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Der nächste Morgen bricht an, auch wenn ich nicht wirklich sagen kann, ob ich überhaupt richtig geschlafen habe. Zumindest hat sich Milan nicht mehr blicken lassen, was ich in meiner aktuellen Situation definitiv als kleinen Sieg verbuche.
Trotzdem weiß ich nicht einmal, wie ich mich fühlen soll. Wütend? Verängstigt? Einfach nur leer?
„Wir gehen weg."
Ich schrecke leicht zusammen, als Tom plötzlich im Raum steht und mir ohne Vorwarnung ein Kleid zuwirft. Es landet halb auf meinem Gesicht, halb neben mir.
Verdutzt starre ich ihn an, bevor ich reflexartig aufspringe und in eine kämpferische Haltung gehe.
„Soll das eine Karate-Stellung sein?"
Ich fange an, wild mit den Händen herumzufuchteln, völlig überzeugt davon, dass ich zumindest halbwegs bedrohlich wirke. Vielleicht hat er ja keine Ahnung von Kampfsport. Vielleicht nimmt er mir das sogar ab.
„Ich habe den schwarzen Gürtel", füge ich noch hinzu, mit möglichst ernster Miene.
Tom sieht mich einen Moment lang an - und fängt dann einfach an zu lachen.
Richtig zu lachen.
Kopfschüttelnd dreht er sich um und geht zur Tür. „Du hast alles, was du brauchst, um dich hübsch zu machen. Sogar deinen Farbkasten."
Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss.
Farbkasten.
Ich starre kurz ins Leere.
Der meint meine Lidschattenpalette.
Unverschämt.
Ich verschränke die Arme.
Einen Scheiß werde ich.
Wenn die glauben, ich mache mich hier hübsch für irgendeinen kranken Auftritt, dann haben sie sich geschnitten. Ich gehe da im Pyjama hin, wenn es sein muss. Je unerträglicher ich bin, desto größer die Chance, dass dieser Spinner mich irgendwann freiwillig wieder loswerden will.
Nach einer halben Stunde liege ich wieder auf dem Bett, habe es mir so bequem gemacht, wie es eben geht, und döse vor mich hin. Wenigstens meine Gedanken können sie mir nicht nehmen.
„Zu Diensten, Miss."
Ich drehe langsam den Kopf zur Seite.
Ist das... ein Escort-Service oder was?
Eine Frau steht vor mir, geschniegelt, geschniegelt ist gar kein Ausdruck - geschniegelt auf Hochglanz.
Bevor ich irgendetwas sagen kann, folgt die nächste Stimme.
„Entweder Polly zieht dich um... oder ich mache es persönlich. Und glaub mir, das ist mein Ernst."
Milan.
Natürlich.
Er kommt einfach herein, als gehöre ihm die Welt - was, wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich sogar stimmt - und geht an uns vorbei, als wäre ich nur ein Möbelstück.
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Milan
RomansaLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
