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Ich grüble einen Moment vor mich hin, während ich noch unschlüssig auf die Skizzen starre.
„Ich geh eine rauchen, klär du das mit ihr", brummt Milan schließlich und zündet sich einfach mitten im Studio eine Zigarette an, als wäre das hier das Normalste der Welt.
Natürlich trägt er immer noch kein Shirt.
Ich verdrehe leicht die Augen, wende mich dann aber wieder der Tätowiererin zu.
„Okay... ich hab was."
Ich greife mir einen Stift und zeichne vier kleine Symbole auf ein Blatt. Sie schaut erst irritiert, legt den Kopf leicht schief, doch dann verändert sich ihr Blick und sie nickt langsam, fast schon überzeugt.
„Die Bedeutung ist kitschig", sagt sie und lacht leise, „aber irgendwie passt es trotzdem."
Ich grinse leicht vor mich hin.
„Mal sehen, wie er reagiert, wenn es fertig ist", murmele ich und male mir seine Reaktion schon ganz genau im Kopf aus.
Als Milan wieder reinkommt, sehe ich sofort diesen kurzen, skeptischen Blick in seinen Augen. Er rechnet offensichtlich mit dem Schlimmsten.
Ich kann mir ein freches Grinsen nicht verkneifen.
„Es ist ein Penis."
Er verdreht genervt die Augen.
„Natürlich ist es das."
Ich lache leise.
„Leg dich hin", sagt die Tätowiererin dann und deutet auf die Liege.
Milan folgt ohne Widerworte.
„So, und jetzt zieh dir mal Handschuhe an", sagt sie plötzlich zu mir.
Ich blinzle verwirrt zwischen den beiden hin und her.
„Wie bitte?"
Milan schaut mich ruhig an, fast schon ernst.
„Ich könnte mir deinen Namen stechen lassen", erklärt er, „aber das hier hat nichts direkt mit uns zu tun. Und genau deshalb hat es mehr Bedeutung, wenn du es machst."
Die Tätowiererin legt mir beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Keine Sorge, ich mache dir eine Vorlage. Du musst sie nur nachstechen."
Ich atme hörbar aus, ein bisschen erleichtert.
„Okay... das krieg ich hin."
Mit leicht zittrigen Fingern ziehe ich mir die Handschuhe über und nehme das Gerät in die Hand.
„Oh mein Gott... das ist irgendwie richtig cool", sage ich leise und kann mir ein kleines, stolzes Lächeln nicht verkneifen.
Ich setze schon an-
„Langsam", unterbricht sie mich sofort. „Nicht zu tief, aber auch nicht zu leicht, sonst hält es nicht."
Sie führt meine Hand ein Stück, bis die Nadel seine Haut berührt.
Milan zischt leise auf.
Ich zucke erschrocken zusammen und ziehe reflexartig meine Hand zurück.
„Er verarscht dich", sagt sie trocken. „Mach einfach weiter."
Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, während er sich darüber amüsiert, wie verloren ich mich gerade anstelle.
Gefühlt brauche ich eine Ewigkeit.
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Milan
RomansLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
