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„Xavier ist der Teufel." flüstert sie leise.

„Mach dir keine Sorgen, Carla. Ich habe Milan gut im Griff." Sie legt kurz lächelnd ihre Hand auf meine. 
„Danke. Genau das braucht er auch."

Lisa hält zwei Blumensträuße in der Hand. 
Wir nähern uns dem Sarg. Hier sind viele Menschen anwesend.

Zu viele. 
Einige weinen, andere sind wütend.

Und ich stehe einfach nur stumm da. 
„Das hätte auch meine Beerdigung sein können," wird mir plötzlich klar, als ich zu Milan schaue.

Wenn er mich getötet hätte... 
Würde ich jetzt dort drinnen liegen. 
Mir wird ganz anders.

All diese Gesichter zu sehen und Milans Familie plötzlich kennenzulernen... es ist zu viel.

Ich entschuldige mich kurz bei Carla und gehe einige Schritte weiter weg. Milan folgt mir und führt mich abseits des Friedhofs. Aber nur, um sich dort eine Zigarette anzuzünden.

„Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass Lisa und Carla auch kommen. Eigentlich halten sie sich immer fern... darüber war ich auch ganz froh." Er drückt die Kippe aus und zieht mich in eine Umarmung.

„Du musst dich nicht entschuldigen. Es beruhigt mich, diese Seite deiner Familie kennenzulernen." Wir lösen uns voneinander, und Milan gibt mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Er nimmt meine Hand, und wir schließen uns der Menge an, die gerade dabei ist, den Sarg in sein Grab zu senken.

„Danke... eure Anwesenheit bedeutet mir viel." brummt Drogo und lächelt mir verträumt zu.

Er wirkt plötzlich aufrichtig und nähert sich Milan. 
„Ich muss dir noch etwas sagen, Milan." Drogo schaut sich kurz um und kommt näher.

„Das Kind damals war nicht von dir... und dieses..."

Er deutet auf den Sarg. „Existiert auch nicht." Milan tut gespielt überrascht.

Aber anhand seiner Versteifung kann ich vermuten, dass ihn das alles nicht kalt lässt.

„Ich hoffe, wir sind trotzdem noch cool miteinander? Ich wusste das. Es war klar, dass Katharina bald stirbt... sie war besessen von dir. Besessenheit bringt einen um." sagt er und sieht ernst zu mir.

Drogos Mutter kommt auf Milan zu und umarmt ihn kurz. 
„Ist das die Leihmutter, Milan? Darf ich dich kurz sprechen?" Sie klammert sich an Milans Arm und zieht ihn abseits. Etwas hilflos sehe ich beiden hinterher, bis Drogo mir plötzlich an die Hand fasst und mich weiter wegzieht.

„Hey, spinnst du? Lass mich los!" Ich versuche mich zu wehren und überlege, laut zu schreien. Drogo drückt mich gegen einen Baum und hält mir den Mund zu.

„Verdammte Lucy, lass dich nicht blenden." Seine Worte irritieren mich.

Er holt etwas aus seiner Tasche, und ich schließe kurz die Augen. Mein Herz schlägt schneller.

„Hier." Als ich sie wieder öffne, hält er mir ein Handy hin. 
„Wir haben nicht lange, Milan sucht dich bestimmt schon. Dieses Handy gehört Katharina. Du willst den wahren Milan? Dann lies dir deren Chats durch. Der PIN ist 5719. Lies sie dir durch und urteile. Du kannst mich erreichen, wenn etwas sein sollte..."

„Drogo!" ruft der Mafioso von weitem. 
Etwas überfordert stecke ich mir das Handy in die Manteltasche.

Es fühlt sich so verboten an. 
Gehört es sich, in das Handy einer Toten zu schnüffeln? 
Und welcher wahre Milan meint er?

Er sieht wütend aus und nähert sich mir wie ein Wahnsinniger. Seine Familie schaut irritiert zu. 
„Komm mit, wir gehen. Sofort." brummt er und nimmt mich sanfter als Drogo zuvor an die Hand.

„Du wolltest mir noch etwas zeigen." protestiere ich und versuche, ihn aufzuhalten. 
„Heute nicht."

„Wir fahren auch zu McDonald's." Ich freue mich wie ein Kind. Zumindest darf ich mich nicht komisch verhalten. Wenn er das Handy sieht, flippt er aus.

„Was wollte er von dir? Ich will dich mit diesen Typen nie wieder allein sehen!" 
Ich laufe so langsam wie möglich; ich sehe, wie das Milan provoziert. 
„Beweg deinen Arsch, Lucy, bevor ich ihn dir so bearbeite, dass du nicht mehr dazu in der Lage bist." platzt es wütend aus ihm heraus. Er hat so laut geschrien, dass mit Sicherheit die anderen auch davon Wind bekommen.

Als ich ihn noch zu langsam bin, wird er grober; seine Art, wie er mich festhält, wird brutaler. 
„Geht's noch? Du tust mir weh?"

„Halt einfach deinen Mund!"

Tatsächlich bringt er mich mit seinem Verhalten zum Schweigen. Automatisch wehre ich mich und versuche, meinen Arm wegzuziehen, um ihm zu signalisieren, einfach damit aufzuhören. 
„Wieso bist du mit Drogo mitgegangen? Was wollte er von dir?" Ich antworte nicht. Immerhin hat er gesagt, ich soll meinen Mund halten.

Kann er sich mal entscheiden?

„Lucy!" sagt er ein weiteres Mal.

Er darf mich nicht durchsuchen.

Wie reagiere ich am besten? 
„Er macht sich Sorgen und hat mir gesagt, dass ich mich bei der nächsten Gelegenheit melden soll, wenn etwas sein sollte."

So ganz gelogen ist das ja nicht. Milan drückt mich plötzlich gegen die Hauswand, hat seine Hand um meinen Hals und würgt mich leicht. 
„Lüg mich nicht an."

Sein Würgegriff wird fester, seine Augen haben sich schlagartig verdunkelt. 
„Muss ich dich bestrafen, Süße?"

Ich schüttle meinen Kopf. 
„Milan..."

„Was?"

„Fester."

Er reißt verblüfft die Augen auf. Aber sein Gesichtsausdruck hellt sich auf, und seine zuvor dunklen Pupillen gewinnen einen lustvollen Glanz. Ich spüre, wie nah er mir ist und dass er erregt ist. Tränen laufen mir dennoch über die Wangen.

„Dann ist es endlich vorbei." schaffe ich, völlig außer Atem, zu erwidern, und sofort zerbricht seine Maske. 
Ich falle, nach Luft schnappend, auf die Knie und ringe nach Atem. Milan lässt mich links liegen, geht ein Stück auf Abstand und zündet sich eine Zigarette an.

„Du hast mich die letzten paar Male genug provoziert. Rede nie wieder mit Drogo." Er läuft vor, ohne einmal nach mir zu sehen.

Ich fühle mich elendig. Noch vor kurzem habe ich Milan bei seiner Oma gelobt, wie sanft er doch zu mir ist.

Doch jetzt ist er genau der, von dem alle denken.

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MilanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt