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„Mein ganzes Leben war eine Lüge..."
Die Worte verlassen meine Lippen leise, brüchig, als würden sie jeden Moment auseinanderfallen.
Ich könnte weinen.
Nein - ich will weinen.
Aber nicht vor ihm.
Weinen ist für mich etwas Intimes, etwas, das ich nicht einfach so preisgebe. Es zeigt Schwäche, und Schwäche ist das Letzte, was ich Ian gerade zeigen will.
„Wieso jetzt?" fahre ich ihn plötzlich an, meine Stimme schneidet scharf durch die angespannte Luft im Auto. „Wieso zur Hölle jetzt?! Es hat euch doch sonst auch einen Scheiß interessiert!"
Ich rutsche ein Stück von ihm weg, presse mich förmlich gegen die Tür, als würde das den Abstand vergrößern können, der sich ohnehin schon zwischen uns aufgetan hat.
Ian bleibt erstaunlich ruhig.
Zu ruhig.
„Unser Vater ist ein krankes Schwein", sagt er schließlich, als würde er über das Wetter sprechen. „Menschenhandel, Lucy. Und als unsere Mutter sich gewehrt hat... hat er sie erschossen."
Die Welt bleibt stehen.
Ein einziger Satz - und alles zerbricht.
Meine Mutter ist tot.
Einfach so ausgesprochen, als wäre es nichts.
Dabei hatte ich nicht einmal die Chance, sie kennenzulernen. Nicht einmal die Möglichkeit, um sie zu trauern, weil ich nie wusste, dass ich sie verloren habe.
Dieses Recht... wurde mir einfach genommen.
Ich starre ins Leere, während sich etwas in mir zusammenzieht.
Schmerz.
Roh und ungefiltert.
„Ich musste dich schützen", fährt Ian fort, nimmt einen Zug von seiner Zigarre und lässt den Rauch langsam aus dem Fenster entweichen. „Also habe ich dich in eine andere Familie gebracht. Ganz fremd waren sie nicht - Geschäftspartner. Kinderlos. Du kamst wie gerufen."
Ich lache leise.
Ein bitteres, kaputtes Lachen.
Wie praktisch.
„Vater war einverstanden", murmelt er weiter. „Solange ich bei seinem kranken Spiel mitmache. Du glaubst gar nicht, wie viele Schläge ich dafür kassiert habe..."
Er lacht kurz, als wäre es eine Erinnerung, über die man schmunzeln kann.
Mir wird schlecht.
„Wieso jetzt, Ian...?" frage ich leise, fast tonlos, während ich verzweifelt versuche, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten.
Er hebt zwei Finger.
„Zwei Gründe."
Der Wagen hält an.
„Erstens: Unser Vater ist so gut wie tot. Er stellt keine Gefahr mehr dar."
Eine kurze Pause.
„Und zweitens..." Seine Stimme kippt. „...weil Xavier durch einen verdammten Zufall auf die Idee kam, dich zu entführen."
„WIRKLICH EIN VERFICKTER ZUFALL!" schreit er plötzlich, so laut, dass ich zusammenzucke.
Der Fahrer ebenfalls.
„Diese Missgeburt..." knurrt er und fährt sich durchs Haar.
Ich presse die Lippen zusammen.
Das ist alles zu viel.
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Milan
RomantizmLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
