S.9

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Es sind jetzt acht Tage vergangen.

Acht verdammte Tage, in denen ich hier gefangen bin - und komplett auf mich allein gestellt.

Milan habe ich seitdem nicht mehr gesehen. Kein Blick, kein dummer Spruch, nichts.
Tom schaut ab und zu vorbei, bringt mir Essen, bleibt manchmal ein paar Minuten und redet belanglosen Kram, als wäre das hier ein ganz normales Leben.

Ich habe angefangen, das Haus zu erkunden. Jeden Flur, jede Ecke, jede Tür, die sich öffnen lässt.
Einmal habe ich sogar versucht, ein Buch zu lesen.

Spoiler: Ich hasse Bücher immer noch.

Immerhin lassen mich die anderen größtenteils in Ruhe. Kein dummer Kommentar, keine schiefen Blicke - als wäre ich plötzlich unsichtbar geworden.

Klopf, klopf.

Ich zucke leicht zusammen und gehe zur Tür. Als ich sie vorsichtig öffne, stürmt sie auch schon ungefragt rein.

Kackarina.

Sie trägt nichts außer einem Hemd - Milans Hemd, wenn ich den Geruch richtig deute - und dieses Parfum... ja, das kenne ich inzwischen leider viel zu gut.

Sie bleibt mitten im Raum stehen und mustert mich von oben bis unten, als würde sie überlegen, wo sie mich zuerst auseinandernehmen soll.

„Hör zu, du kleine Schlampe", beginnt sie ohne Umschweife. „Mag sein, dass du den Männern hier den Kopf verdrehst, aber ich bin hier der Sheriff."

Sheriff?

Ich blinzele.

„Also halt die Finger von meinem Mili", fährt sie fort und verschränkt die Arme. „Dann kommen wir uns nicht in die Quere. Ansonsten..."
Sie macht einen Schritt auf mich zu.
„...muss ich dich ausschalten."

Ich stehe einfach nur da, den Mund leicht geöffnet.

Ist das ihr Ernst?

„Hat sich Hugos IQ auf dich übertragen?" rutscht es mir raus, bevor ich darüber nachdenken kann.

Großartig, Lucy. Wirklich.

Ihr Blick wird kurz eisig, aber statt auszurasten, schnaubt sie nur abfällig, dreht sich um und knallt die Tür hinter sich zu.

Ich starre noch einen Moment auf das Holz.

Okay.

Die wird auch immer kaputter.

„Da hat aber jemand einen ordentlichen Hormonüberschuss", murmele ich vor mich hin.

Keine zwei Minuten später geht die Tür wieder auf - diesmal deutlich vorsichtiger.

Tom.

Er sieht leicht überfordert aus, lächelt aber wie immer freundlich und hält ein Tablett hoch.
„Frühstücksservice."

Ich mustere ihn kurz. Immer noch der Einzige hier, der sich halbwegs wie ein normaler Mensch verhält.

Er hat sich übrigens für seinen Ausraster letztens entschuldigt.

Pluspunkte.

Und dann sehe ich es.

Schoko-Croissants.

Ich liebe diesen Mann.

Ich setze mich aufs Bett und greife sofort zu, während er sich neben mich setzt. Der erste Bissen fühlt sich an wie ein Stück Normalität in diesem ganzen Chaos.

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