S.47

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Als wir im Auto sitzen, versuche ich, so viel Abstand wie möglich zwischen uns zu bringen, was in diesem engen Raum allerdings kaum machbar ist.

Ich hasse es zu weinen, ich verabscheue dieses Gefühl von Schwäche, doch in diesem Moment fühle ich mich einfach nur elend und leer.

Unwillkürlich zucke ich zusammen, als Milan sich seufzend zu mir beugt und meinen geröteten Hals betrachtet. Seine Finger fahren vorsichtig über die dunklen Spuren, die er selbst hinterlassen hat, und obwohl seine Berührung sanft ist, fühlt sich jeder Atemzug für mich schwer und beinahe vergiftet an.

Einer seiner Männer wirft ihm eine Augenbinde zu, doch Milan schleudert sie fluchend beiseite.
„Soll sie doch sehen, wo sie ist."

Seine Stimme ist gereizt, aber als er sich wieder mir zuwendet, verändert sich etwas in seinem Blick.

„Tut mir leid", murmelt er leise, fast schon ungewohnt aufrichtig, als würde er mit sich selbst kämpfen.

Ich merke, wie er kurz zögert, als wolle er näherkommen, doch diesmal lässt er mir tatsächlich den Raum, den ich brauche, und versucht es nicht weiter.

Als die Autotür geöffnet wird, sehe ich ihn kurz an.
„Steigst du nicht aus?"

Er schüttelt den Kopf und lehnt sich zurück.
„Nein. Ich muss mich abreagieren."

Ich beiße mir auf die Lippe, während sich dieses unangenehme Ziehen in meinem Magen verstärkt.

„Mit einer anderen?"

Kaum habe ich die Worte ausgesprochen, könnte ich mich dafür ohrfeigen. Die Frage hat sich schon die ganze Zeit in meinem Kopf festgesetzt, und obwohl ich die Antwort kenne, will ich sie hören.

Als hätte er mir irgendetwas zu schulden.
Als wären wir überhaupt... irgendetwas.

Milan hebt leicht amüsiert die Mundwinkel, obwohl die Wut noch immer in ihm brodelt.
„Bevor ich es an dir auslasse, ja."

Seine Worte treffen mich härter, als ich erwartet habe.

Ich schlucke, zwinge mich, mir nichts anmerken zu lassen, obwohl es sich anfühlt, als hätte mir jemand direkt ins Gesicht geschlagen.

„Du bist das Letzte... einfach nur ekelhaft", stoße ich hervor und steige aus, bereit, wieder von seinen Leuten umgeben zu werden.

Hinter mir höre ich, wie er die Tür aufstößt.
„Na dann komm her", ruft er spöttisch. „Dann lassen wir das gleich hier."

Ich bleibe kurz stehen.

Viel zu kurz.

Diese Mischung aus Wut, Verlangen und Verzweiflung bringt mich komplett durcheinander.

Doch ich gehe weiter, ohne mich umzudrehen.

Ich bin gleichzeitig wütend, verletzt und viel zu aufgewühlt, um klar denken zu können. Tränen steigen mir in die Augen, und egal, wie sehr ich versuche, sie zurückzuhalten - es klappt nicht.

Ist es, weil er jetzt bei einer anderen ist?
Oder weil mein Hals noch immer schmerzt?

Oder weil ich längst weiß, dass ich mich in etwas verliere, das mich zerstört?

Ich hasse ihn.

Im Spiegel sehe ich mich selbst nur verschwommen, doch selbst das reicht, um zu erkennen, wie mitgenommen ich aussehe.

Er ist einfach gegangen.

Zu einer anderen.

Ich hasse ihn.

MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt