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Lucy
Ich habe nicht wirklich geschlafen. Es war eher ein unruhiges Wegdriften, bei dem ich nie richtig zur Ruhe gekommen bin, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, jemand würde schreien. Diese Schreie hängen noch immer in meinem Kopf fest, als hätten sie sich dort eingebrannt und würden einfach nicht verschwinden wollen.
Vielleicht liegt es aber auch an dieser widerlichen Pille, die Milan mir gegeben hat.
Langsam öffne ich die Augen, mein Körper fühlt sich schwer und benommen an, als hätte ich kaum Kontrolle über mich selbst. Als sich plötzlich die Tür öffnet, schießt mir sofort Adrenalin durch den Körper und ich richte mich auf, bereit, mich irgendwie zu verteidigen, obwohl ich genau weiß, dass ich keine echte Chance habe.
„Keine Panik... ich bin's nur."
Ein blonder Junge mit klaren blauen Augen tritt ein, und ich erkenne ihn sofort wieder. Er ist immer bei Pablo und Hugo dabei, aber im Gegensatz zu ihnen ist er nie laut oder aufdringlich gewesen, eher im Hintergrund, fast so, als würde er gar nicht richtig dazugehören.
In seinen Händen trägt er ein Tablett, und als mein Blick darauf fällt, zieht sich mein Magen sofort zusammen. Frisches Obst, Croissants, Joghurt - alles sieht so normal aus, so fehl am Platz in dieser Situation, dass es mich für einen Moment aus dem Konzept bringt.
Wann habe ich eigentlich das letzte Mal etwas Vernünftiges gegessen?
Er kommt näher, stellt das Tablett vorsichtig vor mir ab und setzt sich dann mit etwas Abstand auf die Bettkante, als würde er darauf achten, mich nicht zu überfordern.
„Lucy, richtig?" fragt er ruhig und lächelt mich an.
Ich nicke nur leicht, ziehe die Beine enger an mich und beobachte ihn misstrauisch. Sein Lächeln wirkt ehrlich, aber genau das macht es irgendwie noch schwieriger, ihm zu vertrauen.
„Ich bin Tom", sagt er dann. „Xaviers dritter und jüngster Sohn."
Er spricht diese Worte, als wären sie eher eine Last als eine Vorstellung, und für einen kurzen Moment glaube ich, so etwas wie Unbehagen in seiner Stimme zu hören.
„Wie auch immer... du solltest etwas essen."
Ich schüttle sofort den Kopf. Als ob ich hier einfach so irgendetwas anrühren würde, das mir jemand von denen hinstellt.
Doch mein Magen hat offenbar eine ganz eigene Meinung dazu und meldet sich lautstark zu Wort.
Tom hebt beschwichtigend die Hände, sein Blick bleibt ruhig.
„Ich verspreche dir, da ist nichts drin. Du musst wirklich zu Kräften kommen."
Er zögert kurz, bevor er weiterspricht.
„Ich mache dir einen Vorschlag: Du isst, und ich beantworte dir die Fragen, die du hast."
Ich sehe ihn skeptisch an, dann wieder auf das Essen. Schließlich nicke ich langsam und greife vorsichtig nach dem Tablett, als könnte es jederzeit verschwinden oder sich gegen mich wenden.
Was esse ich zuerst?
„Keine Fragen?"
Ich habe mir bereits ein Croissant in den Mund gesteckt und kaue, fast ein bisschen zu hastig, bevor mir einfällt, dass ich ja eigentlich Antworten wollte.
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Milan
RomantizmLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
