S.8

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„Respekt muss man sich verdienen - und den hast du dir ganz sicher nicht verdient."

Xavier mustert mich einen Moment lang, als hätte ich ihm gerade ins Gesicht gespuckt, dann zieht sich ein amüsiertes Grinsen über seine Lippen.
„In meiner Welt", sagt er ruhig und hebt die Zigarre an, „erkauft man sich Respekt."

Der Rauch kringelt sich träge durch die Luft und legt sich wie ein Film über den Flur. Von weiter unten dringt dumpfes Gelächter zu uns hoch, vermischt mit Musik und Gläserklirren - als wäre das hier ein verdammtes Luxusresort und kein kranker Albtraum.

„Geh ruhig nach unten zu den anderen", fährt er fort und lehnt sich entspannt gegen das Geländer. „Milan wird sich freuen, dich zu sehen."

Sein Ton trieft vor Ironie.

„Vergiss es!" Ich verschränke die Arme vor der Brust, obwohl mir dabei leicht schwindelig wird. „Hör mal - er will mich nicht. Also lass mich einfach gehen!"

Xavier lacht leise, fast gelangweilt, und klopft die Asche seiner Zigarre auf den Boden.
„Das ist mir egal."
Er sieht mich direkt an. „Du sollst ja auch nur schwanger werden."

Für einen Moment bleibt die Welt stehen.

Dann reiße ich die Augen auf - und fange an zu lachen.

Es ist dieses falsche, hysterische Lachen, das irgendwo zwischen Panik und Wahnsinn liegt.
„Was... hast du gerade gesagt?"

Er betrachtet mich, als würde er prüfen, ob ich gleich komplett durchdrehe, dann zuckt er mit den Schultern und bläst einen perfekten Rauchring in die Luft.
„Katharina ist natürlich Milan versprochen. Du..." - sein Blick wandert langsam über mich - „du siehst ihr nur ähnlich genug. Und sie kann keine Kinder bekommen."

Er sagt das so sachlich, so beiläufig, als würde er über ein neues Möbelstück sprechen.

„Also trägst du das Kind aus."

Mir wird eiskalt.

„Vielleicht", fügt er nach einer kurzen Pause hinzu, während sich ein widerliches Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitet, „koste ich auch von dir. Aber nur, wenn Milan dran war."

Jetzt ist es still.

Komplett still.

Ich stehe einfach nur da und starre ihn an. Kein Wort kommt über meine Lippen. Mein Kopf ist leer - und gleichzeitig viel zu voll.

Ich muss mit Milan reden.
Das... das kann nicht deren Ernst sein.

„Geh ruhig runter", sagt Xavier schließlich und winkt mich beinahe gelangweilt weg. „Du darfst sogar in den Garten."

Ich gehe an ihm vorbei, ohne ihn noch einmal anzusehen. Hinter mir spüre ich seinen Blick - schwer, zufrieden, ekelhaft.

Mir ist schlecht.

So richtig schlecht.

Als würde alles, was er gerade gesagt hat, an mir kleben wie Dreck, den man nicht mehr abwaschen kann.

MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt