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„Habt ihr euch gestritten?", hake ich nach.
Ehrlich gesagt interessiert es mich schon, was zwischen den beiden läuft.

Sie schwanken ständig zwischen Liebespaar und Arbeitskollegen. Ich habe bei Chani schon öfter Andeutungen gemacht, aber eine klare Antwort habe ich nie bekommen.

Jaden macht mir vor ihren Augen regelmäßig Komplimente ... und ich habe nicht mal den Eindruck, dass sie sauer darauf wäre.

Gut aussehen tut er ja auch.

„Nein, alles gut. Du kennst ihn ja mittlerweile. Wärst du trotzdem so lieb und würdest ihn suchen? Er würde sich bestimmt über weibliche Gesellschaft freuen."

„Da hinten steigt gerade eine reine Piratenparty", murmele ich.

„Willst du nicht lieber...?", hake ich noch einmal nach und trockne ein paar Gläser ab.
Chani legt mir die Hand auf die Schulter.

„Wir sind nicht zusammen, falls du das denkst. Wir schlafen hin und wieder miteinander, mehr wird daraus auch nie, Flora."

Mein Blick hat mich wohl verraten. Ich schlucke meine Worte runter und lasse meinen Blick durch die Menge schweifen.

„Flora!", ruft Jaden aus einer noch ruhigen VIP-Ecke. Einige sitzen dort entspannt und rauchen Shisha.

Ich nicke nur zur Antwort.

„Stimmt es? Wir bekommen prominenten Besuch?" Meine Stimme klingt aufgeregter, als ich zugeben will.

Was ist, wenn ich mit einem Prominenten durchbrenne? Wie heiß wäre das bitte? Zusammen in den Weltuntergang ...

„Ja, irgendein Musiker. Sein Manager ging mir dezent auf den Piss. Wenn ich merke, dass sie dich scheiße behandeln, werfe ich sie eigenhändig raus."

Ich nicke.

Als ob mich jemand scheiße behandeln würde. Wenn überhaupt, werfe ich sie selbst raus. Notfalls fliegen auch Gläser.

Jaden greift nach meiner Hand, ich stolpere - und lande auf seinem Schoß.

Genau in diesem Moment wird die Menge unruhig.

Ich realisiere gar nicht richtig, wo ich sitze, murmele nur ein „Sorry" und versuche, den vermeintlichen Star zu erkennen.

Sie kommen direkt auf uns zu.

Oh Hilfe.
Wie begrüßt man sowas?

Ein paar Jungs treten näher und begrüßen uns ... ehrlich gesagt kenne ich keinen von ihnen.

„Oh Scheiße", flüstere ich viel zu laut und vergrabe mein Gesicht abrupt an Jadens Schulter.

Er riecht nicht schlecht.

„Ganz ruhig, Kätzchen. Sowas hatte ich auch noch nie."

Während ich versuche, mich zu verstecken, begrüßt Jaden einen Mann.

Seine Stimme erkenne ich sofort.

„Freut mich, ich bin Drogo. Wir sind gerade auf Tour, und man hat uns gesagt, das hier ist der angesagteste Laden."

Ich muss mir ein Lachen verkneifen.
Als ob jemand wegen seines Talents auf sein Konzert geht.

„Flora, wie wär's, wenn du uns was zu trinken besorgst?" Jaden streicht mir sanft durchs Haar.

Ich springe förmlich auf und verschwinde.

Schnell gehe ich zu Chani.

„Und?"

„Der Rapper ist absoluter Schrott", seufze ich.

„Nein, ich meine: Was wollen sie trinken?"

Ich verdrehe die Augen, schnappe mir diesmal das Tablet und gehe zurück.

Ich will meinen Job nicht riskieren - und gleichzeitig nicht auffallen.

„Was darf es sein?" Ich halte mir das Tablet fast vors Gesicht.

„Brauchst du eine Brille, Flora?" Jaden grinst.

Ich nehme die Bestellungen auf und eile zurück.

„Können wir vielleicht tauschen? Mir geht's heute nicht so gut."

Chani nickt sofort, mustert mich besorgt.
„Du wirkst nervös. Alles okay?"

„Ja ... danke, Chani."

Ein Glück, ich kann an die Theke.

Als es etwas ruhiger wird, atme ich endlich durch.

„Ich glaube, Jaden hat schon ordentlich einen im Tee. Er versteht sich ziemlich gut mit denen", beschwert sich Chani, während ich gedanklich ganz woanders bin.

Jaden nickt mir von weitem zu.
Dieses Zeichen kenne ich.

Ich soll ihm folgen.

Mit gesenktem Kopf gehe ich zu ihm. Sein Blick wirkt sofort besorgt.

„Du siehst heute irgendwie ängstlich aus. Das gefällt mir nicht."
Er schließt die Tür.

„Du brauchst vor denen keine Angst zu haben. Ich verspreche dir, es passiert nichts. Die sind nett."

Ich verkneife mir jeden Kommentar.
Die Erinnerungen überrollen mich.

Mir wird übel.

Jaden tritt näher und streicht mir eine Strähne hinters Ohr.
Sein Gesicht kommt meinem gefährlich nah.

„Oh fuck ... falscher Moment."

Aus Panik - weil Drogo hereinkommt - ziehe ich Jaden zu mir und küsse ihn.

Was hätte ich sonst tun sollen?

Was wird das hier überhaupt?

Und genau darauf hat Jaden wohl gewartet.
Er erwidert den Kuss - intensiver, als ich erwartet habe.

Ich kann nicht abbrechen. Nicht jetzt. Nicht vor ihm.
Seine Hände vergraben sich in meinen Haaren.

Erst als er sich löst, atme ich wieder richtig.

„Sag mal, helft ihr mir jetzt endlich ...? Oder planen wir hier gleich einen Dreier?" Chani lallt und grinst breit.

Wo bin ich hier gelandet?

Ich richte hastig meine Haare und flüchte Richtung Toilette.

„Was macht Katharina jetzt auch noch hier? Und warum rede ich mit mir selbst?"

Verdammt. Ich kann hier nicht einfach verschwinden.
Aber den halben Abend auf dem Klo verbringen geht auch nicht.

Job oder Flucht.

Moment ... trinkt Katharina gerade Bacardi?
Einen nach dem anderen?

Aber sie ist doch schwanger ...

Mein Herz rast.

Diese miese Hure.
Armer Milan ...

Die Musik wird lauter, einige fangen an zu tanzen. Jaden fühlt sich sichtlich wohl.

Ich muss hier raus. Ich muss mit ihm reden.
Ich sag einfach, mir geht's nicht gut.

Das Licht ist dunkel genug, um nicht sofort erkannt zu werden.
Außerdem habe ich mir einen Pferdeschwanz gemacht - ich trage sonst immer die Haare offen.

„Kann ich mir dein Make-up leihen, Chani?"

Sie nickt und reicht mir die Palette.

„Klar. Gefällt dir Jaden oder einer der Gäste?"

Ich weiß nicht, was schneller schlägt - mein Herz oder der Bass.

„Hast du Drogen genommen, Flora? Bleib locker. Komm her."

Sie zieht mich in eine Umarmung.

„Ich weiß, es ist stressig heute ... tut mir leid. Komm, ich helf dir mit deinem Make-up."

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MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt