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„Ich werde aber nicht wieder irgendwo im Ausland wach, oder? Ich warne dich, Milan. Sollte das der Fall sein ..."
„Reg dich ab, Süße."
Er nimmt meine Hand, als wir aussteigen.
Ich kenne diesen Ort.
Der Friedhof.
Wir laufen eine Weile schweigend nebeneinander her. Milan hält meine Hand fest, fast so, als müsste er sich vergewissern, dass ich noch da bin. Schließlich bleiben wir stehen.
Es ist das Grab seiner Eltern.
Und nicht weit davon entfernt liegt Katharina.
„Ich kann mich kaum daran erinnern", sagt er schließlich, gedankenverloren. Er zündet eine erloschene Grabkerze an. „Ich habe seelenruhig geschlafen. Das Einzige, woran ich mich erinnere, sind meine eigenen Schreie, als ich die Schüsse gehört habe."
Ich schlucke.
„Danach bin ich bei Xavier aufgewachsen. Er hat mich zu dem gemacht, der er wollte - nicht zu dem, den meine Eltern gewollt hätten."
Seine Stimme wird kälter. „Sie haben diesen Scheiß hinter sich gelassen. Sie wollten nie, dass ich etwas damit zu tun habe. Sie wären verdammt enttäuscht von mir."
Seine Augen verdunkeln sich.
Das ist keine Trauer.
Das ist Wut.
„Du warst ein Kind, Milan", sage ich leise. „Kein Kind der Welt schafft es allein aus so einem Teufelskreis."
Er zündet sich eine Zigarette an. Ich wedle sofort mit der Hand vor meinem Gesicht.
„Ekelhaft."
Das Grab ist wunderschön. Frische Blumen, flackernde Kerzen.
Und trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack.
Mein eigener Erzeuger hat das getan.
„Warum hat er das gemacht?" frage ich.
Milan schüttelt nur den Kopf.
„Konkurrenz, Schulden, Neid ... keine Ahnung. Und ehrlich gesagt will ich es auch nicht wissen. Das macht alles nur schlimmer. Ich will einfach versuchen, damit abzuschließen."
Nach einer Weile gehen wir weiter. Wir kommen an Katharinas Grab vorbei.
Ich zögere kurz, dann frage ich: „Wie war das Verhältnis zwischen deinen Eltern?"
Vielleicht ist die Frage unangebracht.
Vielleicht will ich einfach wissen, ob ich die Einzige bin, die so kaputt ist, dass sie sich in ihren Entführer verliebt.
Milan schnaubt leise.
„Meine Tante meinte, mein Vater hat sie krankhaft geliebt. Es war ... ungesund. Die beiden hätten definitiv einen Psychiater gebraucht."
Ich reiße die Augen auf.
Er lacht und zieht mich näher an sich.
„Tja", sagt er grinsend, „ich hab für uns schon mal einen Termin gemacht."
„Wieso *uns*?" frage ich gespielt verwirrt.
Er bleibt stehen.
Sieht mich an.
Und plötzlich ist alles anders.
„Weil ich dich liebe, Lucy."
Sein Blick ist weich. Ehrlich.
So habe ich ihn noch nie gesehen.
Oh Gott.
Hilfe.
Ich bekomme Panik.
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Milan
RomantizmLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
