S.65

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„Komm her."

Milan streckt mir die Hand entgegen, und obwohl in mir noch alles tobt, lege ich meine hinein und lasse mich von ihm hochziehen, als hätte ich verlernt, allein aufzustehen. Für einen kurzen Moment stehen wir einfach nur da, viel zu nah, viel zu vertraut, während sich die Welt um uns herum auszublenden scheint.

Ohne ein weiteres Wort tritt er hinter mich und beginnt, mein Kleid wieder zuzuschnüren, seine Finger arbeiten ruhig und konzentriert, und jedes zufällige Streifen meiner Haut jagt mir einen Schauer über den Rücken, den ich mir selbst nicht erklären will.

Zwischen uns liegt plötzlich eine Stille, die schwerer wiegt als jeder Streit.

„Ich habe nicht mit denen geschlafen", sagt er schließlich ruhig, fast schon nüchtern, als wäre das hier eine einfache Klarstellung und keine Wahrheit, die gerade mein ganzes Inneres durcheinanderwirbelt. „Mir ging es einfach nur beschissen, also habe ich sie weggeschickt."

Ich antworte nicht sofort, weil ich nicht weiß, ob ich ihm glauben will oder ob ich mich selbst nur davor schützen will, es zu tun.

„Ich habe Tom gesagt, er soll dir das Gegenteil erzählen", fährt er fort, während er sich ein Tuch schnappt und sich darum kümmert, dass an mir nichts mehr von diesem kleinen Ausraster zu sehen ist. „Ich dachte, wenn du glaubst, dass ich dich einfach ersetzt habe, fällt es dir leichter, mich loszulassen."

Seine Worte setzen sich langsam in meinem Kopf fest, und ich merke, wie sich etwas in mir verschiebt, etwas, das ich die letzten Tage mit aller Kraft unterdrückt habe.

„Ich muss runter zu Ian", murmele ich schließlich, als mir wieder einfällt, wo ich bin und in welcher Situation ich stecke, und sofort breitet sich Panik in mir aus. „Er sucht mich bestimmt schon."

Doch Milan hält mich fest, lässt mich nicht gehen, und sein Griff ist fest genug, um mir klarzumachen, dass er das hier noch nicht beendet hat.

„Hör mir zu", sagt er eindringlich und zwingt mich, ihn anzusehen. „Ich habe dich weggeschickt, weil ich dachte, dieser Typ hätte es auf dich abgesehen, und ich wollte dich da raushalten. Ich konnte nicht wissen, dass dieser gestörte Idiot dein Bruder ist."

Ich ziehe langsam eine Augenbraue hoch und sehe ihn skeptisch an.
„Das hast du wirklich auf die denkbar schlechteste Art geregelt."

Er atmet kurz aus und zuckt mit den Schultern, als würde er sich selbst zustimmen.
„Ja, das habe ich."

Dann sieht er mich direkt an, und diesmal liegt keine Arroganz in seinem Blick, sondern etwas Ehrliches, etwas Ungewohntes.

„Und es tut mir leid."

Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, versuche, mein Gesicht unter Kontrolle zu halten, doch innerlich breitet sich ein Gefühl aus, das ich nicht erwartet habe.

Genugtuung.

Er hat sich entschuldigt.

Und das bedeutet mehr, als ich zugeben will.

„Hey."

Seine Stimme wird plötzlich fester, bestimmender, und ich zucke leicht zusammen, als hätte er mich aus meinen Gedanken gerissen.

MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt