage ich schließlich vorsichtig.
DU LIEST GERADE
Milan
RomanceLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
