S.33

10.7K 304 74
                                        

· ─ ·𖥸· ─ ·
33

„Zu meinem Privatstrand." Es ist das erste Mal, dass Drogo selbst fährt.

„Super, da hab ich richtig Lust drauf", lalle ich ironisch, doch Drogo versteht den Ton nicht und schaltet stattdessen das Radio ein. Als wir am Strand ankommen, stehen dort bereits Paparazzi und versuchen, Fotos von uns zu schießen.

„Wie ist Ihr Name, Miss?"
Überfordert kralle ich mich hilflos an Drogos Arm fest.

„Big D, hier, bitte ein Foto!"

„Big D? Was zur Hölle geht hier ab, Drogo?"

„Diese verfluchten Paparazzi", knirscht er genervt und winkt einigen Männern zu, die offenbar seine Bodyguards sind. Sie halten die aufdringliche Meute auf Abstand, die weiterhin versucht, Bilder von uns zu machen.

„Ihr Name?!" ruft einer erneut.

„Hildegard."

„Komm, Lucy." Drogo zieht mich weiter Richtung Strand, vorbei an einer kleinen Bucht. In der Ferne erkenne ich einige seiner Männer, die das Gebiet absichern.

„Wow." Am Steg ist ein kleines Picknick aufgebaut. „Noch mehr Drogen, die mich zur Ohnmacht bringen - ganz toll." Misstrauisch betrachte ich eine Erdbeere, hebe sie hoch und mustere sie skeptisch.

„Kein Gift, versprochen", lacht Drogo und schenkt mir sein schönstes Lächeln. Ich verziehe das Gesicht, halte ihm die Erdbeere hin und beobachte, wie er davon abbeißt und sie demonstrativ runterschluckt.

Gut, dann kann ich wohl bedenkenlos zugreifen und mich ein wenig entspannen.

„Ich hab viele Fragen, Drogo." Er zieht sein Jackett aus und wirft es beiläufig zur Seite.

„Kleiner Funfact: Drei Meter weiter und du befindest dich auf Milans Privatstrand."

„Wirklich?" Mit sichtlichem Vergnügen werfe ich ein paar Essensreste hinüber.

„Was für eine Bereicherung. Und jetzt erklärst du mir bitte, warum du plötzlich Big D bist." Bei dem Namen muss ich unweigerlich lachen.

„Nicht lustig. Das ist mein Künstlername. Ich bin Rapper."

Ich kann mir das Lachen trotzdem nicht verkneifen.

„Seit wann bist du Rapper?" Drogo schenkt uns etwas zu trinken ein und schwenkt sein Glas lässig hin und her. Ich greife nach einem Sektglas und kippe den Inhalt brav herunter. Das Meer rauscht, Möwen kreisen über uns, und in der Ferne ziehen Boote vorbei - alles könnte perfekt sein.

„Schon länger. Es hat dir nur keiner erzählt."

„Ich glaub dir kein Wort."
Drogo lacht erneut und wirft den Kopf in den Nacken. „Ist aber so."
Ich werfe ihm eine Handvoll Sand zu.

„Dann beweis es mir. Rapp mir was vor."

Er seufzt, wirft einen Blick auf seine Uhr und überlegt kurz. Dann richtet er sich auf und legt los:

„Ich sitz hier am Strand mit dir,
alles ist entspannt hier,
Fans reden und rufen,
doch keiner kann dich übertrumpfen.
Die Schreie werden hier überboten,
da vorne steht: Tauchen verboten.
Du machst jetzt einen Abflug ins Wasser."

Er rennt plötzlich auf mich zu - und ehrlich gesagt, ein Glück tut er das.

Das war mit Abstand das Schlimmste, was ich je gehört habe.

„Und damit hast du Erfolg?"
Er nickt.
„Warum? Neidisch, meine Hübsche? Keine Sorge, Big D bleibt ganz deins."

Er lebt komplett fernab von jeder Realität. Was redet der da eigentlich? Das kann er doch unmöglich ernst meinen. Und damit hat er wirklich Erfolg? Wenn er Rapper ist - ist Milan dann Opernsänger?

Im nächsten Moment wirft Drogo mich über seine Schulter und springt mit mir ins Wasser. Ich schreie auf, während meine Frisur komplett ruiniert wird. Am liebsten wäre ich einfach nur weg. Weg von hier. Weg von allem. Weg nach Hause - auch wenn es das für mich längst nicht mehr gibt.

Ich stapfe aus dem Wasser, schnappe mir einen Bademantel und ziehe ihn hastig über.

„Drogo, ich will ehrlich zu dir sein. Ich möchte weg. Weg von all dem hier."

Er nickt und trocknet sich ebenfalls ab. Offenbar hat er sich von seiner kleinen Aktion etwas anderes erhofft.

„Schöne Lucy, ich werde dich nicht gehen lassen. Du bist bald mein."

Sein Gesichtsausdruck jagt mir einen Schauer über den Rücken. Er kommt näher, Schritt für Schritt, bis ich schließlich im Sand nachgebe und falle. Drogo beugt sich über mich, greift nach meinem Kinn und fixiert meinen Blick.

„Du bist und bleibst meins. Und ich werde all das mit dir anstellen, wovon ich abends träume."

Meine Pupillen weiten sich, sein Griff wird fester. Panik steigt in mir auf, während ich verzweifelt nach einem Ausweg suche.

Ekelhafter Perverser. Ich wusste es. Erst nett, und jetzt zeigt er sein wahres Gesicht.

„Du frierst. Komm, wir steigen in den Wagen."

Als er endlich von mir ablässt, fällt mir ein Stein vom Herzen. Ich brauche einen Moment, um wieder auf die Beine zu kommen, steige dann aber wortlos ins Auto.

33
· ─ ·𖥸· ─ ·

MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt