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Es sind jetzt vier Tage vergangen.

Bei Drogos Geschäften muss ordentlich was dazwischen gekommen sein. Er hat kaum Zeit für mich und mir sogar eine Spielkonsole gekauft.

Hin und wieder sieht er nach mir und versucht, mir näher zu kommen, doch jedes Mal ist etwas dazwischengekommen.

Er faselte was von „aufgeflogen". Wie jeden Mittag um 15 Uhr kommt Drogo herein und sieht nach mir. Er setzt sich übermüdet hin und schließt kurz die Augen. 
„Ich muss heute Abend geschäftlich weg und würde dich gerne mitnehmen. Du kennst diesen Ort." Ich überlege kurz, doch verstehe nicht, was er meint.

Ich hoffe, Milan wird nicht dort sein. Er hat mir zweimal geschrieben.

„Hallo."

Und

„Wer ist Hildegard?"

Ich vermute, er hat ein Foto von mir und Drogo gesehen, und jetzt spielen sich all mögliche Szenen in seinem kranken Köpfchen ab. „Zieh dich um, wir haben nur zwei Stunden Zeit." Er streichelt mir über den Kopf und verlässt mich.

Ich finde es wirklich seltsam, dass Drogo bisher nichts versucht hat. Eine Dame kommt herein und will mir dabei helfen, mich umzuziehen. Ich lehne dankend ab und suche mir ein weißes Kleid raus. Das passt im Kontrast zu meinen dunklen Haaren.

Optisch gesehen würde ich eher zu Milan als zu Drogo passen. Drogos Aussehen ist das komplette Gegenteil.

Blond, blauäugig. Kein einziges Tattoo. 
Jetzt denke ich schon wieder an den Mafiosi-Idioten, der auf Reisen ist.

Vorsichtig hebe ich meinen Rock und fixiere das Messer dort; wer weiß, wann ich es gebrauchen kann. Als ich zufrieden mit meinem Make-up zur Eingangshalle gehe, nimmt Drogo meine Hand und betrachtet mich gierig. 
„Hmm, Süße, du siehst zauberhaft aus. Und dich kann ich meins nennen."

Oh nein, du testosteronsabberndes Etwas. Ich gehöre niemandem. 
„Wohin geht es jetzt?"

Und er hatte recht.

Ich kenne diesen Ort. 
Sofort bekomme ich Gänsehaut, als wir an der Eingangshalle stehen.

Der Ort, wo Menschenhandel betrieben wird. „Wieso sind wir hier?"

„Keine Sorge. Du endest diesmal nicht als Hauptattraktion." Ich schweige, meine Beine zittern vor Nervosität. 
„Drogo, mein Freund." Ein schmieriger Mann kommt auf uns zu; sein Hintermann stinkt nach Zigaretten und sieht schmantig aus. Er sieht mich ekelhaft an und leckt sich über die Lippen.

„Verkaufst du sie?" brummt er mit einer tiefen, ekeligen Stimme. 
„Verzeiht meinen Freund. Er hat seine Dosis heute noch nicht bekommen. Du Blödian, das ist Milans Kleine," sagt der vordere Mann.

Der Ekelhafte knackt mit seinem Hals.

„Deshalb ist sie mit Drogo hier? Wer es glaubt. Fickt er nicht mehr deine Schwester, Drogo?" Erstaunt halte ich den Mund offen und verstecke mich hinter Drogo.

„Vielleicht hat er sie prostituiert."

Wieso sagt Drogo nichts? Hat er etwa Angst vor den beiden? 
„Naja, wenigstens sieht sie nicht so aus wie zwei verbrannte Hunde." brumme ich genervt und kann kaum glauben, Katharina gerade zu beschützen.

Der eine Mann hält den Schmantigen auf, sonst wäre er auf mich losgegangen. Ich bin nicht mal zusammengezuckt. 
Drogo steht wie versteinert da und sagt nichts.

Als beide weg sind, findet er seine Stimme wieder. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?" beschwert sich Drogo und hält meinen Arm ziemlich fest. 
„Bist du komplett blöd? Der Typ hat deine Schwester beleidigt und war kurz davor, mich mit seinen Augen zu vergewaltigen."

„Ach so? Vielleicht komm ich auf ihn nochmal zurück. Er zahlt bestimmt genug Geld für deine Fotze. Und danach versenke ich mich mit Vergnügen in dir."

„Das—"

„Oh doch, das werde ich."

„Ich muss auf die Toilette." Ich reiße mich los und renne aufs Frauenklo. 
Panisch suche ich nach einem Fenster, um abzuhauen, doch es sind jede Menge Wachleute überall, für den Fall, dass die „Ware abhauen will." Ich hasse diesen Ort. Ich hasse Drogo. Wie kann man sich so in Menschen täuschen?

Ein lauter Knall dröhnt draußen, doch ich ignoriere ihn und versuche aus einer kleinen Kuhle zu flüchten. 
„Oh nein, du bleibst schön hier." Der Schmantige von gerade fixiert mich gegen die kalte Wand und zerreißt mein Kleid. 
„Fass mich nicht an."

Ich höre Schüsse im Hintergrund; hier geht gefühlt die Welt unter. Die Leute fangen an zu schreien. 
„Es läuft alles nach Plan, und du wirst es jetzt mit mir feiern." Er zieht mir an die Haare.

Mein Körper beginnt zu schmerzen; ich schreie, weine und versuche, ihn von mir fernzuhalten, doch er macht immer weiter und ist viel stärker. Ich höre das Klirren seines Gürtels; er schiebt mein Becken auseinander. Ohne darüber nachzudenken sehe ich schwarz. Mein Körper ist wie gelähmt. Nur mit Mühe schaffe ich es, mit einer Hand mein Bein hinunterzuleiten und dort das Messer herauszuziehen, ehe der Typ es schafft, mich zu vergewaltigen.

Aber damit hätte ich nicht gerechnet.

In meinem Kopf ist eine große Leere; ohne darüber nachzudenken stecke ich das Messer direkt in seine Kehle. Er röchelt, das ganze Blut verteilt sich auf den Boden, an meinen Händen... es ist überall.

„LUCY, WIR MÜSSEN—... WAS HAST DU GETAN?" Ich stehe wie versteinert da. 
Ich habe ihn getötet.

Er ist tot. 
Ich habe ein Leben beendet.

Ich bin ein Mörder. 
Und ich bereue es nicht. 
Drogo steht vor mir und versucht, etwas zu retten; ich nutze die Chance und renne aus dem Raum heraus. „WIR SIND TOT!" schreit Drogo im Hintergrund.

Die Leute sind hier immer noch in Panik; sie haben einen großen Kreis um etwas gebildet. Ich laufe, falle fast hin und renne einfach nur so schnell ich kann.

Ich bekomme keine Luft, meine Lunge schmerzt. 
Alles passiert wie in Trance, als wäre alles ein Albtraum. Jemand fasst mich von hinten an und reißt mich raus aus der Menge in die Freiheit. Ich bekomme nicht mit, wer es ist oder wer dabei ist, mit mir zu reden.

Erst als ich frische Luft bekomme und aufhöre zu rennen, erkenne ich, dass es Milan ist. „Sieh mich an, Lucy, was ist passiert?"

Ich schluchze und bekomme keine Luft; Milan bringt mich in sein Auto und steigt mit mir hinten ein. Er sieht mir tief in die Augen und betrachtet meinen Zustand. 
„Rede mit mir."

Ich schluchze und finde kaum Worte. 
„Ich hab ihn getötet, Milan. Ich hab jemanden ermordet."

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MilanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt